„Boeing braucht dringend neue Antworten“

Der Absturz von Flug PS752 setzt dem Konzern weiter zu. 

737-Jet von Boeing: Dritter Absturz der Modellreihe innerhalb von 16 Monaten. (Foto: www.AirTeamImages.com)

Schon wieder der Absturz einer zivilen Passagiermaschine – und schon wieder trifft es den Flugzeugbauer Boeing. Das Unglück des 737-Fliegers der Ukraine International Airlinesmit 176 Toten setzt dem US-Konzern weiter zu, denn es ist der dritte tödliche Absturz einer Mittelstreckenmaschine von Boeing innerhalb von gerade einmal 16 Monaten. „Das setzt den Konzern weiter unter Druck“, so Luftfahrtindustrieexperte Michael Santo von der Unternehmensberatung H&Z zu AviationNetOnline.

„Boeing braucht dringend neue Antworten.“ Dies müsse unter anderem die Neuentwicklung eines Flugzeugs für die Kurz- und Mittelstrecke sein, so Santo. „Ich bin zwar überzeugt davon, dass die 737-Max in der zweiten Jahreshälfte wieder abheben wird“, aber: Das Modell und damit auch Boeing sind „inzwischen derart vorbelastet, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass die Produktion wird wieder so hochgefahren wie ursprünglich geplant“.

„Softwarelösung allein reicht nicht“
Im Herbst 2018 und im März 2019 waren zwei 737-Max-Jets abgestürzt. Bei den beiden Unglücken starben fast 350 Menschen. Seit dem Frühjahr 2019 gilt ein weltweites Flugverbot für den 737-Nachfolger. Auch wenn man die genaue Absturzursache noch nicht kennt, ist das Unglück von Flug PS752 ein weiterer Schatten auf der 737-Modellreihe. Und Sicherheit ist ein hohes Gut in der Luftfahrt – das bekommt Boeing zu spüren: Die Bestellzahlen brachen 2019 ein, der Umsatz ist in der Folge drastisch zurückgegangen und CEO Denis Muilenburg musste seinen Hut nehmen.

Boeing sprach davon, dass es Probleme mit der Steuerung der Max-Jets gibt und dort nachgebessert werden müsse. Doch das Update scheint nicht auszureichen – die amerikanische Luftaufsichtsbehörde FAA zögert seit Monaten mit der Freigabe. „Eine einfache Softwarelösung allein reicht nicht aus. Es sind auch Änderungen an der Hardware und der Pilotenausbildung nötig“, so Santo.

Doch die Neuentwicklung eines Flugzeugs dauert: rund sieben Jahre, so Experten. Gerade für das aufkommensstarke Mittelstreckensegment, dass sich aktuell aus bisherigen Boeing-737-Modellen und der A320-Palette von Airbus (inklusive der spritsparenden Neos) speist, steht im Fokus. Sollte Boeing die Max nicht schnell wieder in die Luft kriegen oder zeitnah einen Nachfolger präsentieren, droht ein mehrjähriges Monopol von Airbus in dem Segment. „Und das kann wirklich keiner wollen.“

Autor: Carlo Sporkmann
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Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.

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