Boston: Charming History

Ab Ende März 2020 fliegt Austrian Airlines von Wien aus nach Boston im US-Bundesstaat Massachusetts. Nachdem AviationNetOnline vor kurzem die wirtschaftlichen Verbindungen der Region zu Österreich betrachtet hat, kommt nun das Thema Tourismus und Stadtleben an die Reihe. Was hat es mit der Metropole am Charles River so auf sich, wenn man dort mehr oder weniger viel Zeit verbringt?

Im Massachusetts State House sitzt der Gouverneur des Bundesstaates (alle Fotos: Martin Metzenbauer).

Zuerst einmal gibt es hier natürlich viel zu sehen - Boston ist ja quasi die Geburtsstadt der amerikanischen Unabhängigkeit und atmet nur so vor Geschichte! Um sich diesbezüglich einen sehr guten Überblick zu verschaffen, bietet sich der rund vier Kilometer lange Freedom Trail an. Hier muss man lediglich einer roten Linie am Boden folgen, die zu vielen wichtigen Wahrzeichen der Stadt führt. So kommt man beispielsweise am legendären Old State House vorbei - vom Balkon des ehemaligen (kolonialen) Regierungssitzes wurde am 18. Juli 1776 zum ersten Mal die amerikanische Unabhängigkeitserklärung öffentlich verlesen. Diese Tradition hat sich übrigens bis heute erhalten: Jedes Jahr am 4. Juli wird dort die "Declaration of Independence" verkündet.

Colonel William Prescott war ein berühmter amerikanischer Oberst während des Unabhänigkeitskrieges. Heute erinnert in Boston eine Statue an ihn.

Ziemlich genau daneben stehen Faneuil Hall und Quincy Market, wo es Essensoutlets für viele Geschmäcker gibt - und auch Shoppinghungrige werden in der Gegend durchaus fündig. Ein paar Meter weiter erreicht man das Custom House mit seinem lediglich etwas mehr als 100 Jahre alten Turm - ebenfalls eines der Wahrzeichen der Stadt. Etwas weiter entfernt, aber ebenfalls am Freedom Trail, steht stolz der 63 Meter hohe Obelisk, der an die legendäre Schlacht von Bunker Hill erinnert. Unweit davon liegt die "USS Constitution" vor Anker - mit Baujahr 1797 das älteste amerikanische Kriegsschiff, das noch nicht offiziell ausgemustert ist und zu Wasser gelassen ist (gelegentlich verlässt sie mit Schlepperhilfe sogar ihren Ankerplatz).

Die USS Constitution kann bei freiem Eintritt besichtigt werden.

Einen sehr guten Überblick über die Stadt bieten auch die beiden Trolley-Bus-Anbieter mit ihren Hop-On-Hop-Off-Touren, die allerdings nicht ganz billig sind. Je nach Interessenlage gibt es in Boston auch viele Museen zu besichtigen - für Kinder bietet sich das Museum of Science oder das New England Aquarium an. Kunstinteressierte werden wahrscheinlich im Museum of Fine Arts oder im Isabella Stewart Gardner Musum glücklich werden.

Ein riesiges Monument erinnert an die berühmte Schlacht von Bunker Hill.

AviationNetOnline fragte vor Ort den Österreicher Michael Fink, der seit mehreren Jahren als promovierter Chemiker im Raum Boston tätig ist, nach seinen speziellen Tipps für die Region. So empfiehlt er, unbedingt die beiden Eliteunis Harvard und MIT (Massachusetts Institute of Technology) zu besuchen. In Harvard werden interessante Führungen angeboten - abgesehen davon sind das gesamte Gebäudarrangement sowie mehrere Museen am Campus einen Besuch wert.

Faneuil Hall (rechts im Bild) ist eines der ältesten Gebäude in Boston - heute wird dort geshoppt und gegessen.

Besuchen sollte man laut dem Auslandsösterreicher auch die beiden großen Parks namens "Boston Common" und "Public Garden" - ersterer ist übrigens der älteste öffentliche Park der USA. Zum Pflichtprogramm gehören aber auch die relativ neue Seaport Area sowie die bereits erwähnte Gegend um Bunker Hill. Wer die Stadt einmal verlassen will, kann beispielsweise die Fähre nach Cape Cod nehmen - dort findet man New-England-Charme wie aus dem Bilderbuch. Als beste Jahreszeit empfiehlt der in Harvard tätige Chemiker den Herbst. Vor dem strengen Winter soll man sich eher in Acht nehmen - es ist nicht ungewöhnlich, dass es bis Mitte April schneit.

Bostons Waterfront liegt an der Mündung des Charles River in die Massachusetts Bay.

Wiewohl es in dieser multikulturellen und weltoffenen Stadt wohl kaum den "typischen" Bostoner gibt, so beschreibt Michael Fink doch eine Besonderheit: "Viele Menschen hier sind eher puritanisch - Spaß und Freizügigkeit dosiert man hier nur sehr vorsichtig. Und es gibt dabei so manche Eigenheit." So kommen in Massachusetts noch immer sogenannte "Puritan Laws" zur Anwendung. Eines davon regelt, dass man in einem Schanigarten nur Alkohol konsumieren darf, wenn man dazu auch etwas isst. Trotz des puritanischen Touchs lebt der Wiener sehr gerne in der Region: "Hier gibt es diese tolle Kombination aus dem Fluss, dem Meer und viel Grün rundherum. Das kulturelle Niveau ist nicht zuletzt aufgrund der beiden Konzerthäuser, der Oper und des klassischen Theaters sehr hoch."

Die Stadt Boston verfügt über ein sehr gut ausgebautes U-Bahn-Netz. Die Subway wird dort "T" genannt - der Buchstabe steht für "Transportation".

Aus beruflichen Gründen ist Michael Fink natürlich besonders vom wissenschaftlichen Umfeld im Raum Boston mit den beiden Unis angetan. Gerade Biotech und Life Sciences sowie Pharma und Chemie sind besonders stark vertreten. Damit profiliert sich Boston auch gegenüber den anderen großen Innovationszentren der USA - einerseits natürlich dem Silicon Valley, andererseits auch Zentren wie dem "Texas Triangle" (Dallas, Fort Worth und Austin) oder dem aufstrebenden Research Triangle in North Carolina.

Neben dem klassischen Clam Chowder bietet Boston viele weitere kulinarische Highlights.

Apropos Innovation: Die Bar- und Restaurantszene stellt sich ebenfalls höchst erfinderisch und lebendig dar. Auf Michael Finks persönliche Tippliste hat es "Alden & Harlow" (www.aldenharlow.com) in Cambridge geschafft - hier wird Contemporary American Cuisine gekocht, ein Teil der Karte wechselt alle sechs Wochen. Wem nach Sushi zumute ist, kann den Edeljapaner "O Ya" (www.o-ya.restaurant) in Boston besuchen - deftiger mit authentischem BBQ geht es im "Redbones" (www.redbones.com) zu, das etwas außerhalb in Somerville gelegen ist. Für Cocktails bietet sich die Bar "Drink" (www.drinkfortpoint.com) in der City von Boston an, wo nach persönlichem Geschmack Cocktails kreiert werden - eine Karte gibt es dort nicht.

Der Custom House Tower wurde 1915 fertiggestellt.

Boston ist also eine in mehrfacher Hinsicht lohnende Destination - darüber hinaus bietet auch die Umgebung viele weitere Ziele. Boston-Insider Michael Fink freut sich jedenfalls über die neue Nonstop-Verbindung und glaubt auch an deren Erfolg: "Ich habe den Eindruck, dass die Flüge zwischen Europa und Boston ständig voll sind - vor allem mit beruflich Reisenden." So stellt beispielsweise Lufthansa ihre München-Flüge von Airbus A350 auf A380 um. Das sind wohl keine schlechten Vorzeichen für die AUA-Flüge. 

Praktische Hinweise:

Vom Flughafen in die Stadt
Der Boston Logan International Airport liegt sehr nah am Zentrum - mit dem Auto braucht man bei günstiger Verkehrslage rund 15 Minuten. Daher kann man bequem und budgetschonend per Uber oder Lyft (Preis meist um die 20 US-Dollar) oder mit dem klassischen Taxi fahren. Die beiden Fahrdienstanbieter haben ihren Pick-Up-Point im gut ausgeschilderten Central-Parking-Bereich. Alternativ kann man auch mit der U-Bahn ("T" genannt) fahren: Dazu nimmt man zuerst einen Shuttle-Bus zur nahe gelegenen Station "Airport" - von dort sind es nur wenige Stationen bis zur Innenstadt.

Hotels
An Möglichkeiten zum Übernachten besteht in Boston keinen Mangel. Gerade in der Innenstadt sind viele Ketten vertreten - empfehlenswert sind sowohl von Seiten der Location als auch der Qualität das "Hilton Faneuil Hall" und das ziemlich neue "Hyatt Centric Faneuil Hall" mit zwar kleinen aber dafür cool ausgestatteten Zimmern. 

Essen und Trinken
Kulinarisch bietet Boston ebenfalls ein breites Angebot - siehe auch die Tipps im Text. Wie in den USA üblich, setzt man sich nicht einfach irgendwo hin, sondern wird vom Servicepersonal platziert. Bezahlt wird in der Regel mit Kreditkarte - das Trinkgeld wird extra auf den Beleg geschrieben oder ins Terminal eingetippt. Wenn man sich die Frage ersparen möchte, ob man denn mit dem Service nicht zufrieden war, sollte man mehr als die in deutschsprachigen Ländern üblichen zehn Prozent geben. Mit 20 Prozent ist man auf der sicheren Seite - man bedenke, dass die Kellnerinnen und Kellner zu einem guten Teil von den "Tips" leben. Auch nicht wundern, wenn auf der Rechnung ein höherer Betrag steht als auf der Speisekarte - die Steuer wird meist erst zum Schluss dazugerechnet.

Verkehrsmittel
Das wichtigste Verkehrsmittel in Boston sind die eigenen Beine - vieles kann man hier zu Fuß erreichen. Wer etwas weiter weg will, kann auf die gut ausgebaute "T" zurückgreifen - Lyft und Uber sind auch weit verbreitet.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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