Austrian Airlines rollt Sparpaket aus

Der Mitarbeiterstand soll um 700 bis 800 Personen gesenkt werden.

Alexis von Hoensbroech (links), Andreas Otto (Mitte) und Wolfgang Jani (rechts) machen zumindest teilweise gute Laune zum bösen Spiel (Foto: Martin Metzenbauer).

Nach sechs (halbwegs) fetten Jahren stehen bei Austrian Airlines im heurigen Jahr erstmals wieder rote Zahlen im Raum: Nach einem hauchdünnen Adjusted EBIT von 17 Millionen Euro in den ersten drei Quartalen wird das (traditionell negative) Herbst-/Winterquartal das Zünglein an der Waage sein, mit dem sich entscheidet, ob sich der ursprünglich anvisierte Gewinn noch ausgehen wird. Dass sich die finanzielle Flughöhe angesichts diverser externer Faktoren wie der Konkurrenzsituation am Hub Wien oder steigenden Treibstoffpreisen in näherer Zukunft von selbst ändern wird, darf nicht angenommen werden. Vor allem wenn man der Ankündigung von Ryanair-Enfant-terrible Michael O’Leary glauben darf, die AUA in Wien in den nächsten fünf Jahren zu überflügeln.

Statt kollektiver Depressivität angesichts der mauen Zahlen zeigte sich der Dreier-Vorstand im Rahmen einer Pressekonferenz Donnerstagmittag allerdings durchaus kampfeslustig. "Wir weichen keinen Millimeter zurück", erklärte CCO Andreas Otto. Strategisch wird man dabei dem vor einigen Monaten vorgestellten Programm "#Drive to 25" treu bleiben. Darüber hinaus sollen aber diverse zusätzliche Maßnahmen zur Produktivitäts- und Effizienzsteigerung (dieses Programm nennt die AUA PE20) künftig pro Jahr 90 Millionen Euro in die Kassen bringen. Weitere zusätzliche Maßnahmen, zum Beispiel bei Zulieferern, sollen die Bilanz weiter aufbessern - AUA-Chef Alexis von Hoensbroech spricht hier von einem vergleichbar großen Betrag wie die 90 Millionen Euro des PE20, der hier zusätzlich eingespart werden soll.

Zu den insgesamt 300 Einsparungsmaßnahmen aus dem PE20 gehört allerdings auch ein Abbau von insgesamt 700 bis 800 Stellen - und zwar in vielen Bereichen. Dabei möchte man so weit wie möglich auf die natürliche Fluktuation setzen - diese betrifft allerdings nur rund 200 bis 250 Personen pro Jahr. Zusätzlich sind derzeit noch rund 150 Nachwugsflugzeugführer von Lufthansa "ausgeliehen" - von denen sollen auch einige zurückkehren. Ohne Kündigungen wird es allerdings vermutlich trotzdem nicht gehen - Details dazu werden aber erst bis zum Jahreswechsel ausgearbeitet. Medialen Einspruch dagegen hat jedenfalls schon die Gewerkschaft erhoben. Die sonstigen Sparmaßnahmen - wie eine weitere Flottenvereinheitlichung - wurden schon früher kommuniziert.

Die Billigflieger-Invasion am Flughafen Wien stört die drei AUA-Chefs naturgemäß sehr - besonders da einige Low Cost Carrier "Social Engineering" betreiben würden. Diese würden sich mit komplexen Vertragsmodellen bei ihren Mitarbeitern "aus ganz Europa die Rosinen herauspicken", so Alexis von Hoensbroech. Er glaubt jedenfalls auch, dass Wien "dauerhaft ein low-cost-intensiver Markt" bleibe - allerdings würden andere "deutlich rötere Zahlen als wir" schreiben, so der AUA-Chef. In Wien sei die Billigflieger-Situation deutlich angespannter als an den anderen Hubs des Lufthansa-Konzerns: Jeder dritte Flugsitz werde bereits von einem Low Cost Carrier bedient - im kommenden Jahr wird das wohl noch mehr werden, nachdem die Zahl von 17 stationierten Flugzeugen von Billigfliegern im kommenden Jahr auf 29 steigen soll.

Unter dem Strich hält man laut CFO Wolfgang Jani trotz der zunehmenden Herausforderungen weiter an dem langfristigen Plan fest, ein EBIT von zumindest 150 Millionen Euro und eine EBIT-Marge von acht Prozent zu erreichen. "Bis 2023 wollen wir investitionsfähig sein", erklärte der Finanzchef von Austrian Airlines - heuer und 2020 könnte allerdings ein Verlust unter der AUA-Bilanz stehen.

Und dem Ryanair-Holding-Chef lässt Alexis von Hoensbroech selbstbewusst ausrichten: "Herr O’Leary irrt sich, wenn er glaubt, dass er uns in fünf Jahren überholen kann."

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann