Betriebsrat kritisiert Drohgebärden des AUA-Vorstands

Löhne "an und unter der Armutsschwelle" sollen "nach Corona" kommen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Für Drohungen gegenüber der Belegschaft war in Österreich bislang überwiegend die Ryanair-Tochter Lauda „berühmt-berüchtigt“, während gleichzeitig Austrian Airlines gelegentlich als regelrechter Musterschüler inszeniert wurde. Davon ist nicht mehr viel zu spüren, behauptet zumindest der AUA-Bordbetriebsrat in einer Aussendung. 

Dieser schreibt: „Die Drohgebärden des Vorstands, sowohl intern gegen die Belegschaft wie auch extern in der Öffentlichkeit sieht die Belegschaftsvertretung kritisch. Als Teil seiner Verhandlungsstrategie versucht der Vorstand, einen Keil zwischen Belegschaft und Vertretung zu treiben. Die Drohung mit der Insolvenz, die das Personal allein gar nicht abwenden könnte, entwickelt eine gefährliche Eigendynamik.“ 

Bord-Betriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger ortet auch einen möglichen Imagesschaden für die Lufthansa-Tochter, die sich negativ auf den Absatz auswirken könnte: „Wer bucht schon bei einer Airline, von der niemand weiß, ob es sie in ein paar Monaten noch gibt?“. Das gesamte Verhalten des AUA-Vorstands bewertet der Arbeitnehmervertreter in einer Aussendung als „kontraproduktiv“. 

Austrian Airlines will auch an der Gehaltsschraube drehen, was laut Bordbetriebsrat dazu führen könnte, dass sich durch diese „Sparbeiträge“ Gehälter ergeben, die „an und unter der Armutsschwelle“ liegen. Dazu die Arbeitnehmervertreter: „Die Corona-Krise bringt die AUA in eine Position, aus der sie aus eigener Kraft nicht mehr herauskommt. Der Fortbestand der AUA hängt dabei von vielen Faktoren ab. Ein Kapitaleinschuss von außen, durch den Eigentümer oder ggf. auch durch den Staat, ist dabei unumgänglich. Das tatsächliche Volumen des Personalpakets ist deshalb an den Kontext aller Maßnahmen und Beiträge der Stakeholder gebunden“. Laut Stratberger würde das momentane Vorgehen „einer Gleichung mit vielen Unbekannten“ ähneln. 

Der Betriebsrat Bord sieht derzeit Spielraum, dass personalseitig bis zu 300 Millionen Euro eingespart werden können. Dazu würden rund 200 Millionen Euro allein auf das fliegende Personal entfallen. Dies könne durch Einkommensverzicht durch die Fortsetzung der Kurzarbeit bewerkstelligt werden, aber dies habe auch seine Schattenseite, wie Rainer Stratberger ausführt: „Die Kurzarbeit drängt schon jetzt viele an den Rand ihrer Existenz. Die soziale Verträglichkeit ist deshalb oberste Prämisse.“ Laut den Arbeitnehmervertreter würde die Kurzarbeit momentan bei Flugbegleitern zu einem Reallohnverlust in der Höhe von 35 Prozent führen und daher müsse diese „anders gestaffelt werden“.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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