China Southern in Wien: Die Seidenstraße rückt näher

Es war die 787. ausgelieferte Boeing 787, die am Dienstag anlässlich des Erstflugs von China Southern in Wien gelandet ist. Drei Mal pro Woche verbindet damit die größte chinesische Fluglinie Guangzhou - mit Zwischenlandung in Ürümqi - mit Wien.

Water Salute zur Erstlandung der China Southern Boeing 787 in Wien (Foto: Flughafen Wien AG).

Mit China Southern hat der Flughafen Wien die nächste Langstreckenverbindung an Land gezogen. Der wichtige Handelspartner und Wachstumsmarkt China wird damit noch besser mit Österreich verbunden. Seit Jahresbeginn ist das Passagieraufkommen und 29 Prozent gestiegen, sagte Flughafen-Vorstand Julian Jäger. Er erwartet durch die neue Flugverbindung zusätzliche 40.000 bis 50.000 Passagiere, wobei 85 Prozent der Passagiere Chinesen sein werden. Diese sind in Österreich vor allem im Tourismus beliebt, weil sie als kaufkräftig gelten und auch am Flughafen viel Geld ausgeben. China ist der weltweit größte Reisemarkt geworden, Wien ist in Europa hinter London und Paris die beliebteste Destination der Chinesen, mit einer halben Million Nächtigungen, so Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner.

Zur Feier des Tages kam China Southern mit der 787. Boeing 787 nach Wien (Foto: Michael Csoklich).

Aus der Sicht der Chinesen und von China Southern soll die neue Verbindung die Zusammenarbeit zwischen China und Österreich nicht nur im Tourismus vertiefen, sondern auch in der Wirtschaft, im Handel und in der Kultur. Kein Zufall, dass die chinesischen Vertreter bei den Eröffnungsfeierlichkeiten an das von China vehement betriebene Projekt "Neue Seidenstraße2 erinnert haben. Offiziell heißt das Projekt "Belt and Road"-Initiative, die Bezeichnung "Neue Seidenstraße" ist eine Art romantisch verklärte Anlehnung an die historischen Routen zwischen dem Mittelmeerraum und Ostasien. Mit der neuen Flugverbindung rücke Österreich näher an die Seidenstraße heran, betonten die Vertreter Chinas, Österreich selbst ist bisher dem Projekt offiziell nicht beigetreten.

Flugbegleiterinnen von China Southern (Foto: Michael Csoklich).

China Southern ist als Fluggesellschaft eine Art unbekannter Gigant mit Hauptsitz in Guangzhou, 140 Millionen Passagieren im Jahr 2018 und einer Flotte von mehr als 840 Flugzeugen. Darunter alle modernen Maschinen von Boeing und Airbus - und auch 24 Boeing 737 MAX. China Southern ist die viertgrößte Fluglinie weltweit mit mehr als 3.000 Flügen täglich in über 40 Länder mit 224 Destinationen. 75 Prozent der Flüge sind national, 25 Prozent international.

Darf bei einem Erstflug nicht fehlen: Feierliches Ribbon Cutting (Foto: Michael Csoklich).

Entstanden ist China Southern 1988 nach der Reorganisation des chinesischen Luftverkehrs, 2003 wurden China Northern Airlines und China Xinjiang Airlines in die Fluggesellschaft integriert. Die Airline ist an der Börse in Shanghai notiert, und ist mehrheitlich in chinesischem Besitz. Der Umsatz betrug 2018 etwa 16 Milliarden Euro, der Gewinn lag bei 890 Millionen Euro. Seit 2017 ist American Airlines an China Southern beteiligt, die beiden Fluglinien betreiben auf einer Reihe von Flügen Codeshares. Mit der Beteiligung ist China Southern aus dem SkyTeam ausgetreten.

Wiens Tourismusdirektor Norbert Kettner (links) und Flughafen-Chef Julian Jäger freuen sich (Foto: Michael Csoklich).

Die neue Verbindung von Guangzhou in der Region Kanton, Hongkong und Macao über Ürumqi in Westchina nach Wien fliegt jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag. Der Flug wird vom Dreamliner Boeing 787 durchgeführt, ausgestattet mit 18 Business Class- und 247 Economy Class-Sitzen. 

Der Flughafen Wien bemüht sich übrigens noch um Flugverbindungen nach Hongkong und Singapur. Das würde das Angebot in Asien komplettieren, sagte Flughafen-Vorstand Julian Jäger.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Und seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf Aviation Net insbesondere über Spezialthemen.

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