Anschober: "Mindestabstand darf in Öffis unterschritten werden"

Erklärung des Gesundheitsministers könnte auch Auswirkungen auf die Luftfahrt haben.

Flughafen Wien (Foto: www.AirTeamImages.com).

Seit mehreren Wochen betont die österreichische Bundesregierung immer wieder die Wichtigkeit der Abstandsregeln im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Allerdings gibt es auch Örtlichkeiten, an denen die Einhaltung ganz schön schwierig werden kann. Dies kann beispielsweise in Supermärkten mit sehr schmalen Gängen sein, aber insbesondere auch in öffentlichen Verkehrsmitteln während der Stoßzeiten. Bundesgesundheitsminister Rudolf Anschober erklärte nun, dass der Ein-Meter-Mindestabstand in den „Öffis“ künftig auch unterschritten werden kann.

Immer wieder werden Zweifel daran geäußert, dass in der Luftfahrt die Mindestabstände umsetzbar sind. Derzeit kursieren verschiedenste Überlegungen, die durchaus kontrovers diskutiert werden. So gibt es Vorschläge, die Plexiglas-Scheiben rund um die Sitze beinhalten, aber auch das Freilassen des Mittelsitzes. Die größte Herausforderung dürfte allerdings anderswo liegen, denn bei der Sicherheitskontrolle, beim Boarding, beim Deboarding und beim Anstellen für polizeiliche Passkontrollen konnte es in der Vergangenheit oftmals sehr eng werden.

Während es am Airport selbst mittels Markierungen und Personal, das auf die Einhaltung der Abstände achtet, einfacher sein dürfte, wird es in der Phase des Ein- und Aussteigens in der Kabine schon komplizierter. Die praktischen Erfahrungen haben einfach bisher gezeigt, dass jedes System, das von Airlines ausgeklügelt wurde, in der Praxis nicht viel bringt, denn es setzt sich letztlich das „Chaos-Boarding“ durch, denn viele Flugreisende wollen so schnell wie möglich ins Flugzeug und dieses möglichst rasch wieder verlassen. Das heißt, dass die Einhaltung der Abstandsregeln nur dann funktionieren kann, wenn sich die Reisenden sprichwörtlich an der Nase nehmen und diszipliniert und geordnet Reihe für Reihe Ein- und Aussteigen.

Die Branche rechnet derzeit mit geringer Nachfrage, was bei der Einhaltung der Abstandsregeln positiv in die Hände spielen dürfte. Beispiel: Wenn in einem Airbus A320, der über 180 Sitze verfügt, nur 50 Passagiere ein Ticket gekauft haben und fliegen, ist naturgemäß deutlich mehr Platz und Boarding und Deboarding gestalten sich dann viel „luftiger“. Die mangelnde Nachfrage könnte der Luftfahrt nach der Öffnung der Grenzen zumindest vorläufig in die Karten spielen und das ganz unabhängig davon, ob man eine Maske tragen muss oder nicht. In Österreich wäre das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ohnehin verpflichtend.

Problematischer gestaltet sich die Einhaltung der Abstandsregeln im Alltag, denn in Bussen, Straßenbahnen, U-Bahnen, Schnellbahnen, Regional- und Fernzügen sind die räumlichen Gegebenheiten ebenfalls begrenzt und insbesondere zu den Stoßzeiten herrscht eine hohe Nachfrage. Gesundheitsminister Rudolf Anschober rechnet auch damit, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Zukunft wieder deutlich häufiger genutzt werden. Auch hier wäre es eine Frage der Disziplin gegebenenfalls die nächste U-Bahn abzuwarten, in der dann hoffentlich mehr Platz ist, aber Österreich besteht eben nicht nur aus Wien. Besonders auf dem Land werden der ÖBB-Postbus und andere Überlandlinienbetreiber auf jenen Strecken, auf denen Schüler befördert werden, vor großen Herausforderungen stehen. Denn: Auf dem Land ist es nicht so einfach den nächsten Bus abzuwarten, denn dieser kommt möglicherweise erst einige Stunden später und der Schüler würde nicht pünktlich zum Unterricht erscheinen. Anders ausgedrückt: Die Aussage des Gesundheitsministers, dass in den „Öffis“, zu denen nunmal auch Linienverkehrsflugzeuge zählen, der Mindestabstand unterschritten werden darf, ist ein Eingeständnis an die Realität, dass in der Personenbeförderung nicht immer alles wie auf dem Papier vorgesehen möglich ist und in der Praxis, insbesondere bei im Schienen- und Straßenverkehr, auch nicht wirklich kontrollierbar ist. Es wird also viel auf die Eigendisziplin der Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel ankommen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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