Boeing setzt Max-Produktion aus

US-Konzern zieht nach neunmonatigem Grounding Konsequenzen

737 Max: Weltweit am Boden. (Foto: Boeing)

US-Flugzeugbauer Boeing stoppt die Produktion der 737-Max-Reihe. Der Schritt erfolge laut Mitteilung des Konzerns vorübergehend ab Januar. "Wir glauben, dass diese Entscheidung die Aufrechterhaltung des langfristigen Produktionssystems und die Gesundheit der Lieferkette am wenigsten beeinträchtigt.“ Bei der Präsentation der Jahreszahlen Ende Januar wolle man mehr dazu sagen.

Hintergrund ist, dass in Seattle nicht mehr mit einer baldigen Wieder-Zulassung des Typs gerechnet wird. Nach zwei tödlichen Abstürzen ist das Mittelstreckenflugzeug seit dem Frühjahr mit einem weltweiten Bann belegt.

Kündigungen soll der zunächst auf unbestimmte Zeit angelegte Produktionsstopp aber nicht nach sich ziehen: "Während dieser Zeit planen wir, dass betroffene Mitarbeiter ihre 737-bezogene Arbeit fortsetzen oder vorübergehend anderen Teams zugewiesen werden.“ Im Umfeld des Boeing-Hauptwerks in Seattle arbeiten rund 12.000 Menschen, weltweit angestellt bei dem Konzern sind 153.000.

Vorratsproduktion kostet
Trotz des Groundings hat Boeing weiter 737-Max-Flugzeuge produziert. Allerdings seit April mit einer monatlichen Fertigungsrate von 42 statt 52 Maschinen. Dennoch warten aktuell 400 Jets auf ihre Auslieferung. Eine „reduzierte Produktionsleistung ermöglicht die Priorisierung der Auslieferung von gelagerten Flugzeugen“, heißt es in Seattle. Allerdings darf Boeing die Jets bis zur Freigabe nicht ausliefern.

Für Beobachter kommt die Entscheidung des vorübergehenden Produktionsstopps daher nicht überraschend. "Dass Boeing die Max auf Halde produziert und damit in Seattle sogar den Mitarbeiterparkplatz vollpflastert, ist völliger Nonsens", sagte Luftfahrtexperte Michael Santo kürzlich zu AviationNetOnline. Monatelang müssten Räder und Bremsen das komplette Gewicht der Jets tragen; dafür seien diese jedoch nicht ausgelegt.

Mit der Vorratsproduktion "hält Boeing schlicht die Zulieferer bei Laune und die Supply Chain am Leben", so Santo. "Wir haben das mal auf Airbus hochgerechnet, wenn die A320-Family gegroundet wird, ein sofortiger Produktionsstopp verhängt würde und Airbus die Lieferanten und deren Lieferanten sofort stoppen würde, dann steuern schnell mehr als 150 Unternehmen auf die Insolvenz zu.“

Airlines können kaum planen
Boeing wartet seit Monaten auf die Wiederzulassung des Flugzeugtyps. Die amerikanische Aufsichtsbehörde FAA warnte vergangene Woche davor, dass Boeing immer neue Termine für ein Ende des Groundings ausruft. Den zuletzt vom Konzern öffentlich kommunizierten Zeitplan nannte FAA-Chef Steve Dickson "unrealistisch".

Aber nicht nur der Flugzeugbauer hofft auf eine baldige Startfreigabe der neuesten Modelle von Boeings Kassenschlager. Auch Airlines weltweit plagen seit Monaten Ungewissheit - immerhin stehen bei Boeing mehrere Tausend Exemplare des Jets auf der Bestellliste. Billigflieger Ryanair beispielsweise wartet auf die ersten Auslieferungen und plant wegen der Ungewissheit auch in Deutschland um.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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