Condor-Gläubiger legen Rechtsmittel ein

Zukunft des Carriers hängt an einem seidenen Faden.

Boeing 767-300 (Foto: Condor).

Die Zukunft des deutschen Ferienfliegers hängt auch unabhängig von der Corona-Pandemie an einem seidenen Faden, denn am 15. April 2020 ist der von der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau gewährte Kredit in der Höhe von 380 Millionen Euro zur Rückzahlung fällig. Dazu kommt, dass nun bekannt wurde, dass es gegen den so genannten Schutzschirmplan massiven Gegenwind von Gläubigerseite gibt.

Nach Angaben des Amtsgerichts Frankfurt am Main sollen gleich mehrere Gläubiger gegen den eigentlich schon befürworteten Plan Rechtsmittel eingelegt haben. Die Deutsche Presseagentur nennt den Pensionssicherungsverein der deutschen Wirtschaft als einen jener Gläubiger, die gegen den Plan klagen. Damit ergeben sich nun massive Verzögerungen, denn das Amtsgericht muss nun jedes einzelne Rechtsmittel prüfen und darüber entscheiden. Es ist bereits jetzt absehbar, dass dies bis zum 15. April 2020 nicht abgeschlossen werden kann.

Bereits seit dem Beginn der Corona-Krise in Europa ist es durchaus fraglich, ob die polnische Staatsholding PGL den Ferienflieger Condor überhaupt noch übernehmen will oder kann. Im Heimatland hat auch die PGL-Tochter LOT einen enormen Finanzbedarf, weshalb seitens Polen weitgehende Zusicherungen seitens der Bundesrepublik Deutschland gefordert werden.

Zuletzt stand gar eine Verstaatlichung von Condor zur Debatte, um den Carrier aus dem Schlammassel retten und durch die Corona-Krise bringen zu können. Auch die Stundung des Darlehens der Kreditanstalt für Wiederaufbau wurde zuletzt diskutiert, jedoch ist absehbar, dass Condor – genau wie viele andere Airlines auch – zusätzliche Finanzmittel benötigen wird, da aufgrund der Corona-Pandemie kaum nennenswerte Einnahmen vorhanden sind.

Mit der Rückholung deutscher Urlauber im Auftrag von Reiseveranstaltern, aber auch des deutschen Außenministeriums, kann Condor derzeit zumindest einige wenige Maschinen in der der Luft halten. Beispielsweise flog man mit einer Boeing 767 erstmals in der Unternehmensgeschichte ins neuseeländische Christchurch und holte dort rund 250 Passagiere ab. Ein Tankstopp wurde dabei in Phuket eingelegt.

Mehrere Flüge nach Sydney, Melbourne, Brisbane und Perth bringen Hunderte Reisende im Auftrag des Auswärtigen Amts nach Deutschland zurück. In den nächsten Tagen folgen zahlreiche Flüge aus Bangkok und Phuket, von wo aus Condor in enger Zusammenarbeit mit der Botschaft vor Ort weit über 2.000 Gäste nach Hause bringen wird.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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