AUA-Sparkurs: Vida kritisiert Wirtschaftskammer heftig

Regierung habe Ticketsteuer bedingungslos gesenkt.

Foto: Peter Unmuth.

Die ÖGB-Teilgewerkschaft Vida ortet im Zusammenhang mit dem geplanten Austrian-Airlines-Sparprogramm die Wirtschaftskammer Österreich als erheblich mitverantwortlich. Die jahrelange Weigerung einen allgemeinverbindlichen Branchenkollektivvertrag abzuschließen habe die momentane Situation maßgeblich herbeigeführt.

Hintergrund ist, dass Austrian Airlines im Wettbewerb mit Billigfluggesellschaften wie Lauda, Wizzair, Vueling, Easyjet und Anisec erheblich unter Druck geraten ist. Die Konkurrenten bieten zahlreiche Europa-Verbindungen zum Teil erheblich günstiger an, was letztlich auch zu einer Abwanderung von Kunden führt und in der Folge daraus auch Austrian Airlines die Ticketpreise aus den betroffenen Routen senken muss. Da sich auf der Kurz- und Mittelstrecke die Produkte von Lowcostern und Austrian Airlines in den Basistarifen kaum unterscheiden, ist der Preis das Kernkriterium bei der Buchung.

Vida geht davon aus, dass die Lufthansa-Tochter nun rund 500 Beschäftigte abbauen wird. Dazu Fachbereichsvorsitzender Daniel Liebhart: „Diese Katastrophe war absehbar. Dass es soweit kommen musste, dafür ist die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) zum Gutteil mit in die Verantwortung zu ziehen. Sie hat seit Jahren Sozialpartnerverhandlungen über einen Branchen-Kollektivvertrag für die Airlines mit Heimatbasen am Flughafen Wien verweigert und die WKÖ-Standortpolitik an die ausländischen Vorstandsetagen diverse Airlines delegiert. Dass es am Flughafen Wien stationierte Airlines mit Dumping-Lohn-Leiharbeitsverträgen um 1.130 Euro brutto im Monat oder Fluglinien ohne Betriebsrat und Kollektivvertrag, die eine Flugbegleiterin gerade einmal mit einem garantierten Monatsgehalt von 1.000 Euro brutto abspeisen, gibt, das geht ganz klar auf das Konto der verfehlten WKÖ-Politik“.

Doch nicht nur die Wirtschaftskammer wird heftig kritisiert, sondern auch die Politik. So wurde die Ticketsteuer ohne Bedingungen reduziert, wobei es damals erheblichen Druck seitens der Lufthansa Gruppe gegeben haben soll. Ohne die Reduktion wäre eine weitere Entwicklung der Austrian-Airlines-Langstrecke nicht möglich, hieß es damals. Eine Erneuerung der AUA-Long-Haul-Flotte ist bis dato nicht erfolgt. Vida kritisiert, dass die Steuersenkung an keinerlei Bedingungen für die Branche geknüpft wurde.

„Es wurde aber auch verabsäumt, nationale Spielregeln vorzugeben. Unter der letzten Bundesregierung wurde bedingungslos die Ticketabgabe gesenkt. Diese Senkung hätte nur für jene Unternehmen erfolgen dürfen, die sich auch an vordefinierte Sozialkriterien halten“, so Daniel Liebhart. „Es ist klar, dass Airlines wie etwa die AUA, die faire Löhne nach Kollektivvertag bezahlen, im Wettbewerbsgemetzel der Billigflieger und Lohndrücker immer mehr unter Druck kommen. Hier ist insbesondere die WKÖ aufgefordert, unfaire Wettbewerbsbedingungen nicht weiter zu hegen und zu pflegen, sondern mit der Gewerkschaft endlich faire Spielregeln zu etablieren. Dazu gehört auch ein Branchen-KV für das in Österreich stationierte fliegende Personal. Oder will sie lieber erneut die Verantwortung für neue Dumpingverträge außerhalb des österreichischen Rechtsrahmes und weitere Arbeitsplatzvernichtung in Österreich übernehmen?“.

 

 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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