Austrian Airlines reicht Antrag auf Kurzarbeit ein

Bis zu 7.000 Mitarbeiter betroffen.

Foto: FACC AG.

Die verhaltene Buchungslage aufgrund der Corona-Krise hat bei Austrian Airlines nun drastische Folgen für das Personal. Nachdem in den letzten Tagen zahlreiche Routen reduziert bzw. teilweise sogar komplett ausgesetzt wurden, prüft man nun 7.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Die Kronen Zeitung deutete in einem Bericht an, dass dies schon fix wäre. Eine Sprecherin der Airline sagte gegenüber AviationNetOnline aber, dass man sich noch in Verhandlungen mit den Betriebsräten und Behörden befände.

"Wir können bestätigen, dass wir derzeit personalseitig verschiedene Maßnahmen prüfen, um auf die Coronakrise zu reagieren. Darunter ist auch Kurzarbeit. Dafür sind wir aktuell mit unseren Betriebsräten und den dafür zuständigen Behörden in Gesprächen. Sobald es dazu mehr Informationen gibt, kommunizieren wir entsprechend", so die AUA-Medienreferentin gegenüber AviationNetOnline. 

Zwischenzeitlich bestätigte Konzernsprecher Peter Thier gegenüber dem Österreichischen Rundfunk, dass der entsprechende Antrag auf Kurzarbeit beim Arbeitsmarktservice eingereicht wurde. Als frühestmöglichen Termin für den Beginn dieser Maßnahme nannte der Sprecher den 1. April 2020. Die von Konzernmutter Lufthansa verkündete Kürzung der Kapazität um bis zu 50 Prozent wird auch Austrian Airlines treffen. Dem Vernehmen nach laufen derzeit auch bei Schwester Eurowings Europe Verhandlungen über mögliche Kurzarbeit.

Auf sechs Monate beschränkt
Die Arbeiterkammer erklärt den Begriff wie folgt: „Von Kurzarbeit (KUA) spricht man, wenn in einem Betrieb die Arbeitszeit zeitlich begrenzt herabgesetzt wird. Die Kurzarbeit dient zur Überbrückung von wirtschaftlichen Störungen und soll die Beschäftigten im Betrieb halten. (…) Grundsätzlich gilt als Voraussetzung für die Kurzarbeit, dass eine wirtschaftliche Störung oder ein Problem im Betrieb aufgrund einer eingetretenen Naturkatastrophe vorliegt. Der Arbeitgeber muss im Normalfall sechs Wochen vor dem geplanten Beginn der Kurzarbeit mit dem regional zuständigen Arbeitsmarktservice in Kontakt treten. Das tatsächliche Begehren ist drei Wochen vor Beginn der Kurzarbeit beim AMS einzubringen (…) Die Dauer der Kurzarbeit ist zunächst auf höchstens sechs Monate beschränkt. Liegen die Voraussetzungen für die Kurzarbeit weiterhin vor, so können weitere Verlängerungen von jeweils maximal sechs Monaten beim AMS beantragt werden. Insgesamt darf eine Kurzarbeit aber höchstens 24 Monate dauern.“

Aufgrund des harten Wettbewerbs rutschte die Lufthansa-Tochter im Vorjahr wieder in die roten Zahlen. Dennoch gab man sich optimistisch, dass die zuvor gesteckten Gewinnziele langfristig erreicht würden. Doch die Corona-Krise durchwirbelte nun die gesamte Branche. Austrian Airlines muss derzeit Destinationen in China und im Iran pausieren. In Kürze werden auch die Flüge nach Tel Aviv aufgrund der strengen Einreisebestimmungen ausgesetzt. Da die Buchungslage aufgrund der Corona-Krise derzeit schlecht ist, müssen nahezu alle europäischen Airlines, so auch Austrian Airlines, Lauda und Wizzair, ihr Angebot drastisch reduzieren und zum Teil auch Routen aussetzen.

"Dramatisch schlechte" Buchungslage
Gegenüber AviationNetOnline beschrieben Geschäftsführer bekannter Fluggesellschaften die momentane Buchungslage als "dramatisch schlecht", hoffen aber darauf, dass die Corona-Krise sobald wie möglich vorbei ist und spätestens bis Ostern der Verkauf wieder anzieht. Sollte dies nicht der Fall sein und sich die Buchungszurückhaltung auch in das ertragreiche Sommergeschäft ziehen, rechnen die konsultierten Geschäftsführer mit mehreren Insolvenzen in der Branche. Namentlich will niemand zitiert werden, doch der Tenor ist eindeutig: Die Corona-Krise ist eine große Herausforderung für die gesamte europäische Luftfahrtbranche.

In Deutschland fordern bereits erste CDU-Politiker, dass die drastische Erhöhung der Ticketsteuer, die am 1. April 2020 in Kraft treten soll, um mindestens ein Jahr verschoben werden sollte. Befürchtet wird, dass diese zusätzliche Belastung kombiniert mit der Corona-Krise zum Kollaps von Airlines und damit zum Verlust tausender Arbeitsplätze führen könnte. Entschieden wurde über diese Forderungen allerdings noch nicht.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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