Boeing-Chef verlässt Verwaltungsrat

Muilenberg soll sich ganz auf Wiederzulassung konzentrieren. 

Foto: Jan Gruber.

Das Desaster um zwei tödliche Unfälle von Boeings 737 Max hat eine prominente Personalia zur Folge: Dennis Muilenberg, der Chef des Flugzeugbauers, scheidet mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat des US-Konzerns aus. Er soll als Vorstandsvorsitzender von nun an seine ungeteilte Aufmerksamkeit der Wiederzulassung des Mittelstreckenflugzeugs widmen, heißt es von Boeing.

Seinen Posten als Vorsitzender im Kontrollgremium übernimmt David L. Calhoun. Dieser betonte, dass der Verwaltungsrat  "volles Vertrauen" in Muilenberg habe. Auch der Boeing-Chef selbst erklärte, dass er hinter der Personalentscheidung stehe. An der Börse konnte durch diese Lippenbekenntnisse ein Crash der Aktie verhindert werden: Die Boeing-Papiere verloren im US-Handel nur leicht. 

Vermutlich traf die Sorge über eine nun beginnende Personalrochade bei den Anlegern auf Erleichterung, dass Muilenberg endlich ein wenig aus der Schusslinie genommen wurde. Schon seit Monaten fordern Investoren den Rücktritt Muilenbergs aus dem Verwaltungsrat. Bei amerikanischen Unternehmen ist es üblich, dass CEOs auch gleichzeitig dem Board vorstehen, das die Arbeit des Vorstands im Tagesgeschäft eigentlich kontrollieren soll. Und Kontrolle ist bei Boeing gerade wichtiger denn je.

Unterstützer Markteintritt der Max?

Denn in der anhaltenden Max-Krise gab das Team um Muilenberg bislang keine gute Figur ab: unzureichende Kommunikation, behäbiger Umgang mit Whistleblowern und ein schwerwiegender Verdacht. Die 346 Tote der beiden Max-Abstürze im Herbst 2018 und Frühjahr dieses Jahres sollen auf das Konto eines unterstützten Markteintritts des 737-Jets im unerbittlichen Marktkampf mit Wettbewerber Airbus gehen. 

Derzeit ermittelt die Flugaufsichtsbehörde FAA, ob sie vom Flugzeugbauer falsch über Neuerungen beim 737-Nachfolger informiert wurde, um schneller die Freigabe für dieses Flugzeug zu erteilen. Sollte dies der Fall sein, wird das Max-Desaster noch erheblich teurer für Boeing. 

Per Ende Juni soll der Fall den Konzern bereits rund 8,3 Milliarden Dollar gekostet haben, rechnete Bloomberg vor. Zudem haben die Großkundinnen American, Southwest und United Airlines jüngst mitgeteilt, dass sie bis Januar auf die Max-Jets verzichten werden. Dieses in der ohnehin nachfrageschwachen Wintersaison zu betonen, zeigt wie wenig die Carrier noch hinter Boeing stehen und dem Konzern vertrauen. Seit den Abstürzen gilt ein weltweites Flugverbot für den Maschinentyp. 

Muilenberg betonte zuletzt, dass er hingegen mit einer raschen Wiederzulassung rechne. Er weiß auch, wie sehr sein Konzern sonst bluten wird. Allein im zweiten Quartal stürzten die Umsatzerlöse, in die Neubestellungen einfließen, um 35 Prozent ab. Unterm Strich verbuchte Boeing einen Verlust von fast drei Milliarden Dollar. Ende Oktober muss der Konzern die Zahlen fürs dritte Quartal veröffentlichen.

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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