Austrian Airlines: Boston statt Miami

CCO Andreas Otto erklärt im Interview mit AviationNetOnline, warum die Stadt in Massachusetts als neues AUA-Ziel gewählt und warum Miami gestrichen wurde.

In der Metropolregion Boston leben rund 4,5 Millionen Menschen (Foto: Pixabay).

Wie vor ein paar Tagen berichtet, wird die AUA künftig Miami als Sommerdestination nicht mehr anfliegen - ein anderes attraktives Langstreckenziel stattdessen wurde angekündigt. Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Austrian Airlines wird ab 29. März 2020 zuerst viermal wöchentlich und dann ab Mitte April sogar sechsmal pro Woche in die größte Stadt Neuenglands fliegen. Zum Einsatz auf dem rund neunstündigen Flug, der vorerst nur im Sommerflugplan stattfindet, kommt die Boeing 767-300.

Warum gerade Boston? Und wieso wurde Miami aus dem Programm genommen? Und wie läuft die Langstrecke nach Nordamerika überhaupt? Diesen und anderen Fragen stellte sich Andreas Otto, Chief Commercial Officer von Austrian Airlines im Interview mit AviationNetOnline.

AviationNetOnline: Warum wurde Boston als neue Langstreckendestination von Austrian Airlines gewählt?

Andreas Otto: Wir sehen viel Potenzial in Boston. Dessen Ballungsraum gehört zu den 10 größten der USA und weltweit zu den leistungsstärksten Wirtschaftsregionen. Vor allem im Bereich des Hochschulwesens, der Technologie und Finanzwirtschaft ist Boston führend. Es überrascht also nicht, dass die Stadt mit Harvard und dem Massachusetts Institute of Technology zwei der besten Universitäten der Welt beheimatet. Die gesamte Region ist unglaublich dynamisch und innovativ. Österreichische Unternehmen werden daher auf jeden Fall von unserer neuen Verbindung profitieren - zum Beispiel, um sich zu vernetzen.

Andreas Otto (Foto: Austrian Airlines - Michèle Pauty).

Auch für Touristen ist die neue Verbindung attraktiv. Boston nimmt einen besonderen Platz in der amerikanischen Geschichte ein. Die berühmte Boston Tea Party war zum Beispiel einer der Auslöser für den Unabhängigkeitskrieg. Es gibt daher zahlreiche Museen und historische Orte zu besichtigen. Auch hochklassige Sport- und Musikveranstaltungen sowie interessante Tagesausflüge in Bostons Umland sind im Angebot. Insofern ähneln sich Boston und Wien sehr - denn auch unsere Hauptstadt glänzt mit einem reichhaltigen kulturellen Angebot. Das wird für amerikanische Touristen aus der Region ebenfalls sehr interessant sein.

Und nicht zuletzt ist Boston eine echte Premiere in unserer 62-jährigen Unternehmensgeschichte. Noch nie war Österreich mit der amerikanischen Metropole direkt verbunden. Die Boston Red Sox treffen also schon bald auf die Austrian "Red Socks".

AviationNetOnline: Welche Passagiergruppen möchten Sie hier ansprechen und welche Anteile erwarten Sie hier bei Geschäftsreisenden, touristischem Verkehr und Family & Friends?

Andreas Otto: Boston ist für Touristen und Geschäftsreisende gleichermaßen interessant. Insofern wollen wir auch beide Gruppen für unsere neue Verbindung ansprechen.

Flugplan von Austrian Airlines zwischen Wien und Boston ab April 2020.

AviationNetOnline: Mit wie vielen Prozent Umsteigern rechnen Sie für diesen Flug in Wien?

Andreas Otto: Wir erwarten in unserem Wiener Drehkreuz ein Verhältnis von 60 Prozent Transferpassagieren und 40 Prozent Lokalverkehr von und nach Boston. Dort werden die wenigsten Passagiere umsteigen, da es kaum Transfermöglichkeiten gibt, die zu unserem Flug passen. Passagiere hingegen, die von Boston über unseren Heimatflughafen Wien weiterreisen, haben eine Vielzahl an Möglichkeiten durch unser dichtes Netz in Zentral- und Osteuropa.

AviationNetOnline: Ist Boston und New England für die österreichische Wirtschaft wichtig?

Andreas Otto: Boston und dessen Umland gehören zu den größten und dynamischsten Wirtschaftsregionen der USA. Daher ist diese Region klarerweise sehr wichtig für österreichische Unternehmen.

AviationNetOnline: Wie viele Passagiere erwarten Sie auf dieser Strecke im ersten Jahr?

Andreas Otto: Wir erwarten rund 60.000 Passagiere auf dieser Strecke im kommenden Sommer 2020. Aktuell haben wir die Flüge ausschließlich im Sommerflugplan im Programm. Wir prüfen aber noch, ob wir das Angebot auf eine ganzjährige Verbindung ausweiten.

Austrian Airlines wird mit der Boeing 767 nach Boston fliegen (Foto: Thomas Ramgraber).

AviationNetOnline: Warum hat Miami eigentlich nicht funktioniert? Wäre es vielleicht besser gewesen, diese Strecke im Winter zu bedienen?

Andreas Otto: Miami hat trotz aller Bemühungen leider nicht das gewünschte Ergebnis gebracht. Daher haben wir zunächst von einer ganzjährigen auf eine saisonale Verbindung im Sommer umgestellt. Einerseits haben wir die Kapazitäten im Winterflugplan gebraucht, um Destinationen an der US-Ostküste aufzustocken und damit für Geschäftsreisende attraktiver zu machen. Das gilt zum Beispiel für New York. Andererseits hatte Miami zuletzt kein schlechtes Ergebnis im Sommer. Um weiterhin fliegen zu können, hätten wir allerdings eine Besserung sehen müssen, was leider nicht der Fall war. Deswegen haben wir jetzt gänzlich auf eine andere Destination umgeschichtet - und zwar Boston.

AviationNetOnline: Los Angeles dürfte ja auch immer wieder von der Einstellung bedroht gewesen sein - Wolfgang Jani hat das zuletzt im Interview mit AviationNetOnline angedeutet. Warum hat sich diese Destination nun doch durchgesetzt?

Andreas Otto: Los Angeles hat im vergangenen Sommerflugplan ein zufriedenstellendes Ergebnis gebracht. Deswegen bieten wir die Verbindung weiterhin im Sommer an.

Die im April 2019 aufgenommenen Montréal-Flüge laufen laut Andreas Otto besser als erwartet (Foto: Martin Metzenbauer).

AviationNetOnline: Wie laufen die restlichen Amerika-Verbindungen? Können Sie das selbst gesteckte Ziel (plus 10 Prozent gegenüber 2018) heuer voraussichtlich erreichen? 

Andreas Otto: Unsere Strecken nach Nordamerika laufen sehr gut. Von Jänner bis September 2019 hatten wir durch unsere Aufstockungen 14 Prozent mehr Kapazitäten im Programm als im Vorjahreszeitraum. Dieses zusätzliche Angebot konnten wir komplett absetzen. Die Passagierzahlen sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 15 Prozent gestiegen. Die 10 Prozent-Hürde übertreffen wir also auf jeden Fall. Die guten Ergebnisse zeigen, dass wir mit unserem Fokus auf Nordamerika richtigliegen. Boston passt hervorragend zu unserem restlichen Angebot. Daher sind wir überzeugt, dass auch diese Strecke gut laufen wird.

AviationNetOnline: Hat der neue Montreal-Flug den Erwartungen entsprochen? Wird es sich hier mit den prognostizierten 75.000 Passagieren ausgehen?

Andreas Otto: Die Passagierzahlen nach Montreal haben sich besser entwickelt als erwartet. Wir werden das Ziel von 75.000 Passagieren dieses Jahr jedenfalls übertreffen, was uns natürlich sehr freut.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

    Special Visitors

    Zimex Aviation / HB-ALN
    Vueling Airlines / EC-NAJ
    Lufthansa / D-AIHZ
    Rossiya Airlines / VQ-BAS
    Air China / B-2035
    Etihad Airways / A6-BLV
    TUI Airlines Belgium / OO-JAF

    Unsere Autoren

    Martin Metzenbauer

    Jan Gruber

    Michael Csoklich

    René Steuer

    Carlo Sporkmann