AUA-Rettung unter Zeitdruck

In den nächsten zwei Wochen muss eine Lösung gefunden werden - sonst droht Austrian Airlines die Insolvenz.

In den nächsten Tagen entscheidet sich das künftige Schicksal von Austrian Airlines (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Versuche zur Rettung von Austrian Airlines gehen nun in eine besonders kritische Phase - und zwar aus zwei Gründen: Zum einen haben die Wirtschaftsprüfer von PwC der AUA eine Deadline bis 18. Mai 2020 gesetzt - bis dahin müssen für eine grundsätzlich positive Fortbestandsprognose handfeste Verhandlungsergebnisse stehen. Zum anderen dürfte aber auch hinsichtlich der Liquidität der österreichischen Lufthansa-Tochter Feuer am Dach sein: Diese soll laut internen Informationen nur noch bis längstens Ende Mai reichen. Die Zeit drängt also massivst, um einem Gang zum Konkursrichter noch auszuweichen.

Das wissen natürlich sowohl die Leitungs- als auch die Aufsrichtsorgane - so waren am Mittwoch die Neustart-Pläne der AUA Thema einer Sitzung von Vorstand und Aufsichtsrat: Laut Medienberichten, die sich auf die APA stützen, wolle man die Kurzarbeit so lange wie möglich aufrechterhalten. Abgesehen davon sollen bis 2023 rund 1.100 Jobs abgebaut werden und die Gehälter um 13 Prozent sinken. Ob diese Pläne überhaupt noch greifend werden, ist aber alles andere als klar: Der Vorstand soll jedenfalls vom Aufsichtsgremium instruiert worden sein, das Unternehmen auf Alternativszenarien vorzubereiten. Dazu gehört auch der Weg in die Insolvenz.

Auf solche Alternativen muss man sich unabhängig von etwaigen Neustart-Plänen dann einstellen, wenn die 767 Millionen Euro Staatshilfe Austrian Airlines nicht gewährt werden. Zuletzt hat ja Bundeskanzler Sebastian Kurz klar gemacht, dass es eine solche Unterstützung "ohne Vorteile für den Standort Österreich ohne eine Beteiligung an der Lufthansa" nicht geben werde. Aber auch wenn der Staat unter die Arme greift, kostet dies der AUA über die nächsten Jahre viel Geld - die Staatshilfe dürfte ja unter anderem aus der Absicherung von Krediten bestehen, die ja letztlich vom Unternehmen bedient werden müssen.

Dazu, was im Falle einer AUA-Insolvenz tatsächlich passieren würde, gab es in den letzten Tagen bereits einige Überlegungen und noch mehr Phantasien. Interesse von anderen Airlines an einer Beteiligung am Markt Österreich scheint jedenfalls vorhanden - so sollen Etihad und die IAG bereits angeklopft haben. Wer sich allerdings vorstellt, dass eine Insolvenz der AUA gleich schmerzlos in eine schnelle Neugründung münden wird, sollte sich von Gerüchten nicht täuschen und blenden lassen.

Auch wenn es momentan teilweise sehr "in" ist, auf eine teure Rettung von Austrian Airlines oder überhaupt auf den Lufthansa-Konzern zu "bashen", so steht in den Sternen, was stattdessen konkret kommen könnte. Fakt ist jedenfalls: Jeder eventuelle neue Partner - ein österreichischer Airline-Alleingang hat sich ja nie wirklich bewährt - wird zuerst seine Eigeninteressen (genauso wie in den letzten zehn Jahren der Lufthansa-Konzern) wahren. Und ob diese mit den Standortinteressen für Österreich kompatibel sind, muss man beurteilen.

Vorerst heißt es aber einmal abzuwarten - allerdings nicht mehr lang. Die Entscheidung "pro oder contra" einer Staatshilfe und damit für oder gegen das Überleben von Austrian Airlines in der jetzigen Form muss in den nächsten Tagen fallen.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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