Ben Smith attackiert französische Ticketsteuer

Transavia France soll stark wachsen.

Ben Smith ist Generaldirektor von Air France-KLM (Fotos: Jan Gruber).

Air France-KLM-Konzernchef Ben Smith sprach sich während einer Pressekonferenz in Amsterdam in unmissverständlicher Deutlichkeit gegen die Pläne der französischen Regierung eine Umweltsteuer auf Flugscheine einzuführen aus. „Wir lehnen diese Steuer ab, denn die Einnahmen sollen nicht zur Entwicklung neuer Technologien in der Luftfahrt verwendet werden, sondern werden in anderen Bereichen im Staatshaushalt versickern“, so Smith.

Der Manager geht davon aus, dass allein Air France-KLM Mehrkosten in der Höhe von rund 60 Millionen Euro entstehen werden. Die Erhöhung der Flugticketpreise hält Smith jedoch für kein adäquates Mittel und verweist darauf, dass dies aufgrund des harten Wettbewerbsumfelds in vielen Fällen gar nicht möglich wäre. „Logischerweise versuchen wir immer das bestmögliche Einkommen am jeweiligen Marktplatz zu erzielen, doch einfach die Preise zu erhöhen ist nicht die richtige Lösung, denn Mitbewerber reagieren darauf und senken ihre Preise, um mehr Kunden zu gewinnen. Es ist also fraglich, ob die in Frankreich geplante Steuer überhaupt eins zu eins weitergereicht werden kann“, erklärte Ben Smith.

Grundsätzlich ist der Konzernchef allerdings der Ansicht, dass mit den Gewerkschaften – insbesondere in Frankreich – signifikante Fortschritte erzielt werden konnten. „Fakt ist, dass unsere Angestellten das wichtigste Asset unseres Konzerns sind. Mit guten und motivierten Mitarbeitern steht oder fällt die gesamte Firma. Als ich zu Air France-KLM gekommen bin, wurde ich bekanntermaßen nicht sonderlich herzlich empfangen, doch ich habe den Dialog mit den Gewerkschaften gesucht und meiner Meinung nach konnte ich Misstrauen, das mir sozusagen als Startlorbeeren entgegengebracht wurde, ausräumen. Wir befinden uns in einem guten Dialog und sind meiner Meinung nach auf dem richtigen Weg, denn beispielsweise die Zustimmung zur Aufhebung der 40-Flugzeuge-Klausel bei Transavia France ist ein wichtiger Meilenstein und manifestiert auch das beiderseitige Vertrauen“, so Smith.

Aus dem Umstand, dass bei Air France nicht alles rund läuft macht der Generaldirektor auch keinen Hehl und spricht gleichzeitig seinem KLM-CEO, Pieter Elbers, großes Lob aus. Anfang des Jahres loderte noch ein Machtkampf zwischen Smith und Elbers, denn der Kanadier wollte den Vertrag des Niederländers nicht mehr verlängern. Letztlich konnte sich offensichtlich Elbers durchsetzen, so dass die anlässlich der 100-Jahre-KLM-Feier gezeigte Einigkeit, die schon fast freundschaftlich anmutete, durchaus ein bisschen überraschend war. Smith räumte jedenfalls ein: „Air France ist definitiv nicht die effizienteste Fluggesellschaft. Wir müssen noch deutlich effizienter werden. KLM ist da ein gutes Vorbild, Air France kann viel von KLM lernen.“

Die Tochtergesellschaft Transavia France soll jedenfalls ab Paris-Orly und ab „sekundären Flughäfen in Frankreich“ stark wachsen. Hierbei fasst Ben Smith primär europäische Ziele ins Auge, denn Inlandsflüge würden nicht im Fokus stehen. „Die TGV-Zugverbindungen sind innerhalb Frankreichs eine starke Konkurrenz für den Flugverkehr geworden“, so Smith. „Wir sind froh, dass es in Verhandlungen mit den Gewerkschaften gelungen ist, dass die 40-Flugzeuge-Klausel gefallen ist. Zuvor wurde leider viel Geld aufgrund von teuren Streiks verloren. Generell sehe ich aber sehr großes Potential für das Wachstum von Transavia France.“

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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