Boeing kassiert Jahresprognose

US-Flugzeugbauer zieht bei Bilanzvorlage Konsequenz aus Max-Debakel.

Boeing 737-Max-9 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Mit den ersten Quartalszahlen nach den weltweiten Groundings von Boeings 737-Max-Flugzeugen betritt der weltgrößte Flugzeugbauer Neuland: Erstmals gibt es im Anschluss an den Finanzbericht keine Prognose für das weitere Geschäftsjahr. Dabei hatten viele Analysten vor allem auf den Ausblick gespannt gewartet, sollte er doch Aufschluss darüber geben, wann Boeing mit einem Ende des Flugstopps rechnet. 

Denn der Konzern hüllt sich mit Details dazu, wann die weltweit gut 370 Max-Jets wieder fliegen dürften, in schweigen. Boeing hatte ursprünglich angepeilt, in diesem Jahr gut 900 Flugzeuge für das Passagier- und das Frachtgeschäft auszuliefern. Der Umsatz sollte auf bis zu 112 Milliarden Dollar und der Gewinn je Aktie auf gut 22 Dollar steigen. Das Management kassierte die Ziele nun und räumte ein, dass noch nicht absehbar sei, wann die Max-Krise überwunden werden könne. Immerhin stehe das Risiko im Raum, dass es noch zu milliardenschweren Schadenersatzforderungen von Airlines kommen könnte - auch von jenen, die auf bestellte Jets warten

Bei zwei Abstürzen mit werksneuen 737-Max-Jets waren in den vergangenen Monaten knapp 350 Menschen gestorben. Schnell geriet das Steuerungstool MCAS in die Kritik - vorsorglich verhängten alle Staaten ein Flugverbot für die bislang ausgelieferten gut 370 Maschinen der Typen Max-8 und -9.

Umsatz nur leicht gesunken

Die Zahlen an sich geben noch wenig Auskunft über den Effekt, den das Max-Debakel für den Konzern haben kann. Der Umsatz liegt mit 22,92 Milliarden Dollar nur leicht Inter dem Vorjahreswert - und über dem, was Experten erwartet hatten. Der ausgewiesene Gewinn hingegen zeigt, wie viel Sprengstoff die Krise für Boeing haben könnte. Zwar lag er mir 3,16 Dollar je Aktie leicht über den Schätzungen - allerdings verzeichnet Boeing insgesamt ein dickes Minus von 18 Prozent. 

Dass das Ergebnis nicht noch weiter nach  unten rauschte, liegt vor allem daran, dass Boeing das 737-Max-Debakel im ersten Quartal durch ein besser laufendes Militärgeschäft auffangen konnte. Allerdings kündigten die USA, Großkundin im militärischen Bereich, jüngst Einschnitte an. Auch ganz grundsätzlich lässt sich das Grounding der Mittelstreckenreihe nicht aus der Bilanz fernhalten, macht die 737-Reihe doch immerhin fast ein Drittel des Umsatzes von Boeing aus.

Am US-Kapitalmarkt sind die Zahlen mit Spannung erwartet worden, denn Boeing hat aufgrund der Höhe des Aktienkurses die stärkste Gewichtung im Dow-Jones-Index. Im vorbörslichen Handel drehte das Papier mit gut einem Prozent ins Minus. 

Und die schlechten Nachrichten für Boeing reißen nicht ab. Die amerikanische Zulassungsbehörde FAA teilte an Ostern mit, dass sie noch bis mindestens August eine Freigabe für die Max-Jets prüfen wolle. Die New York Times brachte zudem jüngst auch die „Dreamliner“-Produktion von Boeing ins Kreuzfeuer von Kritik

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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