AUA: Tage der Entscheidung

Am Mittwoch tritt der Aufsichtsrat der Fluglinie zur wahrscheinlich zukunftsbestimmenden Sitzung zusammen.

Headoffice von Austrian Airlines (Foto: Martin Metzenbauer).

Die Verhandlungen zwischen der österreichischen Regierung und Austrian Airlines bzw. der Lufthansa Group sind auch in der letzten Wochen intensiv weitergelaufen - und zwar aus gutem Grund: Zum einen wird wohl die Liquiditätssituation bis Ende Mai problematisch. Zum anderen läuft am Montag die Deadline für die Fortbestandsprognose der von der AUA bestellten Wirtschaftsprüfer von PwC aus.

Dass bereits am Anfang der Woche bekanntgegeben wird, wie der weitere Weg von Austrian Airlines aussehen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich. Erst am Mittwoch wird nämlich der Aufsichtsrat der Fluglinie zusammentreffen: Danach rechnet man mit einem entsprechenden "Flugplan" - oder als unerfreulichere Alternative - eine Landung in der Insolvenz.

"Beide Seiten bemühen sich"
Eventuell äußert sich aber zumindest schon die österreichische Bundesregierung im Vorfeld, ob die angesuchte Staatshilfe in Höhe von 767 Millionen bewilligt wird oder nicht. Diese gilt ja als "Conditio sine qua non" für den Fortbestand der 62 Jahre alten österreichischen Fluglinie. Gerade die Bedingungen - Stichworte: Standortsicherung und Beteiligung - für eine solche Unterstützung des Staates sind Verhandlungsthema. Vor ein paar Tagen hat Bundeskanzler Sebastian Kurz gegenüber dem "Handelsblatt" gesagt: "Wir sind in guten Gesprächen mit der Lufthansa. Es lässt sich noch nicht sagen, ob es hier noch zu einer Einigung kommt. Aber beide Seiten bemühen sich."

Zusätzlich erschwert dürften die Verhandlungen durch allerhand Begehrlichkeiten und Wünsche verschiedener Seiten werden: So verlangen beispielsweise Umweltschutzorganisationen wie "Global 2000", dass jede Menge ökologischer Bedingungen an eine solche Staatshilfe geknüpft werden - von zu streichenden Kurzstreckenflügen oder Flugabgaben von mindestens 100 Euro pro Flug liest man da.

Auf der anderen Seite fordert die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Verkehrsflughäfen (AÖV) die Forderung, auf Regionalairports und Kurzstreckenflüge nicht zu vergessen: "Diese Inlands- und innereuropäischen Zubringerflüge sind die Grundlage für Langstreckenverbindungen, denn sie sorgen mit ihren Umsteigepassagieren dafür, dass Langstreckenflüge ausgelastet sind – und damit überhaupt stattfinden können. 55 Prozent der Langstreckenpassagiere in Wien sind Umsteigepassagiere. Die Rechnung ist also einfach: Ohne Kurzstrecke gibt es keine Langstrecke!" heißt es in einem Statement der AÖV.

Sparen beim Crewessen
Mit im Boot beim Thema AUA sitzen natürlich auch die Belegschaftsvertreter: So erklärt sich das fliegende Personal bereit, in den nächsten Jahren auf 200 Millionen Euro zu verzichten. Diese Summe setzt sich einerseits auf den Gehaltsverlust durch Kurzarbeit und andererseits aus "Aussetzen von Inflationsabgeltungen, von kollektivvertraglichen Vorrückungen (bzw. wenn diese nicht vorhanden sind, aliquote Gehaltsreduktionen), Flexibilisierungen und Anpassungen der Flugdienstzeiten, Reduktion der freien Tage, Absenken der Beitragspensionszahlungen für dienst(jahr)ältere ArbeitnehmerInnen sowie mehrere kleinere Maßnahmen, welche sich auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag belaufen" zusammen, wie Rainer Stratberger, Vorsitzender des Betriebsrat Bord, gegenüber AviationNetOnline erklärte. So bieten die Belegschaften beispielsweise auch an, bei Hotelzimmerstandards, Frühstück in Hotels oder auch durch Verzicht auf Crewessen zu sparen.

Derzeit stehen die AUA-Flugzeuge geparkt am Flughafen Wien (Foto: Martin Metzenbauer).

Dafür, dass bezüglich des Weiterbestehens von Austrian Airlines eine Lösung gefunden wird, spricht sich auch die Pilotenvereinigung Austrian Cockpit Association (ACA) aus - nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung für den Standort: Zum einen gehe es um die 7.000 direkt bei Austrian Airlines Beschäftigten. Dazu kommen Zulieferer und Partner, wie der Flughafen Wien, Abfertigungsdienste oder die Flugsicherung und viele mehr. Laut Studien hängen in Österreich über 90.000 Arbeitsplätze direkt an der Luftfahrt.

Pilotenvereinigung befürchtet Dominoeffekt
Aber auch der Tourismus in Wien profitiert davon, dass ein großer der Gäste mit dem Flugzeug anreisen. "Der Flughafen Wien ist mit Austrian Airlines ein Hub, ein Verkehrsknotenpunkt mit starkem Umsteigeverkehr in alle Welt (75 Prozent des Kurzstreckenverkehrs ist Umsteigeverkehr). Ist dieser nicht mehr vorhanden, werden viele Unternehmen den Standort Wien verlassen, dorthin, wo sie eine bessere Anbindung haben, der Verlust von zahlreichen weiteren Arbeitsplätzen wäre somit vorprogrammiert. Niemand kann diesen Dominoeffekt ernsthaft wollen, wenn man nicht den Verlust von weiteren hunderttausenden Arbeitsplätzen verantworten will. Ein Unternehmen wie Austrian Airlines ist damit eine Infrastruktur, die man nur schwer ersetzen kann", heißt es in einem Statement der ACA.

Ohne Austrian Airlines werde es auch weiterhin Luftverkehr in Österreich geben. "Mit wahrscheinlich weniger Direktverbindungen, mindestens gleich viel Verkehr und noch mehr Schadstoffen über dem Bundesgebiet wie jetzt; eine Mehr-Belastung für die Bürgerinnen und Bürger ohne Gewinn, den machen dann München, Zürich, Budapest", liest man in der Stellungnahme der Pilotenvereinigung weiter.

"Ganz besonders in Zeiten des Klimawandels braucht die Luftfahrt nicht noch mehr Extrem-Billig-Tickets. Es braucht keine Airlines, die sich permanent in einem komplett außer Rand und Band geratenen Wettbewerb gegenüberstehen. Es braucht ein nachhaltiges, ökonomisch und ökologisch sinnvolles Transportsystem, das die Menschen, die es aufrechterhalten, fair behandelt. Alle am System beteiligten Stakeholder - Airlines, Mitarbeiter, Politik - sind aufgerufen, eine aktive Rolle in der Schaffung neuer Prosperität für eine nachhaltige Luftfahrt zu übernehmen!" erklärt Captain Isabel Doppelreiter, Präsidentin der ACA.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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