Alles oder nichts - Tage der Entscheidung für Lauda-Mitarbeiter

Auch bei Austrian Airlines sind die nächsten Tage sehr entscheidend.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Ereignisse der nächsten Tage werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die Weichen für die zukünftige Entwicklung der Luftfahrt am Flughafen Wien stellen. Pikant ist aber bereits im Vorfeld, dass ein so genannter „Luftfahrt-Gipfel“ abgehalten wurde, bei dem nur Vertreter von Austrian Airlines zur Teilnahme eingeladen werden, nicht jedoch der anderen heimischen Airlines. Dies sorgt durchaus für eine schiefe Optik.

Die Lauda-Konzernmutter Ryanair erhöhte erst am Montag den Druck auf die Sozialpartner den gewünschten neuen Kollektivvertrag abzuschließen. Sollte bis zum 21. Mai 2020 keine Lösung stehen, so werde man am 22. Mai 2020 die Kurzarbeit beenden, am 30. Mai 2020 formell die Basis Wien schließen und nach Ablauf des Kündigungsschutzes sämtliches fliegendes Personal kündigen. Das „Comeback“ in Wien würde dann mit Maschinen von Ryanair, Malta Air und Buzz erfolgen. Die Vorgehensweise ist durchaus ungewöhnlich, denn bislang ist es in Österreich noch nicht vorgekommen, dass ein Unternehmen selbst ein KV-Dokument vorlegt und auf die Unterfertigung bis zu einem bestimmten Termin besteht, andernfalls werde man sämtlichen Mitarbeitern kündigen.

Auch ist bemerkenswert, dass Lauda noch vor wenigen Wochen forderte, dass im Falle dessen, dass Austrian Airlines Staatshilfe erhält, dass man zwei Drittel dieser Summe haben möchte. Davon ist nun keine Rede mehr, denn das Unternehmen kommuniziert nun in jene Richtung, dass man strikt gegen Staatshilfen ist. Da dürfte sich die von Dublin vorgegebene Strategie geändert haben, denn beispielsweise in skandinavischen Ländern und in Frankreich geht Ryanair bereits juristisch gegen finanzielle Hilfen, die Wettbewerbern gewährt wurden, vor. In der jüngsten Bekanntgabe der Finanzzahlen beklagt sich der irische Konzern auch darüber, dass man sich möglicherweise mit einer Austrian Airlines, die mit 800 Millionen Euro vom Staat gestützt werden könnte, matchen könnte. Die Ryanair Group verschweigt dabei aber, dass die Tochter Lauda selbst um derartige Hilfen ansuchen könnte und mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund des Wettbewerbsrecht auch bewilligt bekommen würde. Nur: Wie man bei Austrian Airlines sieht will der Staat eben gewisse Bedingungen setzen und Bedingungen und Vorschriften, die andere setzen und sich die Ryanair Group daranhalten müsste, kommen bei Konzernchef Michael O’Leary wohl nicht gut an.

Bei Austrian Airlines werden viele unterschiedliche Interessen zur "Bedingung" gemacht

Die von Sebastian Kurz als „deutsche Fluggesellschaft“ und von Vida-Chef Roman Hebenstreit als „ausländische Fluggesellschaft“ verspottete Austrian Airlines hat um 767 Millionen Euro angesucht, die in Form von Kreditgarantien und eines Kapitalzuschusses gewährt werden sollen. Dieses Thema wird in Österreich mittlerweile äußerst kontrovers diskutiert, denn insbesondere Umweltorganisationen, aber auch Politiker der Grünen, fordert harte Umweltauflagen, die zum Teil so weit gehen, dass es fraglich erscheint wie ein Netzwerkcarrier dann sein Geschäftsmodell weiter aufrechterhalten soll.

Konträr dazu wird Austrian Airlines von anderen Personen und Organisationen, die meinen Lobbyarbeit betreiben zu müssen, gar als „systemrelevant“ dargestellt. Nun, das ist die Lufthansa-Tochter wohl definitiv nicht. Der freie Markt würde eventuelle Lücken, die Austrian Airlines im Falle einer Insolvenz hinterlassen könnte, rasch schließen. Dies haben die Nachwirkungen von Pleiten wesentlich größerer Fluggesellschaften in den vergangenen Jahren eindrucksvoll gezeigt. Doch in der Bevölkerung ist keinesfalls eine Stimmung, dass man „unsere AUA“ retten müsse, sondern vielmehr wird in Frage gestellt wozu eigentlich einem Unternehmen, das mit einer Mitgift von 500 Millionen Euro nach Deutschland verkauft wurde, so viel Geld aus der Staatskasse zur Verfügung stellen.

Offiziell werden weitgehende Standort- und Zukunftsgarantien gefordert. Am Mittwoch wird dazu der Aufsichtsrat tagen und möglicherweise zumindest erste Weichenstellungen vornehmen. Selbstverständlich fordern die Landeshauptleute auch, dass die Garantien sich nicht nur auf Wien, sondern auch auf die Bundesländerflughäfen beziehen. Also wo „Austrian Airlines“ draufsteht, soll auch wieder ganz Österreich drin sein und nicht „Vienna Airlines“.

Die gesamte Situation ist äußerst komplex und die Managements von Lufthansa, Austrian Airlines sowie der Verhandler der österreichischen Bundesregierung werden in den nächsten Tagen einen Kompromiss finden müssen. Auch die Kranich-Tochter will kräftig an der Lohnschraube drehen und einen neuen Kollektivvertrag abschließen. Der Abbau von Mitarbeitern erscheint ebenfalls unausweichlich. Die Zeit drängt auch hier, denn nach und nach öffnen immer mehr europäische Länder ihre Grenzen und die AUA wird bald unter Zugzwang kommen. Je länger der Carrier am Boden bleibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sich Billigflieger weitere Rosinen aus dem Streckennetz der AUA herauspicken und Passagiere auf den Geschmack bringen, dass die Produkte gar nicht mal so unterschiedlich sind. Die Entscheidungen der nächsten Tage werden also für eine mögliche Zukunft der Austrian Airlines sehr wichtig sein.

 

 

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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