Corona: Vida fordert den Abschluss eines Branchen-KVs

Wirtschaftskammer soll Verhandlungen über einen Kollektivvertrag für die Ryanair-Basis Wien, die derzeit aus drei Boeing 737-800 besteht, verweigern.

Flughafen Wien (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Gewerkschaft Vida fordert die Wirtschaftskammer angesichts der Corona-Krise dazu auf, dass diese „endlich Verhandlungen über einen Branchen-Kollektivvertrag für Fluglinien mit Basen am Flughafen Wien aufnehmen“ soll. Die jüngsten Entwicklungen, insbesondere bei Austrian Airlines und Lauda, würden die Notwendigkeit eines solchen Branchen-KVs sehr deutlich unterstreichen.

„Das unkontrollierte Wettbewerbs-Blutbad auf Kosten des Personals muss jetzt trockengelegt werden und darf nicht schon während der Corona-Pandemie neu aufgefüllt werden“, fordert Daniel Liebhart, Vorsitzender des Fachbereichs Luftfahrt in der Gewerkschaft Vida.

Die Forderung nach einem Branchen-Kollektivvertrag ist definitiv keine Neuigkeit, sondern die Arbeitnehmervertreter fordern diesen schon seit vielen, vielen Jahren, laufen damit bei der Wirtschaftskammer jedoch regelrecht gegen Windmühlen an. Die Standesvertretung der Arbeitgeber lehnt einen solchen KV für alle Luftfahrtunternehmen konsequent und prinzipiell ab. „Der Sozialpartner ist aufgerufen, einen Blick aus seinem Glaspalast zu riskieren. Dann würde ihm auffallen, dass sich der beinharte Wettbewerb direkt vor der eigenen Haustür abspielt und genau dort müssen wir für faire Arbeits- und Wettbewerbsbedingungen sorgen“, so Liebhart.

Bezüglich der Fluggesellschaft Lauda, die ohne den Abschluss eines neuen Firmen-Kollektivvertrags ankündigte sämtliche Mitarbeiter des fliegenden Personals zu kündigen, sagte der Vida-Fachgruppenobmann: „Als zusätzliches Erpressungsmittel hat der Laudamotion-Eigentümer Ryanair bereits eigene Flieger in Wien stationiert. Weil die WKÖ einen Branchen-KV verweigert, hat der Konzern freies Spiel beim Drücken der lokalen Arbeitsbedingungen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, die Bedingungen für das Lauda-Personal im bestehenden KV so weit zu drücken, damit das tiefliegende Niveau von Ryanair, die ohne KV operieren, erreicht werden könnte. Derartige Drohungen aus Irland kann man nur parieren, indem auch Ryanair in Wien von einem KV erfasst wird“.

In Richtung der Wirtschaftskammer richtet der Gewerkschafter weitere heftige Kritik. So würde die Wirtschaftskammer Verhandlungen über einen Kollektivvertrag für die Ryanair-Basis Wien verweigern. Der irische Carrier hat derzeit drei Maschinen des Typs Boeing 737-800 auf dem Flughafen Wien-Schwechat stationiert. „Die WKÖ verweigert aber auch alle Gespräche über einen KV für Ryanair in Österreich und muss sich daher den Vorwurf des Steigbügelhalters für das erpresserische Vorgehen der Ryanair-Gruppe am Standort Wien gefallen lassen. Mit ihrem Verhalten bringt die WKÖ auch alle anderen Kollektivverträge am Standort Wien unter Druck. Laudamotion ist dabei eindeutig der skrupelloseste Player. Aber auch die Lufthansa nutzt die Krise, um Arbeitsbedingungen massiv zu verschlechtern“, so Daniel Liebhart. „Faire Arbeitsbedingungen können nur mit einheitlichen Wettbewerbsbedingungen erreicht werden. Diese könnten sofort umgesetzt werden, da die Vorarbeiten hierzu bereits im Zuge des KV-Satzungsverfahrens erfolgt sind. Verharrt die WKÖ allerdings weiterhin stur im Glaspalast, wird sie die Verantwortung für die komplette Bruchlandung der Branche im Blutbad übernehmen müssen“.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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