Celebi-Belegschaft wird geschlossen vor dem BMVIT demonstrieren

Vergabe der zweiten Bodenverkehrslizenz entwickelt sich zunehmend zu einer Behördenposse. Flüge mussten wegen Betriebsversammlung gestrichen werden. Turkish Airlines flog ohne Gepäck und KLM leer ohne Passagiere.

Celebi-Mitarbeiter kämpferisch nach der Betriebsversammlung mit ihren Gewerkschaftsanmeldungen (Fotos: Jan Gruber).

Die Belegschaft des Ground-Handling-Dienstleisters Celebi stimmte am Donnerstag während einer Betriebsversammlung einstimmig für eine Protestaktion, bei der die 450 Mitarbeiter geschlossen vor dem Bundesverkehrsministerium demonstrieren werden. Dies werde man kommende Woche in die Tat umsetzen, falls die Entscheidung über die Lizenzvergabe abermals verzögert werde oder Celebi nicht zum Zug kommen wird. “Wir zeigen den Beamten im Verkehrsministerium, die über unsere Existenzen und unsere Zukunft entscheiden, dass wir zusammenhalten und uns nicht unterkriegen lassen”, so Betriebsratsvorsitzende Aleksandra Bubnjevic. “Wir ziehen vor das Verkehrsministerium und zeigen denen und der ganzen Öffentlichkeit, dass niemand über unsere Köpfe hinweg über unsere Existenzen entscheidet. Weder das Ministerium, noch die Vida. Wir haben nichts mehr zu verlieren, wenn die nicht endlich mal einlenken, gehen wir sowieso alle gemeinsam unter.”

Durch die Betriebsversammlungen, die am Donnerstag am Flughafen Wien abhalten wurden, kam es zu Verzögerungen bei der Abfertigung. Jene Airlines, die von Celebi abgefertigt werden, darunter Turkish Airlines, Air France, KLM, Finnair und viele weitere Carrier waren betroffen. Weder Check-In, noch Boarding gab es für die Passagiere. Auch stand die Gepäckverladung still und Vorfeldbusse und Treppen wurden mangels Personal ebenfalls nicht zu den Flugzeugen gebracht. Turkish Airlines strich vorsorglich zwei Kurse und ein weiterer hat den Flughafen Wien ohne Gepäck verlassen. KLM hat Wien gar leer komplett ohne Passagiere verlassen. Durch die Betriebsversammlung kam es auch im Terminal zu einer erheblichen Menschenmasse, die auf den Check-In ihrer Flüge warteten. Die Polizei war vor Ort, um die Situation im Auge zu behalten.


Im Terminal 1 am Flughafen Wien gab es lange Warteschlangen.

BMVIT will kommende Woche entscheiden

Noch immer ist keine Entscheidung in Sachen der zweiten Bodenverkehrslizenz am Flughafen Wien gefallen, doch es bahnt sich eine Überraschung an, die bereits im Vorfeld für heftigen Wirbel sorgt, denn nach aktuellem Informationsstand sollen weder der bisherige Lizenzinhaber Celebi noch der zuletzt erstgereihte Bewerber Swissport zum Zug kommen, sondern AAS aus Zürich.

Hinter den Kulissen soll es allerdings regelrecht drunter und drüber gehen, denn Verkehrsminister Andreas Reichhardt (parteilos) soll gar nicht in das Selektionsverfahren eingebunden gewesen sein, sondern von den Beamten fertige Unterlagen zur Unterschrift vorgelegt bekommen haben. Dem Vernehmen nach soll der Minister die Unterfertigung vorläufig verweigert haben, ist aus Kreisen des BMVIT zu hören.

Nach dem Einlagen der Angebote wurde Swissport zunächst erstgereiht und nach dem zweiten Hearing allerdings der ebenfalls schweizerische Anbieter AAS. Der bisherige Lizenzinhaber Celebi befindet sich nach wie vor im Ranking, steht aber nicht vorne. Kommende Woche will das Bundesverkehrsministerium endgültig entscheiden und den Bescheid zustellen.

Gewerkschaft Vida verhandelt mit der Regierung, hat jedoch nur 12 Mitglieder bei Celebi

Doch hinter den Kulissen verhandelt bereits Vida-Chef Roman Hebenstreit mit Regierungsmitgliedern über die Zukunft der rund 450 Celebi-Beschäftigten. Diese solle der mögliche neue Betreiber per Betriebsübergang übernehmen. Ein pikantes Detail dabei ist, dass nach Angaben von Celebi-Betriebsratsvorsitzender Aleksandra Bubnjevic lediglich 12 Celebi-Mitarbeiter überhaupt Mitglieder bei der Gewerkschaft Vida sind und obendrein der Betriebsrat von Celebi überhaupt nicht in diese Gespräche eingebunden ist.

“Interessenspolitik, die betrieben wird ohne die Betroffenen zu fragen, darf es einfach geben. Ausgerechnet der Vida-Vorsitzende Roman Hebenstreit war es, der vor ein paar Jahren bei seinem Antritt sagte, dass er nicht dafür steht, dass hinter den Kulissen in Zigarrenstuben verhandelt werden. Und jetzt? Er macht genau das Gegenteil”, so Celebi-Angestelltenbetriebsratsvorsitzende Aleksandra Bubnjevic während der Betriebsversammlung. “Die Frage ist: Was hat die Gewerkschaft Vida, die nur 12 von 450 Mitarbeitern vertritt, überhaupt im Zusammenhang mit uns im BMVIT zu suchen? Es kann doch nicht sein, dass hier die Gewerkschaft und das Ministerium einen Deal machen und dann ist nicht einmal gewährleistet, ob Celebi und ein möglicher neuer Betreiber sich überhaupt über einen Verkauf von Assets einig werden.“


Dieser A321 von Finnair wartete vergeblich auf die Beladung.

Auch vermutet die Celebi-Betriebsrätin aufgrund der wiederholten Verschiebungen über die Entscheidung wer denn nun den Zuschlag für die zweite Bodenverkehrslizenz bekommt, dass hinter den Kulissen einiges unrund gelaufen sein könnte. „Zunächst war Swissport auf Rang 1 gereiht und nach dem zweiten Hearing plötzlich mit AAS ein Anbieter, der zuvor überhaupt keine Rolle gespielt hat? Das Unternehmen hat das Ministerium über eine renommierte Wirtschaftskanzlei informiert, dass es offensichtlich zu erheblichen Verfahrensfehlern gekommen ist. Abgesehen davon, dass durch Verschiebung der Zeitleiste kein geregelter Übergang mehr möglich ist, wurde auch keine Akteneinsicht gewährt. Die Ausfertigung des Sachverständigen sind teilweise sehr subjektiv zu werten. Einerseits werden die Kriterien für das Vergabe Verfahren streng an das FBG gelegt, andererseits ist dem Bundesvergabegesetz 2018 zu entnehmen, dass ein Auftrag nur an befugte, leistungsfähige und zuverlässige Unternehmen vergeben werden dürfen. Auch wird in den Kriterien darauf hingewiesen, welche Aspekte zu berücksichtigen sind. Unter anderem ist in den Grundsätzen verankert, dass es sich um einen freien und lauteren Wettbewerb handeln muss, Transparenzgebot einzuhalten ist, Vertraulichkeit zu wahren ist, aber auch die Möglichkeit der Berücksichtigung sozialer Belange zu prüfen ist. „Es ist sicher, dass mindestens ein Bewerber aufgrund aller Vorkommnisse den Bescheid vor Gericht anfechten wird und dann ist keine Rechtssicherheit da. Dann erhalten wir oder andere die Erkenntnis, dass wir oder andere im Recht sind, aber das wars auch schon. Die Erkenntnis bringt den Mitarbeitern nichts. Wir fordern, dass das BMVIT auf die Lizenz von Celebi temporär zu verlängern und die Ausschreibung sauber, offen und transparent zu wiederholen. Nur so kann ein Chaos vermieden werden.“ Die Betriebsräte sagen klar, Fehler können passieren, aber wenn diese rechtzeitig erkannt werden, ist noch Zeit den Fehler zu korrigieren. Jetzt ist es an der Zeit hier in dieser Verantwortlichkeit Farbe zu bekennen und die Testikel zu haben auch dazu zu stehen. So wird auch das Vertrauen wiedererlangt, dass Entscheidende Kompetenzen auch nur Menschen Spind.

Mitbewerber boten lediglich für die Airside, nicht jedoch die Landside

Der Celebi-Betriebsrat informierte am Donnerstag-Vormittag in einer kurzfristig einberufenen Betriebsversammlung die Belegschaft über den aktuellen Informationsstand und beriet mit dieser über mögliche weitere Maßnahmen, um auf die ungewisse Zukunft für die 450 Beschäftigten aufmerksam zu machen. Indirekt kam es durch diese Veranstaltung zu Verzögerungen im Flugverkehr ab Wien, denn die Abfertigung der Celebi-Kundenairlines kam nahezu zum Erliegen. Beispielsweise musste Turkish Airlines zwei Flüge streichen. Bubnjevic dazu: „Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack darauf wie es ab 1. Jänner 2020 am Flughafen Wien zugehen könnte, denn der Flughafen Wien kann nicht über Nacht alle Celebi-Kunden übernehmen und für einen neuen Anbieter ist die Zeit viel zu knapp. Die Celebi-Geschäftsführung hat angekündigt, dass falls der Zuschlag nicht erteilt wird, wird man nichts an den neuen Lizenzinhaber verkaufen, sondern abziehen und an anderen Standorten einsetzen. Die benötigten Spezialgeräte sind nicht einfach so erhältlich, sondern haben längere Lieferzeiten.“


Die Vorfeldbusse von Celebi standen still.

Ausgeschrieben wurde lediglich die Airside, nicht jedoch die Passage. Das bedeutet vereinfacht gesagt, dass die Bewerber lediglich für Vorfelddienstleistungen Angebote abgegeben haben. Celebi bietet derzeit jedoch die komplette Bandbreite der Dienstleistungen, also auch Landside (beispielsweise Check-In) an. Damit würde bei einem Betreiberwechsel die Zukunft der Passagedienstleistungen in der Luft hängen. Derzeit wird dies am Flughafen Wien durch den Airport selbst, durch Austrian Airlines und eben Celebi angeboten. Namhafte Airlines wie Air France-KLM, Air Baltic und Turkish Airlines sind Kunden von Celebi.

Celebi-Betriebsrat fordert Wiederholung der Ausschreibung

Unter Hinweis auf das Bundesvergabegesetz erklärte der Betriebsrat, dass bei der Ausschreibung in Abweichung von der gesetzlichen Situation die sozialen Belange nicht berücksichtigt wurden. So hätte kein einziger Teilnehmer angeboten die bestehende Belegschaft des momentanen Lizenzinhabers Celebi zu übernehmen. Ein weiterer Aspekt, den die Arbeitnehmervertreter in den Raum stellten ist, dass es bei der Bewertung der Bewerbungen zu unterschiedlichen Gutachten gekommen ist und gar ein Gutachter nicht unabhängig gewesen wäre. Im Bundesverkehrsministerium sollen in der weiteren Folge gravierende Fehler unterlaufen sein, beispielsweise wurden Akteneinsicht und Parteiengehör verweigert. Dennoch will das BMVIT die Ausschreibung nicht wiederholen, sondern nach zahlreichen Verzögerungen in der kommenden Woche die Vergabe bekanntgeben.

“Das BMVIT muss die Ausschreibung unter fairen Bedingungen und unter Berücksichtigung der sozialen Belange einfach wiederholen. Für den Übergang muss das BMVIT eine temporäre Lösung finden. Celebi wird im Falle einer Nichterteilung der Lizenz gegen den Bescheid ein Rechtsmittel erheben und wird möglicherweise Recht bekommen, doch was hat davon dann die Belegschaft?”, erklärt Betriebsratsvorsitzende Bubnjevic. “Auch gegenüber einem möglichen neuen Betreiber ist die Vorgehensweise grob unfair, denn in nur wenigen Wochen müsste dieser sich in Wien konstituieren. Generell ist es ein absolutes Unding, dass die Mitarbeiter aufgrund einer EU-Verordnung alle sieben Jahre um ihre Existenz bangen müssen. Es muss gesetzlich geregelt werden, dass bei einem Betreiberwechsel das Personal zu in der Ausschreibung festgelegten Konditionen übernommen werden muss.”


Die Polizei behielt die Situation im Terminal 1 im Auge.

Auf einen „Kuhhandel“ mit der Gewerkschaft Vida will sich der Celebi-Betriebsrat jedenfalls nicht einlassen. Man solle den Funktionären mehr Anmeldungen zur Vida bringen, dann würde man sie auch einbinden. „Wir lassen nicht zu, dass eine Gewerkschaft, die bei uns nur 12 Mitglieder hat, über den Kopf von 450 Mitarbeitern mit dem BMVIT einen Deal aushandeln will und werden für die Zukunft unserer Belegschaft kämpfen, ob mit oder ohne Unterstützung der Vida. Wir geben nicht Kleinbei“, so Bubnjevic.

Die Sorge der Celebi-Belegschaft besteht insbesondere darin, dass es bei einem Betreiberwechsel dazu kommen könnte, dass ein möglicher neuer Betreiber die Belegschaft nicht vollständig übernehmen könnte oder aber es zu Gehaltseinbußen kommen könnte, war den Beschäftigten deutlich anzusehen. Doch in weiterer Zukunft könnten der Branche generell auch weitere Herausforderungen bevorstehen. “Blickt der Realität ins Auge. Jeder Check-In-Arbeitsplatz kann durch einen Check-In-Automaten ersetzt werden”, so Bubnjevic.

Celebi-Mitarbeiter fordern Klarheit über die Zukunft ihrer Existenzen

“Wir wollen jetzt endlich wissen wie es weitergeht. Wir haben Familien, Kinder, Kreditraten zu zahlen und hängen total in der Luft und wissen nicht, wie es ab 1. Jänner 2020 weitergehen wird”, äußerte eine Celebi-Mitarbeiterin ihre Sorge. Generell ist die Stimmung, die auf der Betriebsversammlung herrschte als besorgt zu bezeichnen, doch die Belegschaft stimmte ohne Gegenstimmen dafür, dass der Betriebsrat öffentlich auf die Missstände rundum die Ausschreibung aufmerksam machen soll und sich intensiv für eine Wiederholung dieser einsetzen soll. “Gebt's Vollgas für uns!”, so ein Celebi-Mitarbeiter.


Das Celebi-Betriebsratsteam holte sich volle Rückendeckung von der Belegschaft.

Der Zusammenhalt unter der Belegschaft soll nun in der schwierigen Phase noch stärker werden. “Wir sind eine Firma, ein Team und sind nur gemeinsam stark. Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden gemeinsam Vollgas geben. Für unsere Zukunft und für unsere Kunden und natürlich die Passagiere”, ermutigt Betriebsratsvorsitzende Aleksandra Bubnjevic. „Nicht nur symbolisch halten die Celebi-Mitarbeiter Gewerkschaftsanmeldungen in die Luft. Seit heute sind wir zu 100 Prozent bei GPA und Vida organisiert, weil wir es können. Die Anmeldungen werden aber erst freigegeben, wenn tatsächlich unsere Interessen auch vertreten werden.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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