An-22: Der ukrainische Riese

Vom größten Propellerflugzeug der Welt befindet sich nur noch ein einziges Exemplar im zivilen Einsatz. Vor kurzem war es im tschechischen Pardubice zu Gast - Thomas Ramgraber hat das Flugzeug dort vor die Linse bekommen.

Die riesige "Antei" mit ihren acht charakteristischen Propellern (alle Fotos: Thomas Ramgraber).

46 Jahre hat sie auf dem Buckel, die Antonov An-22A mit der Kennung UR-09307. Es handelt sich um das letzte zivile Exemplar des riesigen Propellerflugzeuges, das noch im Frachtverkehr unterwegs ist. Betrieben wird es vom Cargo-Spezialisten Antonov Airlines, dessen Flotte noch aus der An-124 "Ruslan" sowie der An-225 "Mriya" für besondere Frachtaufträge besteht.

In diese Flotte fügt sich die An-22 "Antei" (nach dem Riesen Anteils aus der griechischen Mythologie) gut ein: Abgesehen von einer Payload von bis zu 60 Tonnen ist sie auch für übergroße Güter wie beispielsweise Hubschrauber geeignet. Dafür sorgen unter anderem der 4,4 Meter hohe und ebenso breite Frachtraum sowie das bordeigene Kransystem, das bis zu 10 Tonnen auf einmal anheben kann.

Die Geschichte der "Antei" geht in die 1960er-Jahre zurück: Damals war die Sowjetunion auf der Suche nach einem überdimensionalen militärischen Frachtflugzeug. Der Rollout der Maschine wurde 1964 gefeiert, das internationale Debüt erfolgte 1965 bei der Air Show in Paris Le Bourget. Bis 1976 wurden insgesamt 68 Exemplare produziert. Neben den militärischen und zivilen Frachtern waren auch eine Passagiervariante (mit einer Kapazität von mehr als 700 Passagieren) und eine Version mit einem Atomreaktor geplant. Beide kamen aber über das Projektstadium nicht hinaus.

Ein besonderes Kennzeichen der An-22 sind die vier Turboprop-Triebwerke des Typs Kusnezow NK-12, die mit jeweils zwei gegenläufigen Propellern für Vortrieb sorgen. Die Cockpitcrew besteht neben den beiden Piloten noch aus bis zu fünf weiteren Mitgliedern. Beladen wird der nicht druckdichte Frachtraum über eine Klappe und eine Rampe im Heckbereich.

Wie lange wird diese einzige (und einzigartige) "Antei" wohl noch fliegen? Es dürften noch einige Jahre werden, da die UR-09307 erst vor kurzem aufwändig generalüberholt wurde. Der Bedarf für solche Cargo-Heavies ist jedenfalls definitiv vorhanden.

Autor: Martin Metzenbauer
Herausgeber und Chefredakteur
Martin gründete 2004 aufgrund seines starken Luftfahrtinteresses Aviation Net. Er liebt das Fliegen und Reisen– und schreibt darüber natürlich auch gerne.

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