Condor: Ohne schnellen Staatskredit droht das Grounding noch am Montag

Laut Bildzeitung soll die deutsche Bundesregierung ablehnen.

Airbus A320 am Flughafen Stuttgart (Foto: Thomas Ramgraber).

Die deutsche Ferienfluggesellschaft Condor könnte bereits am heutigen Montag zur Einstellung des Flugbetriebs gezwungen sein, wenn die deutsche Bundesregierung nicht mit einem rund 200 Millionen Euro schweren Notkredit aushilft. Ein entsprechender Antrag wurde beim deutschen Bundeswirtschaftsminister Altmaier eingebracht, jedoch soll dieser laut Informationen der Bildzeitung abgelehnt werden.

Weiters berichtet das Medium, dass der Cashbedarf bei Condor nach der Insolvenzanmeldung der Muttergesellschaft rasant angestiegen sein soll, das Zulieferer, Treibstofflieferanten und Flughäfen auf Vorauszahlung bzw. Barzahlung an Ort und Stelle bestehen sollen. Dies führt dazu, dass der tägliche Cashbedarf bei Condor enorm ansteigt und ohne einen schnellen Kredit der deutschen Regierung das Unternehmen bereits am Montagabend am Boden sein soll, schreibt die Bildzeitung weiters.

Die deutsche Bundesregierung machte vor rund zwei Jahren mit der Vergabe eines durch die Bundesrepublik Deutschland besicherten Notkredits in der Höhe von 150 Millionen Euro bereits negative Erfahrungen. Dieser wurde – zumindest in der Öffentlichkeit wurde dies so erklärt – dazu gewährt, um einen geordneten Verkauf der Air Berlin über die Bühne bringen zu können. Letztlich wurde das Unternehmen zerschlagen und erst nach zwei Jahren konnte die Masse den Kredit zurückzahlen. Das eigentliche Ziel, Air Berlin am Stück zu verkaufen, wurde verfehlt. Auch wird es für die deutsche Regierung sehr schwer zu rechtfertigen sein warum man im Gegensatz zur britischen Regierung, die Notkredite für Thomas Cook kategorisch ablehnt, bei Condor aushilft, zumal sich diese strikt weigert Pauschlreisende aus dem eigenen Konzern ohne Extrazahlung zu befördern.

Da die Verknüpfungen unter den einzelnen Thomas-Cook-Group-Airlines sehr eng sind und beispielsweise Manchester zahlreiche Aufgaben für Condor erledigt, dürften sich eine Entflechtung und eine Stand-alone-Fortführung des deutschen Ablegers sehr schwierig gestalten. Auch ist für einen staatlichen Notkredit die Zustimmung der EU-Kommission notwendig und dieses Prüfverfahren könnte für Condor zu lange dauern, denn zuvor dürfte dem Carrier das Geld ausgehen. Im vorherigen Geschäftsjahr schrieb Condor zwar 43 Millionen Euro Gewinn, doch durch den Wegfall von Thomas-Cook-Gästen und möglichen unbezahlten Rechnungen der konzerneigenen Reiseveranstalter ist es dennoch fraglich, wie es weitergeht. Thomas Cook Airlines UK, Thomas Cook Airlines Scandinavia und andere Konzernfluggesellschaften mussten bereits ihre Flugbetriebe einstellen.

Für Condor dürften die nächsten Stunden und die Entscheidung der deutschen Bundesregierung jedenfalls über Weiterfliegen oder Grounding entscheiden. Bild berichtet, dass die Politik keinen Notkredit gewähren wird. Dem Vernehmen nach stehen bereits mehrere Mitbewerber, darunter Lufthansa Group und die Ryanair Group bereit, die ein Auge auf die Condor-Slots, insbesondere in Frankfurt am Main und Düsseldorf, geworfen haben und rasch mit eigenem Angeboten kompensieren würden. Auf der Langstrecke stehen Eurowings und Condor ohnehin bereits auf vielen Routen im direkten Wettbewerb miteinander, so dass zumindest auf solchen Strecken keine Lücken entstehen würden.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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