Biete: Fokker 70 alt, aber gepflegt

Drei Fokker 70 der Austrian Airlines Group warten auf Käufer oder die Schrottpresse.

OE-LFK wartet auf bessere Zeiten. (Foto: Peter Unmuth - www.vap-group.at)

OE-LFK wartet auf bessere Zeiten. (Foto: Peter Unmuth - www.vap-group.at)

Bei Tyrolean Airways betreibt man seit vielen Jahren eigentlich eine fliegende Rarität, genannt Fokker 70, von der lediglich 48 Stück gebaut wurden. Eigentlich deswegen, weil der kleine Jet nicht nur als äußerst "durstig" gilt, sondern auch im direkten Vergleich mit anderen 70-Sitzern äußert schwer ist, was sich in den Start- und Landegebühren an Flughäfen weltweit niederschlägt.

Bei Passagieren mag dieses Fluggerät gleichermaßen beliebt wie gehaßt sein. Der vordere Teil der Kabine ist äußerst ruhig, während Plätze nahe den Hecktriebwerken wahrscheinlich nur unter Flugzeugfreaks beliebt sind. Bei Tyrolean Airways spielt dieser Aspekt allerdings nur beschränkt eine Rolle, wenn es darum geht mit dem Flugzeug Geld zu verdienen.

So hat man bei Tyrolean Airways den direkten Vergleich zwischen Fokker 70 und Dash 8-Q400, die von der Passagierkapazität her absolut vergleichbar sind. Die Erleuchtung, die man angesichts immer höherer Treibstoff-, aber auch Ersatzteilkosten erlangt hat, ist simpel: Man kann mit Bombardier Dash 8-Q400 mit minimalistisch langsamerer Flugzeit ohne Probleme sämtliche bisherigen Fokker-70-Destinationen ansteuern. Der Unterschied ist allerdings in den Kosten zu finden. Dash 8-Q400 schlägt Fokker 70 deutlich.

Größere Reichweite bei hohem Passagierkomfort
Selbsternannte Luftfahrtexperten gaben in den letzten Wochen in diversen Internetforen oftmals die falsche Weisheit von sich, dass manche Strecken für die Bombardier Dash 8-Q400 zu lang wären. Das ist schlichtweg falsch, denn die Reichweite der Fokker 70 beträgt rund 2.010 Kilometer, während die Dash 8-Q400 bis zu 2.825 Kilometer mit einer Tankfüllung fliegen kann.

Noch mehr an den Haaren herbeigezogen ist es, dass es "Passagieren nicht zumutbar" wäre auf längeren Strecken in Flugzeugen des Typs Bombardier Dash 8-Q400 zu fliegen. Was ist nun gemütlicher? Drei Stunden in engster Niki-Bestuhlung ausharren zu müssen oder bei großer Beinfreiheit in der Dash 8-Q400 sitzen zu können? Oder aber drei Stunden in der letzten Reihe den Triebwerken der Fokker 70 lauschen zu dürfen?

Das lettische Luftfahrtunternehmen Air Baltic setzt seit einiger Zeit auch auf längeren Strecken konsequent Flugzeuge des Typs Bombardier Dash 8-Q400 NextGen ein. Das wird nicht zum Spaß gemacht, sondern um gut zahlende Kundschaft von A nach B bringen zu können. Der Einsatz einer Boeing 737 würde sich nicht rechnen, jedoch mit Dash 8-Q400 sind solche Flüge wirtschaftlich darstellbar. 

Wenn es sich bei den Fokker-70-Strecken der Austrian Airlines Group also um regelrechte Rennstrecken handeln würde, so wäre davon auszugehen, dass man diese mit Airbus A321 bedienen würde. Nachdem das aber nicht der Fall ist und gleichzeitig der eingermaßen wirtschaftliche Betrieb der Fokker 70 langsam aber sicher unmöglich wird, handelt es sich beim Einsatz von Dash 8-Q400 um eine wirtschaftlich nachvollziehbare und gute Entscheidung.

Rasche Ausflottung bei Austrian Airlines Group
Bei Tyrolean Airways wurden in den letzten Wochen die Maschinen OE-LFL, OE-LFG und OE-LFK außer Dienst gestellt. Diese stehen vor den AUA-Hangars in Bratislava bzw. Wien herum und warten auf bessere Zeiten. "Wie wir die drei Flugzeuge verwerten werden, kann ich zur Zeit aber noch nicht sagen. Haben Sie Kaufinteresse?", scherzt Austrian-Airlines-Konzernsprecher Peter Thier.

Bislang galten Mass Jet Lease und KLM stets als zuverlässige Abnehmer für Fokker-Flugzeuge aller Art. Dem Leasingunternehmen Mass sagt man nach, dass man in den Niederlanden bereits derartig viele Flugzeuge der Typen Fokker 70/100 ohne Leasingnehmer habe, dass die Flugzeuge regelrecht in Regalen gestapelt werden müssten. KLM cityhopper kündigte eine rasche Ausflottung der kleinen Jets bereits an. Als Nachfolger steht die größere Embraer 190 bereits fest.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann