Aus, Schluss und vorbei: Germania wird abgewickelt

Investorenlösung gescheitert, Mitarbeiter werden gekündigt.

Boeing 737 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Die Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Germania durch einen Investor ist laut einer Mitteilung von Verwalter Rüdiger Wienberg gescheitert. Nun wird das Unternehmen endgültig stillgelegt und abgewickelt. Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die deutsche Ferienfluggesellschaft Germania jemals wieder abheben wird in den Nullkomma-Bereich. 

„Angesichts der Ausgangslage war es von Anfang an klar, dass eine Rettung extrem schwierig sein würde“, sagte Wienberg. „Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen. Trotzdem ist diese Nachricht natürlich enttäuschend. Wir haben buchstäblich den Interessenten den roten Teppich ausgerollt. Leider konnte oder wollte keiner darüber gehen.“ 

Doch es kommt noch heftiger, denn laut Erklärung des Insolvenzverwalters hat sich auch eine Standalone-Lösung für die beiden Technikbetriebe zerschlagen, denn die letzten beiden Bieter hatten sich zurückgezogen. Unbestätigten Gerüchten nach soll sich Easyjet für die Wartungsbetriebe interessiert haben. 

Laut Wienberg war die kurze Frist ausschlaggebend. Der Insolvenzgeldzeitraum wäre demnach viel zu kurz und Germania ist nicht in der Lage die Fortführung des Geschäftsbetriebs aus eigener Kraft zu finanzieren. „Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen, darüber zu entscheiden“, so Wienberg. „Zumal der Fall aufgrund des Groundings, der geleasten Maschinen und der entzogenen Betriebsgenehmigung  außerordentlich komplex war.“ Hinzu kommt für jeden Investor das Problem, in diesem Zeitraum die für eine Übernahme und Wiederaufnahme des Flugbetriebes notwendige Finanzierung zu organisieren.

Leasinggeber wollen ihre Flugzeuge zurück haben 

Auch geht der Verwalter nun davon aus, dass insbesondere auch aufgrund des Flugverbots für die 737-Max die Leasinggeber nun auch die letzten noch bei Germania verliebenen Flugzeuge zurückholen werden.  „Entsprechend schwierig war es, die Leasinggeber dazu zu bewegen, uns weiterhin die Flugzeuge zur Verfügung zu stellen – zumal wir die Leasingraten nicht bezahlen konnten“, erläuterte Wienberg.„Dass es vor diesem Hintergrund überhaupt gelungen ist, bis zuletzt die ernsthafte Option auf eine Rettung im Spiel zu halten, war ein Kraftakt, an dem vor allem auch die Germania Mitarbeiter einen maßgeblichen Anteil haben“, betonte der Insolvenzverwalter. „Sie haben mit großem Einsatz für den Erhalt von Germania gekämpft.“ 

Mitarbeiter werden nun gekündigt

Der Insolvenzverwalter ist nun gezwungen, die Stilllegung der insolventen Gesellschaften umzusetzen. Aus eigener Kraft sind die insolventen Germania-Gesellschaften nicht in der Lage, den Geschäftsbetrieb fortzusetzen bzw. wieder aufzunehmen. Das Insolvenzrecht erlaubt eine Fortführung nur, wenn sich daraus kein Nachteil für die Gläubiger ergibt, d.h. die Unternehmen kein Geld „verbrennen“. Das wäre aber bei einer Fortführung der Fall. Die insolventen Gesellschaften sind seit dem Grounding von jeglichen relevanten betrieblichen Einnahmen abgeschnitten. Die Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigungen und werden zusätzlich zum Anfang April freigestellt. 

Am 04. Februar 2019 hatten die Germania Fluggesellschaft mbH (1.426 Beschäftigte), die Germania Technik Brandenburg GmbH (178 Beschäftigte) sowie die Germania Flugdienste GmbH (74 Beschäftigte) einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Am 7. März 2019 musste auch die bulgarische Tochter Bulgarian Eagle beim Stadtgericht Sofia Insolvenz anmelden. Auch die Muttergesellschaft Germania Beteiligungsgesellschaft mbH und weitere Schwestern sind pleite.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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