Corona-Epidemie: Für die Luftfahrt könnte es brutal werden

Buchungen in Reisebüros sind zuletzt um mehr als ein Viertel zurückgegangen. Airlines müssen mit hohen Verlusten rechnen.

Fliegen mit Maske - wenn überhaupt - könnte in den nächsten Monaten zur Normalität werden (Foto: Pixabay).

Ganz egal, in welchem Bereich man tätig ist - an einem Thema kommt man derzeit nicht vorbei: Die Epidemie mit dem neuartigen Coronavirus, das die als COVID-19 (COronaVIrus Disease 2019) bezeichnete Erkrankung hervorruft, beschäftigt derzeit wohl alle auf die eine oder andere Art. Mittlerweile sind weltweit knapp 80.000 Infektionen nachgewiesen worden, fast 2.500 Menschen sind an der Infektion gestorben. China ist mit großem Abstand am stärksten betroffen - allerdings steigt die Zahl der Neuinfektionen derzeit in anderen Teilen der Welt stärker an als zuletzt. So mussten Italien, der Iran, Süd-Korea oder Japan deutliche Zunahmen von COVID-19-Fällen verzeichnen.

Neben der produzierenden Industrie in China war der internationale Flugverkehr eine der ersten Branchen, die von der Epidemie betroffen war. Die meisten europäischen Airlines haben sämtliche China-Flüge gekappt. Wann diese wieder aufgenommen werden, steht derzeit noch in den Sternen. Bei der SARS-Epidemie 2003 wurde bei den asiatisch-pazifischen Airlines der Tiefpunkt rund drei Monate nach Beginn der Krise erreicht und erst nach einem halben Jahr lag der Absatz wieder auf dem Niveau von vor dem Ausbruch dieses Virus. Von der IATA wurde damals der Umsatzentgang der betroffenen Fluglinien auf rund sechs Milliarden US-Dollar geschätzt.

Der Verkehr von und nach China ist die eine Sache. Die große Frage ist aber auch, welchen Einfluss die COVID-19-Epidemie (die sich durchaus auch noch zu einer Pandemie auswachsen könnte) auf den Flugverkehr in Europa und dem Rest der Welt haben wird. Erste Anzeichen für ein nachlassendes Buchungsverhalten beispielsweise in Österreich gibt es bereits: So wurde über den IATA Bill and Settlement Plan in der ersten Februarhälfte 2020 für den Reisezeitraum 1. Februar 2020 bis 31. Jänner 2021 um rund 26 Prozent weniger Umsatz verzeichnet als im Vorjahresvergleich. Diese Zahl bildet zwar nur die Reisebüro-Buchungen und auch nicht alle Fluglinien ab - sie zeigt aber doch einen für die Airlines ziemlich unangenehmen Trend.

Offenbar betreffen die Rückgänge also nicht nur die Verbindungen nach China, sondern auch in andere Teile der Welt. Mit Details hält man sich dabei jedoch airlineseitig zurück - so will sich die Lufthansa Group zu den konkreten wirtschaftlichen Auswirkungen erst im Rahmen der Jahrespressekonferenz am 19. März äußern. Air France KLM hat hingegen schon bekannt gegeben, dass man mit einem negativen Effekt von 150 bis 200 Millionen Euro rechnet. Spannend werden jedenfalls die nächsten Wochen - vor allem was die Situation in Europa betrifft. Der Outbreak in Italien mit einer drastisch angestiegenen Zahl der Infizierten und leider bereits auch einigen Todesopfern könnte nur ein Vorgeschmack darauf sein, was in der nächsten Zeit auf andere europäische Regionen zukommen könnte.

Einfluss von Virus-Outbreaks wie SARS und MERS auf den Flugabsatz (Grafik: IATA Economics).

Und dies würde das Flugverhalten in Europa selbst wohl deutlich beeinflussen: Freiwillig werden nur die wenigsten in Corona-Regionen fliegen. Und nachdem man nicht weiß, wo der nächste lokale Ausbruch stattfindet, wird auch eine gewisse generelle Angst mitschwingen, die sich wiederum auf das allgemeine Flugverhalten auswirken könnte. Doch muss man sich überhaupt so arg vor diesem Virus fürchten? Es wird ja auch manchmal mit der gewöhnlichen Virusgrippe verglichen.

Ja, muss man wohl. Zur Influenza gibt es nämlich einige große Unterschiede: So liegt die relative Sterblichkeitsrate der COVID-19 bisher deutlich höher als jene der Virusgrippe. Bislang sind in China rund drei Prozent aller Menschen mit nachgewiesener Infektion verstorben - in den anderen Regionen lag die Mortalität bei einem Prozent. An der saisonalen Influenza sterben jedes Jahr "nur" rund 0,2 Prozent - also relativ gesehen um das fünf- bis fünfzehnfache weniger als an COVID-19. Freilich ist die weltweite absolute Sterbezahl bei der Grippe durch die viel stärkere Verbreitung höher.

So manche Fragezeichen gibt esin Sachen Übertragung und Infektiosität: Man weiß derzeit zum Beispiel noch nicht genau, wie lange die Inkubationszeit andauern kann oder ab und bis wann genau Menschen als infektiös zu werten sind. Die Übertragung selbst geschieht relativ leicht als Tröpfcheninfektion - was auch beispielsweise die blitzartige Ausbreitung wie zuletzt in Italien erklärt. Es handelt sich also um eine Kombination aus einem relativ tödlichen und dabei leicht übertragbaren Virus - eine besonders unangenehme Verknüpfung.

COVID-19 darf man also keineswegs auf die leichte Schulter nehmen - das Risiko eines gröberen medizinischen Problems in Europa (und anderen Teilen der Welt) ist alles andere als gebannt. Und die Gefahr für schmerzhafte wirtschaftliche Folgen für die Luftfahrt schon gar nicht. Für die Branche könnte es letztlich sogar richtig brutal werden.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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