Condor geht wohl an LOT

Apollo und Greybull scheitern am EU-Recht

Boeing-Jet von Condor: Investor gefunden? (Foto: www.AirTeamImages.com)

Condor-Chef Ralf Teckentrup hat seinen rund 4900 Mitarbeitern vor einigen Wochen versprochen, bis Ende Januar einen Investor für den Ferienflieger zu finden. Und offenbar hält er sein Wort. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf das Umfeld des Condor-Gläubigerausschusses berichtet, wird wohl die polnische LOT den Zuschlag für die ehemalige Thomas-Cook-Tochter bekommen. Condor selbst will am Freitagvormittag den neuen Investor vorstellen.

Zuletzt waren neben LOT noch die beiden Finanzinvestoren Greybull und Apollo im Rennen. Doch beide kämpfen mit einem Problem: Apollo hat den Hauptsitz in den USA, Greybull in Großbritannien - und dass letzteres Land noch länger Mitglied der EU sein wird, scheint in dieser Woche ausgeschlossen. Da eine EU-Airline aber mehrheitlich in den Händen hiesiger Investoren bleiben muss, hat LOT hier die besten Chancen.

Hinzu kommt: Greybull ist vor einigen Jahren bei der inzwischen insolventen britischen Airline Monarch eingestiegen. Keine gute Werbung für den Investor. Das "Handelsblatt" berichtet, dass dieser Umstand die Briten im Condor-Gremium viel Vertrauen gekostet hat.

Die Schwachpunkte von LOT
Aber auch LOT bringt Schwachstellen in die Condor-Ehe mit. Die Polen sind bislang nicht im deutschen Ferienfluggeschäft aktiv. Allerdings muss Condor schnell neue Reiseveranstalter für sich gewinnen, da die ehemalige Mutter Thomas Cook keine Pakete mehr bucht. Inzwischen soll die Airline aber den Anteil des Direktvertriebs auf 50 Prozent ausgebaut haben.

Doch wie die kleine LOT bis Mitte April den fast 400 Millionen Euro schweren Staatskredit der Condor zurückzahlen will, ist Beobachtern ein Rätsel. LOT hat aber auch zugesichert, so wenige Stellen wie möglich bei Condor abzubauen.

So wurde Condor zum Verkaufsfall
Condor war durch die Insolvenz der ehemaligen Mutter Thomas Cook in die Schieflage geraten. Um zu verhindern, dass der Konzern seine jahrelange Praxis Weiterbetriebe und bei dem deutschen Ferienflieger Gelder abpumpt, flüchtete Condor in ein Schutzschirmverfahren. Zudem erhält sie von der staatseigenen KfW-Bank wöchentlich Tranchen aus einem millionenschweren Brückenkredit ausgezahlt.

Monate bevor Thomas Cook pleite ging, hatte der Reisekonzern seine Airline-Sparte zum Verkauf angeboten. Damals gab es viele Interessenten für einzelne Teile des Pakets. So wurde immer wieder ein Engagement von Lufthansa bei Condor ins Spiel gebracht - allerdings dürften kartellrechtliche Bedenken angesichts der großen Überschneidungen die Pläne schnell zerstört haben.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

    Special Visitors

    National Airlines / N952CA
    Atlantic Airways / OY-RCK
    Danish Air Transport / OY-RUE
    LGW - Luftfahrtgesellschaft Walter / D-ABQA
    British Airways / G-EUPJ
    Windrose Airlines / UR-DNT
    Jet2.com / G-JZHY

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann