Andreas Gruber: „Lauda ist genauso österreichisch wie die AUA“

Geschäftsführer der österreichischen Ryanair-Tochter Lauda im Interview.

Andreas Gruber ist Geschäftsführer bei Lauda (Foto: Jan Gruber).

Der Geschäftsführer der österreichischen Fluggesellschaft Lauda erklärt im Gespräch mit AviationNetOnline warum Lauda seiner Meinung nach genauso österreichisch ist wie der Mitbewerber Austrian Airlines und wie der Carrier weiter wachsen will.
 
Weiters bezieht der Manager zu aktuellen Vorwürfen wie Leiharbeit, Krankenstände und Ausgliederung des Technikbetriebs Stellung und erklärt warum diese Schritte gesetzt werden. Die geplante Erhöhung der Ticketsteuer bezeichnet Andreas Gruber als „ärgerliches Thema für die gesamte Branche“. Die Betriebsratswahl wurde zwischenzeitlich von Lauda gerichtlich angefochten, wie AviationNetOnline berichtet.

AviationNetOnline: Am vergangenen Montag wurde mitgeteilt, dass Lauda die 10-millionste Buchung seit März 2018 bekommen hat. Wie haben Sie es geschafft mit einer von Niki übernommen Flotte, die bereits ausgeflottet wurde, bis heute so schnell zu wachsen?

Andreas Gruber: Unser rasanter Wachstumskurs, den das ganze Unternehmen mitträgt und insbesondere auch unser Partner Ryanair, der uns unterstützt, und wir als Teil Europas größter Luftfahrtgruppe haben es geschafft, dieses Wachstum zu generieren. Wir konnten unsere Flotte von neun eigenen Flugzeuge auf mittlerweile 23 eigene Flugzeuge, die wir nächstes Jahr auf 38 ausbauen werden, erweitern. Mit diesen A320 sind wir mit einer sehr hohen Auslastung von 96 Prozent unterwegs und das ist ein Wert, der in der Branche seinesgleichen sucht.

AviationNetOnline: Liegt die hohe Auslastung an den vielen 9,99-Euro-Tickets?

Andreas Gruber: Das ist eine Kombination aus einem sehr guten Angebot, der Destinationen und einem guten Service an Bord. Und ja natürlich, mit sehr attraktiven Preisen, die wir unseren Passagieren bieten um wirklich komfortabel von A nach B zu reisen, hat dies natürlich auch viel zu tun.

AviationNetOnline: Auf jedem Flug gibt es eine gewisse No-Show-Quote. Kurz gesagt: aus den verschiedensten Gründen treten Passagiere ihre gebuchten und bereits bezahlten Flüge nicht an. Da Ryanair jedoch keine Taxen ausweist und eine Erstattung der Taxen besonders kompliziert macht, tun sich das gerade bei 9,99-Euro-Tickets nur wenige an. Wir haben berechnet, dass bei einer zehnprozentigen No-Show-Quote unter der fiktiven Annahme, dass es sich ausschließlich um 9,99-Euro-Tickets handelt, ein saftiger Millionenbetrag pro Jahr zusammenkommt. Wenn ein Passagier mit einem solchen Ticket es gar nicht antritt, verdient Lauda Geld, wenn er fliegt und nichts dazu kauft und auch für einen Kaffee an Bord zu geizig ist, zahlt Lauda schon allein bei den Taxen kräftig drauf. Verdient Lauda also besser an No-Shows, die Greta Thunberg sympathisch sein könnten?

Andreas Gruber: Wir wollen natürlich, dass unsere Fluggäste ihre Reise antreten und so sicher und gemütlich von A nach B fliegen können. Wir wollen keine Tickets für Flüge verkaufen, die nicht angetreten werden.

A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

AviationNetOnline: Ein Mitbewerber namens AUA sprach dieser Tage bei einer Pressekonferenz über eine Billigfliegerschwemme und diese würde die AUA kaputt machen. Es würden sich viele ausländische Anbieter breitmachen. Lauda ist ein österreichisches Unternehmen mit irischer Eigentümerschaft, die AUA ein österreichisches Unternehmen mit deutscher Eigentümerschaft. Wer von beiden ist jetzt eigentlich ein österreichisches Unternehmen?

Andreas Gruber: Es sind beide Unternehmen österreichisch. Wir setzen auf den Standort Wien und bekennen uns zu unseren österreichischen Wurzeln. Wir stehen zu unserem Standort und wollen an diesem massiv ausbauen. Österreichische Gastfreundlichkeit und österreichischer Charme sind gerade hier in Österreich ein wichtiger Wachstumstreiber und das betrifft insbesondere auch die Wirtschaft und den Tourismus.

AviationNetOnline: Österreich besteht aber nicht nur aus Wien und Salzburg. Im Sommerflugplan 2019 werden Sie auch die Route Klagenfurt-Palma fliegen. Warum haben Sie sich für Klagenfurt entschieden? Fließen da Subventionen?

Andreas Gruber: Nein, es fließen keinerlei Subventionen. Wir haben einfach mit dem Flughafen Klagenfurt gute Gespräche geführt, denn dort besteht unserer Ansicht nach eine Unterversorgung an Feriendestinationen. Generell glaube ich, dass Klagenfurt momentan unterversorgt ist und in dem Flughafen viel Potential steckt, das langsam reaktiviert werden kann. Dazu kommt, dass sich auch im Einzugsgebiet das Angebot in Grenzen hält, denn beispielsweise in Ljubljana ist der Luftverkehr nach der Pleite von Adria Airways ziemlich zusammengebrochen. Dementsprechenden war diese Entscheidung noch besser. Für uns und Klagenfurt ist das super, weil wir fliegen den Airport von unserer Basis Palma aus an.

AviationNetOnline: Das wäre doch auch etwas, was man für Graz, Linz und Innsbruck umsetzen könnte?

Andreas Gruber: Auch hier gibt es mit den Airports Gespräche, zu denen ich momentan aufgrund der Vertraulichkeit mit den Flughäfen noch keine näheren Einzelheiten nennen kann. Soviel sei aber gesagt: Potential und Bedarf gibt es definitiv überall.

AviationNetOnline: Eurowings Europe wird sich defacto aus Wien zurückziehen und künftig ACMI-Dienstleistungen für Austrian Airlines fliegen. Kürzlich wurde während einer AUA-Pressekonferenz in einer Präsentation dargestellt wie viele Maschinen von Billigfluggesellschaften in Wien stationiert sind oder aber die Stadt anfliegen. Jene von Eurowings wurden nicht genannt. Haben Sie als Mitbewerber eine Erklärung für das „Vergessen“ der Lufthansa-Billigtochter?

Andreas Gruber: Eurowings ist doch gar kein Lowcostcarrier, denn einerseits haben sie keine günstigen Kostenmodelle und andererseits bieten sie auch keine günstigen Tickets an. Meiner Meinung nach ist die Veränderung weg von Eurowings hin zu Austrian Airlines eine Reaktion auf die Veränderungen auf dem Markt. Unser rasantes Wachstum und auch die Expansion unseres Mitbewerbers Wizzair haben für viel Wettbewerb in Wien gesorgt und das ist auch gut so. Man darf nicht vergessen, dass wir im nächsten Jahr 19 Flugzeuge in Wien stationiert haben werden und mit diesen über 80 Destinationen ab Wien anfliegen werden. So viele Ziele haben wir zur Zeit von „Flyniki“ nie ab Wien angeflogen. Der Markt reagiert auf günstige Angebote und das setzt natürlich auch die Lufthansa Group mit ihren Töchtern Eurowings und Austrian Airlines unter Zugzwang. Mit Eurowings weicht man jetzt auf andere Flughäfen, beispielsweise Salzburg aus.

AviationNetOnline: Laut AUA sind ja Billigflieger wie Lauda schuld daran, dass man wieder Verluste einfliegt. Wie sehen Sie das?

Andreas Gruber: Was bei der AUA genau falsch läuft kann ich natürlich nicht kommentieren, weil ich deren Probleme nicht kenne. Offensichtlich ist aber, dass die AUA erkannt hat, dass sie unter Zugzwang ist, denn je mehr Präsenz wir in Wien zeigen, desto mehr Strecken, die vormals von der AUA regelrecht kontrolliert wurden, werden günstiger. Die reagieren mit niedrigeren Ticketpreisen auf unsere Angebote und werden günstiger. Ein interessantes Beispiel sind die hochpreisigen Österreich-Deutschland-Strecken, wo zum Beispiel nach Stuttgart die Preise nach unserem Markteintritt massiv gesunken sind. Auch in Richtung Köln/Bonn und Düsseldorf ist ähnliches zu bemerken, seit wir Münster/Osnabrück aufgenommen haben bzw. Wizzair Köln/Bonn angekündigt hat. Aber auf Wien-Frankfurt, Wien-München und teilweise auch Wien-Düsseldorf und anderen Deutschland-Strecken verlangt die AUA immer noch regelrechte Höchstpreise und sollten wir oder Wizzair auf die Routen gehen, werden die Preise ganz schnell fallen. Der Wettbewerb wirkt sich natürlich auf die Einnahmen der AUA aus, doch muss es sein, dass astronomische Preise genommen werden?

A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

AviationNetOnline: Sichwort Deutschland: Was wird denn ab 1. April 2019 das billigste Angebotsticket ab Deutschland kosten?

Andreas Gruber: Wir haben ständig Preisaktionen. Wir starten meistens die Ticketpreise mit 19,99 Euro, aber wir haben immer wieder zwischendurch gute Angebot mit Tickets ab 9,99 Euro sowie zum Teil auch ab 5 Euro.

AviationNetOnline: Heißt das, dass Lauda 1. April die erhöhte Luftverkehrssteuer in Deutschland draufzahlen wird, denn diese wird auf über 13 Euro angehoben?

Andreas Gruber: Ja. Das ist momentan ein ärgerliches Thema für die ganze Branche.

AviationNetOnline: Wie steht Lauda eigentlich generell zu den Plänen der deutschen Regierung? Mit den Einnahmen soll teilweise die Bahn quersubventioniert werden. Weiters sind Transitpassagiere von Netzwerkcarriern ausgenommen, so dass der Point-to-Point-Verkehr stärker belastet wird als der Netzwerk-Verkehr.

Andreas Gruber: Natürlich kommt diese Erhöhung den klassischen Legacycarriern zu Gute. In meinen Augen ist es ein Wahnsinn, dass die Transitpassagiere ausgenommen werden, denn genau das sind jene Passagiere, die das meiste CO2 verursachen und zwar auch ganz ohne Deutschland, denn diese generieren dort obendrein keine Einnahmen. Die CO2-Bilanz von Point-to-Point-Carriern ist wesentlich besser, weil ohne Umwege von A nach B geflogen wird. Wir sehen das auch als eine indirekte Subvention für den so genannten „nationalen Champion“ Deutschlands.

AviationNetOnline: Der amerikanische Branchenverband Airlines4America kündigte bereits eine Beschwerde bei der EU-Kommission an. Selbst Flixbus will gegen das Gesetz vorgehen, da man sich gegenüber der Bahn diskriminiert fühlt. Ryanair klagt doch auch gerne. Gibt es entsprechende Pläne in der Ryanair Group gegen die Steuererhöhung in Deutschland vorzugehen.

Andreas Gruber: Wie jede andere betroffene Airline auch beobachten wir die Entwicklungen sehr genau und evaluieren rechtliche Schritte. Zum heutigen Tag ist aber noch keine Entscheidung gefallen, ob wir vor Gericht ziehen werden oder nicht, da das Gesetz noch nicht einmal rechtskräftig ist. Ausschließen kann ich es aber ausdrücklich nicht, möglicherweise wird die Ryanair Group klagen.

AviationNetOnline: Ursprünglich wurde die österreichische Ticketsteuer nahezu 1:1 als Blaupause aus Deutschland übernommen. Nun bahnt sich an, dass in Österreich auch Befürworter dieser Steuer in die Regierung einziehen könnten. Die Grünen fordern schon lange, dass die Ticketsteuer in Österreich drastisch erhöht werden soll. Würde Lauda dann die Expansion abblasen, wenn die erst vor gar nicht so langer Zeit gesenkte Steuer erhöht wird?

Andreas Gruber: Auch hier sind wir mit sämtlichen Stakeholdern in Österreich in engem Kontakt. Wir würden hier natürlich Gespräche suchen und dann entsprechend darauf reagieren. Wie wir konkret reagieren würden, wissen wir noch nicht, da sich die Frage hoffentlich gar nicht stellen wird.

AviationNetOnline: Stichwort Stakeholder. Vor ein paar Wochen wurde ein neuer Lauda-Betriebsrat gewählt und prompt kündigte Ihr Chef, Michael O’Leary an, dass die Wahl nicht anerkannt wird und der Betriebsrat einfach ignoriert wird. Die Wahl hat Lauda aber nun innerhalb der Frist angefochten. Wie kam es denn dazu?

Andreas Gruber: Da gibt es gleich mehrere Gründe, die unsere Entscheidung, die Wahl zu ignorieren, rechtfertigen. Erstens: Ex-Mitarbeiter, die nicht mehr in unserem Unternehmen tätig sind, haben sich entschlossen zum Betriebsrat zu kandidieren und an der Wahl teilzunehmen. Das geht einfach nicht. Weiters wurden einige formale Fehler begangen, obwohl wir gesagt haben, dass wir dahinterstehen. Wir sind mit dem Wahlkomitee in enger Abstimmung und unterstützen dieses. Wir werden eine Lösung finden und so rasch wie möglich eine Neuwahl, die dann von uns anerkannt wird, durchführen.

AviationNetOnline: Alle Neueintritte werden ohnehin bereits über Crewlink beschäftigt. Niki Lauda hat doch beschlossen, dass es mit dem KV-Abschluss keine Leiharbeit mehr geben wird und nun kommt sie wieder. Warum?

Andreas Gruber: Um uns als Arbeitgeber auch mehr Flexibilität zu geben und weil es eine sehr rasant wachsende Branche ist und uns dieses Arbeitskonstrukt mehr Flexibilität ermöglicht. Die Hauptmessage zu diesem Thema ist ganz klar: Es gibt keine Unterschiede zwischen Mitarbeitern mit Crewlink-Verträgen und jenen mit Lauda-Verträgen. Diese unterliegen österreichischem Recht und es werden in Österreich Steuern bezahlt. Das Gehalt ist 1:1 das gleiche, das Lauda-Mitarbeiter bekommen und diese ganzen Vorwürfe mit 900 Euro und weniger Gehalt sind einfach aus der Luft gegriffen. Es gibt keinen Unterschied, ob direkt bei Lauda oder bei Crewlink angestellt.

AviationNetOnline: Noch mehr Flexibilität? In Österreich kann unbefristet angestelltes Personal ohne Angaben von Gründen gekündigt werden. Es bedarf keinem Kündigungsgrund, den man in Deutschland beispielsweise braucht. Wozu also Leiharbeit, denn wenn ein Mitarbeiter auf gut Deutsch gesagt nichts taugt, kann man diesen auch so kündigen.

Andreas Gruber: Die Anzahl an Arbeitsplätzen, welche wir schaffen, ist von der Anzahl an betriebenen Flugzeugen abhängig. Wenn wir daher auf die veränderte Marktstruktur Rücksicht nehmen müssen, dann kann es sein, dass wir wo anders mehr Flugzeuge brauchen und die Leute dann in diesem Fall mit dem Flugzeug mitwandern.

AviationNetOnline: Und das wäre mit einer Direktanstellung nicht möglich?

Andreas Gruber: Das wäre deutlich schwieriger.

AviationNetOnline: Hängt das mit dem Lauda-Kollektivvertrag zusammen?

Andreas Gruber: Nein, das hängt nicht mit dem KV zusammen, weil die Crewlink-Arbeitsverhältnisse ebenfalls dem Lauda-Kollektivvertrag unterliegen. Wir können aber über Crewlink nochmals Synergien innerhalb der Ryanair Group nutzen und haben daher dieses Konstrukt geschaffen, um mehr Flexibilität zu haben.

Lauda-Zentrale in Schwechat (Foto: Jan Gruber).

AviationNetOnline: Lauda steht immer wieder in öffentlicher Kritik aufgrund von „Drohbriefen“ wegen Krankenständen. Warum machen Sie das? Was hat es damit auf sich?

Andreas Gruber: Wie alle Arbeitgeber analysiert und managet Lauda die geringe Anzahl von Fällen übermäßiger, wiederholter und / oder verdächtiger Abwesenheiten, z. B. solche, die unmittelbar vor oder nach Off Tagen oder dem Jahresurlaub wiederholt auftreten. Drohbriefe werden von uns nicht ausgesendet.

AviationNetOnline: Warum wird der Lauda-Technikbetrieb ausgegliedert? Was ändert sich für die betroffenen Mitarbeiter?

Andreas Gruber: Seit der Übernahme durch unsere Mutter Ryanair, wurde die Lauda Flotte von 9 älteren Lufthansa-Flugzeugen durch eine Flotte von 23 jüngeren A320-Flugzeugen ersetzt, die diesen Sommer alle nach strengen Wartungsregulativen ausgeliefert wurden. So konnte die Pünktlichkeit gesteigert und Verspätungen aufgrund geringer technische Defekte reduziert werden, weshalb sich die Pünktlichkeit von uns im Jahr 2019 gegenüber der schlechten Leistung im Jahr 2018 deutlich verbessert hat. Wir haben viel in unsere technischen Einrichtungen investiert, darunter zum Beispiel in den  Kauf von 5 Ersatztriebwerken (Kosten von über 40 Millionen U.S.-Dollar. Um weitere Synergien bestmöglich zu nutzen, ist es geplant, unseren Wartungsbetrieb mit Ende des Jahres in die Ryanair Group einzugliedern. Die Bezahlung, Dienstpläne, Arbeitsplatzsicherheit für die Angestellten und der Zugang zu Ersatzteilen und Engineering-Dienstleistungen wird dadurch deutlich verbessert.

AviationNetOnline: Es wurden im Winterflugplan 19/20 einige neue Routen aufgenommen und im Sommer kommen nochmal 32 dazu, unter anderem Beirut. Warum hat sich Lauda für diese Destination entschieden und wie lange hat es gedauert, bis die Verkehrsrechte zugeteilt wurden, also sozusagen ab dem ersten Antrag?

Andreas Gruber: Beirut habe ich schon lange im Kopf und das war schon immer eine Destination, die ich persönlich aufnehmen wollte, weil der Markt und die Destination sehr spannend sind. Wir haben auch eine große libanesische Community in Österreich und die Strecke wurde nicht bedient. Das ist auch ein weiterer Vorteil für den Flughafen Wien, der nun diese Destination im Portfolio hat und deswegen rechnen wir uns hier sehr gute Chancen aus und wenn man sich die Vorausbuchungen anschaut, sind wir hier auf einem sehr guten Weg.

AviationNetOnline: Oder eher ein Schachzug gegen die AUA, denn diese kann sich die Aufnahme mangels Streckenrechten nun abschminken?

Andreas Gruber: Das ist kein Schachzug, sondern einfach eine kommerzielle Entscheidung. Der AUA wäre es doch genauso freigestanden sich für die Strecke zu entscheiden, was aber nicht passiert ist. Wir haben diese Chance beim Schopf gepackt und die Verkehrsrechte beantragt. Dies haben wir auch sehr schnell bekommen, denn die Behörden haben auf beiden Seiten gute Arbeit geleistet. Beirut ist daher schon im Verkauf.

A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

AviationNetOnline: Was ist die Zielgröße von Lauda, die in den nächsten Jahren an den Bases Wien, Düsseldorf und Stuttgart erreicht werden soll?

Andreas Gruber: Unser ganz klares Ziel ist, dass wir auf den vier Basen, die wir unterhalten, mindestens die Nummer Zwei werden. In Palma de Mallorca sind wir gemeinsam mit Ryanair schon jener Airlinekonzern, der die meisten Flüge anbietet. In Wien und Düsseldorf sind wir schon die Nummer Zwei und in Stuttgart arbeiten wir noch hart daran. Wir werden unser Angebot weiter steigern und nur die beschränkte Anzahl von Slots kann uns aufhalten, aber da ergibt sich immer wieder was.

AviationNetOnline: Michael O’Leary sagte, dass es das Ziel ist die AUA hinsichtlich der Passagierzahlen zu überholen. Bis wann soll dieses Unterfangen gelingen?

Andreas Gruber: Wir wollen ganz klar Österreichs Airline Nummer Eins werden. Wir rechnen nächstes Jahr mit 10 Millionen Passagieren, die AUA hat 13,9 Millionen Passagiere und die noch fehlenden 3,9 Millionen Passagiere wollen wir in den nächsten fünf Jahren auch erreichen.

AviationNetOnline: Im Sommerflugplan 2020 werden ab Wien über 80 Destinationen angeboten und im Winterflugplan 2020 dann mehr als 100?

Andreas Gruber: Richtig, wir schauen uns permanent unser Streckennetz an und sind im engen Kontakt mit Airports in ganz Europa. Wenn sich Chancen für uns ergeben, werden wir diese auch nutzen.

AviationNetOnline: Wozu braucht Lauda eigentlich in Palma 11 Flugzeuge?

Andreas Gruber: In Palma brauchen wir so viele Flugzeuge, weil der Markt sehr stark ist und auch sehr wichtig für uns ist. Außerdem führen wir auch Wetlease Services für unseren Partner Ryanair von dort aus durch.

AviationNetOnline: Wozu benötigt eine Airline wie Ryanair die weit über 400 Flugzeuge hat, Wetlease Services von Lauda?

Andreas Gruber: Es gibt bei einem neuen Flugzeug aus der Boeing-Familie Lieferprobleme und da hilft man sich um den Wachstumskurs aufrecht zu erhalten. Deswegen gibt es auch eine Gruppe, in der man zusammenarbeitet und sich gegenseitig hilft.

AviationNetOnline: Michael O’Leary sagte vor ein paar Wochen, dass das Thema A320neo erstmal auf die lange Bank geschoben ist, unter anderem wegen längeren Lieferslots. Und weiters meinte er, dass die Maschinen, die momentan geleast werden, so günstig sind, dass man sie günstiger betreiben könnte als neue Flugzeuge. In diversen Rundschreiben wird aber immer wieder geschrieben, dass Wizzair niedrigere Kosten in Wien hätte als Lauda. Wie passt das zusammen?

Andreas Gruber: Ich weiß nicht welche Rundschreiben Sie meinen, aber wir müssen generell unsere Kostenführerschaft unterstreichen. Und das heißt natürlich auch, dass wir unsere Kosten im Blick haben sowie noch günstiger werden müssen. So explizit bin ich dabei nicht auf Wizzair eingegangen. Nichts desto trotz konnten wir massive Reduktionen bei den Leasingkosten für die Flugzeuge erzielen. Die Kosten gingen gegenüber den von Lufthansa geleasten Maschinen um etwa 50 Prozent zurück und das ist auch unser größter Kostenblock.

AviationNetOnline: Zwei Maschinen zum Preis von einer? Klingt ja zu schön, um wahr zu sein. Heißt das, dass der Betrieb der älteren Flugzeuge tatsächlich günstiger kommt als jener fabrikneuer A320neo?

Andreas Gruber: Ja, denn A320neo würden uns derzeit deutlich teurer kommen. Dazu kommt, dass man derzeit kurzfristig keine bekommt. Diese können frühestens in den Jahren 2023/2024 ausgeliefert werden und bis dahin können wir mit unseren ceos weitermachen.

AviationNetOnline: Stichwort „Flugscham“. Wie stehen Sie dazu?

Andreas: Auch wir verzeichnen zum Glück immer einen Passagierzuwachs, der uns sehr erfreut. Wir haben im Moment auch keinen Einbruch an Nachfrage zu verzeichnen, der Aufgrund dieser Diskussion ausgelöst werden könnte.

AviationNetOnline: Danke für das Interview.

Andreas: Bitte Gerne.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...
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