Corona: Auch Lauda verhandelt mit Behörden über Kurzarbeit

Allein in Wien müssen sechs Maschinen am Boden bleiben.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Nach Austrian Airlines beabsichtigt man auch beim Mitbewerber Lauda aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit einzuführen. Firmenchef Andreas Gruber teilte der Belegschaft am Mittwoch mit, dass entsprechende Gespräche mit den Behörden bereits laufen. Allein an der Basis Wien muss der Carrier mindestens sechs Maschinen aus der Produktion nehmen. In Stuttgart, Düsseldorf, Palma und Zadar sind es laut dem AviationNetOnline vorliegenden Rundschreiben jeweils eine Maschine.

Auch wurde die Lauda-Belegschaft darüber informiert, dass die bislang getroffenen Maßnahmen – beispielsweise Urlaube – nicht ausreichend sind. Andreas Gruber schreibt die aktuelle Situation als „kritischer Moment für Lauda“. Das Unternehmen will mit der Kurzarbeit unbezahlte Urlaube und Kündigungen vermeiden.

Allerdings ergibt sich nun ein weiteres Problem, denn da der zuletzt gewählte Betriebsrat von der Geschäftsleitung nicht anerkannt wird und diese den Wahlgang auch vor Gericht anfechtet, fordert man nun das fliegende Personal je ein Komitee für die Flugbegleiter und Piloten zu wählen. Dieses soll als Ansprechpartner für die Gespräche dienen, es handelt sich jedoch nicht um einen neuen Betriebsrat. Sollte dies nicht umgesetzt werden, sollen den Beschäftigten unbezahlte Urlaube oder gar der Abbau von Jobs bevorstehen.

Vor dem Landesgericht Korneuburg wird am 18. März 2020 die Anfechtung der jüngsten Betriebsratswahl verhandelt. Arbeiterkammer und Gewerkschaft Vida vertreten die Ansicht, dass die momentanen Arbeitnehmervertreter bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung des Gerichts im Amt sind, jedoch vertritt das Lauda-Management diese Ansicht nicht und verweigert die Zusammenarbeit.

Am 13. März 2020 werden die fliegenden Mitarbeiter der Basis Wien über die weitere Vorgehensweise im Zusammenhang mit den aufgrund der Coronakrise vorgenommenen Kürzungen und der geplanten Kurzarbeit informiert. Um 11 Uhr 00 findet ein Meeting für die Piloten und um 14 Uhr 00 für die Flugbegleiter statt. In Anbetracht des Umstands, dass die Vorsitzende des von der Geschäftsleitung nicht anerkannten Betriebsrat gar eine Einstweilige Verfügung erwirkte, dass sie an Mitarbeiterversammlungen teilnehmen darf und auch das Firmengebäude betreten darf, erscheint es schon fast grotesk, dass im internen Rundschreiben von Geschäftsführer Andreas Gruber explizit darauf hingewiesen wird, dass "ehemaligen Mitarbeitern" kein Zutritt gewährt wird. Zuletzt erhielten auch weitere Mitglieder des Betriebsrats ihre Kündigungen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA
    British Airways / G-EUPJ
    Windrose Airlines / UR-DNT
    Jet2.com / G-JZHY

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann