Alexis von Hoensbroech: "Trauriger und denkwürdiger Tag für die AUA"

Airline soll so rasch wie möglich wieder abheben.

AUA-Tail (Foto: Martin Metzenbauer).

„Heute ist ein denkwürdiger und trauriger Tag für Austrian Airlines. Unser letzter regulärer Linienflug landete um 8 Uhr 20 aus Chicago kommend. Der Flugbetrieb ruht seither. Es ist noch nicht absehbar wie lange“, mit diesen bewegenden Worten begann AUA-Chef Alexis von Hoensbroech die heutige Pressekonferenz, die zur Präsentation der Jahreszahlen 2019 geplant war. Doch angesichts der aktuellen Krise war dies eigentlich nur noch Nebensache.

Während viele prognostizierten, dass das Jahr 2019, welches noch von einer Billigfliegerschwemme, Überkapazitäten, einer „beispiellosen Preissschlacht“ und sämtlichen Sparmaßnahmen aus Sicht der AUA geprägt war, für den Carrier mit roten Zahlen endet, kann Alexis von Hoensbroech heute ein positives Ergebnis verkünden. Und diese Nachricht ist wohl auch die einzig Positive, denn die Situation hat sich binnen weniger Wochen drastisch verändert: Der Flugbetrieb bei zahlreichen Anbietern ist bereits durch die COVID-19-Krise lahmgelegt. Auch bei Austrian Airlines und dem schärfsten Mitbewerber Lauda. Dennoch betonte der Manager: „Wir haben im Vorjahr einen Gewinn gemacht, wenn auch einen kleinen. Viele andere haben in Wien viel Geld verloren“.

Viel wichtiger ist es nun allerdings die aktuelle Lage und insbesondere die Zukunft der Austrian Airlines zu betrachten, denn Zahlen aus dem Vorjahr wirken angesichts der laufenden Corona-Krise schon fast wie in einem Schulbuch im Fach Geschichte. 

Der CEO sieht die Airlines während dieser Krise an vorderster Front, wenn es um die Erheblichkeit der Auswirkungen geht. Schon anfangs, als sich Schlimmeres anbahnte, verzeichnete man einen Nachfragerückgang nach China und Italien. Infolgedessen stellte man die Verbindungen nach Peking und Schanghai ein. Ab Mitte Februar konnte man aus den Zahlen der Annullierungen zunehmends die Unsicherheit der Menschen entnehmen. Austrian Airlines reduzierte laut Alexis von Hoensbroech am 11. März 2020 den Flugbetrieb um die Hälfte und bereits am heutigen Donnerstag, den 19. März 2020, musste der reguläre Flugbetrieb komplett eingestellt werden. Die Maschinen sollen „hot“ gehalten werden, um so rasch wie möglich wieder abheben zu können. Während der kommerzielle Flugbetrieb steht, wird simultan die größte Rückholaktion in der Geschichte der 2. Republik mitdurchgeführt: Der AUA-Chef betonte, dass es dafür keine Limitation gibt und man der Regierung so viele Maschinen wie benötigt bereitstellen werde. Diese Aktion ist mit großen logistischen Aufgaben behaftet, doch gerade in diesen Zeiten sei es wichtig, als nationale Airline Österreicherinnen und Österreicher aus dem Ausland wieder nach Hause zu bringen. Aber auch die eigene Crew sowie die Maschinen müssen zurückgeholt werden. Dafür laufen zurzeit die Vorbereitungen im Hinblick auf die Parkierung sowie Wartung der Fluggeräte auf Hochtouren, um schnellstmöglich wieder starten zu können. Alexis von Hoensbroech sprach auch der Belegschaft einen großen Dank aus, denn die Einsätze der Crews sind nicht verpflichtend, sondern ausschließlich freiwillig. Man denkt nicht daran, aus der Situation zu profitieren und Erträge zu erzielen, denn man führt sie gerade kostendeckend durch. „Wir nutzen das jetzt ganz bestimmt nicht als schnelles Geschäft, das wäre nicht legitim und auch nicht richtig. So dürfen wir nicht handeln, wir machen das kostendeckend, aber über genaue Details reden wir nicht in der Öffentlichkeit“, so der Manager. Ungefähr bezifferte die von Hoensbroech die Kosten für einen innereuropäischen Flug „im fünfstelligen Bereich“ und auf der Langstrecke, beispielsweise nach Thailand oder auf die Philippinen „durchaus im sechsstelligen Bereich“. Einziger Lichtblick: Die stark gesunkenen Öl- wie Kerosinkosten würden dies deutlich günstiger machen als noch vor einigen Wochen.

Ohne die Namen seiner Mitbewerber zu nennen, äußerte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech auch Dankbarkeit für die Mithilfe seiner Konkurrenten bei der Rückholaktion, denn die Kurz- und Mittelstreckenziele können diese auch abfliegen, jedoch die komplexen Rückholungen aus den Langstreckengebieten kann nur Austrian Airlines machen, denn diese verfügt als einzige über die nötige Langstreckenflotte. Hier kommt in den nächsten Wochen sehr viel Arbeit auf die Airlines zu, doch auch diese Aufgabe wird irgendwann erledigt sein. Dann folgt das Warten bis die „Käseglocken“ nach und nach wieder angehoben werden. „Unser Unternehmen ist eine Fluggesellschaft, keine Stehgesellschaft“, so der CEO. Austrian Airlines werde alle Maßnahmen setzen, um die Kosten so stark wie möglich reduzieren zu können, um das Unternehmen durch die Krise zu bringen. Zurzeit werden Einigungen mit Vertragspartnern erzielt, geplante Projekte und Investitionen auf Eis gelegt. Für das rasch eingebrachte Kurzarbeitsgesetz gibt es Lob an die Regierung, es wäre ein gutes Mittel, um die Kosten erschwinglich zu halten. Man hat sich eine gut gefüllte Kasse erwirtschaftet und außerdem einen entscheidenden Vorteil: Nahezu alle Maschinen sind im Eigentum der AUA, während Konkurrenten die Leasingfinanzierungen weiter am Hals haben. Noch dazu ist der Staat Österreich an die Aufrechterhaltung seiner nationalen Airline enorm interessiert.  Ob man darüber hinaus weitere Hilfen benötigen wird, hänge primär davon ab wie lange die Krise dauern wird. Noch könne man dies nicht einschätzen.

Jens Ritter, COO und oberster Betriebschef, beantwortet die Frage, wie lange ein Flugzeug aus technischer Sicht stillgelegt werden könnte: „Das hängt von vielen Faktoren, beispielsweise dem Flugzeugtyp und die Dauer der Aussetzung, ab. Grundsätzlich können 48 Stunden ohne Routinecheck bewerkstelligt werden. Nach zwei Tagen sind größere Checks von Nöten. Sollte der Fall eintreten und das Grounding über sechs Monate gehen, so muss Absprache mit dem Hersteller gehalten werden. Unabhängig davon werden fortlaufend Software-Updates durchgeführt, auch die Belegschaft wird weiterhin geschult.“

Die aktuelle Buchungslage ist laut dem AUA-Chef äußerst verhalten. Man habe netto viel mehr Streichungen als Buchungen. Dennoch erhält man für die Sommersaison noch durchaus viele Regenerierungen, was darauf hindeutet, dass zahlreiche Menschen darauf hoffen, dass die Corona-Krise bald vorbei ist und Sommerurlaube angetreten werden können. Alexis von Hoensbroech nannte zwei Szenarien: Angenommen im Mai werden nach und nach die „Käseglocken“ angehoben, so könnte man im Juli und August den Großteil des Programms durchführen. Sollte dies allerdings erst im Hochsommer der Fall sein, so würde das Wiederanfahren des Flugbetriebs wesentlich länger.

Der Vorstand zeigt sich solidarisch gegenüber dem Rest des Unternehmens und verzichtet mindestens auf etwaige Bonuszahlungen, die angesichts der Situation ohnehin nicht berauschend sein werden. Generell werden die Führungsinstanzen einen mindestens zweistelligen Prozentsatz ihrer Entlohnung freiwillig nicht in Anspruch nehmen.

Bezüglich der Inanspruchnahme der Staatshilfe kommt es laut dem CEO auf die Dauer des Stillstandes an. Man muss sich anschauen, was aus der Regierungsseite für Maßnahmen geplant sind. Das Kurzarbeits-Modell ist eine gehörige Entlastung für das Unternehmen. Ob darüber hinaus weitere staatliche Unterstützung gebraucht wird, kann man zum aktuellen Zeitpunkt nicht konkret sagen. Man werde alles Menschenmögliche tun, um sattelfest durch diese Krise zu kommen. Die Rückverstaatlichung ist stand jetzt gar kein Thema, der CEO kann sich die Realisierung dieser Lösung auch gar nicht vorstellen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...
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