Airbus: Licht und Schatten

Wie Konkurrent Boeing muss auch der Flugzeughersteller Airbus für 2019 einen Verlust melden. Grund dafür sind Probleme mit der Compliance und den deswegen verhängten Strafzahlungen in Milliardenhöhe. Die Aussichten für 2020 sind aber sehr gut, berichtet aus Toulouse Michael Csoklich.

Foto: Michael Csoklich.

2019 war für Airbus ein Rekordjahr in völlig unterschiedlicher Art und Weise. Da steht auf der einen Seite die Rekordauslieferung von 863 Flugzeugen, 75% davon aus der A320 Familie. 768 Flugzeuge sind bestellt worden (netto). Vor Steuern und Zinsen hat Airbus damit mehr als 6 Milliarden € verdient und mit der Sparte Zivilflugzeuge kapp 80 Prozent des Umsatzes des Airbus-Konzerns erwirtschaftet. Dazu kommen noch, vergleichsweise kleine, Gewinne von der Sparte Hubschrauber und Verteidigung und Raumfahrt. 

Auf der anderen Seite stehen die Rekord-Strafzahlungen von 3,6 Milliarden €, die die Behörden in den USA, Frankreich und Großbritannien über Airbus wegen der Bestechungs- und Korruptionsvorwürfe verhängt haben. Und die heuer aus dem Cash Flow bezahlt werden.  Dazu kommen auf der Negativseite 1,2 Milliarden € an Aufwendungen für den Militärtransporter A400 M, 200 Millionen € Kosten für die A380 und 200 Millionen wegen des Ausfuhrverbots für Verteidigungsgüter. Unterm Strich steht damit in der Bilanz 2019 ein fettes Minus von 1,63 Milliarden €.

2020 sieht Konzernchef Guillaume Faury aber sehr positiv. Er sei froh, die Korruptionsermittlungen hinter sich zu haben, jetzt stehe der Konzern „für Sicherheit, Qualität und Integrität“. Der Auftragsbestand liegt bei 7.482 Flugzeugen. Die jahrelangen Wartezeiten bei der Auslieferung sind auch der Grund, warum Airbus von den Problemen Boeings nicht profitieren kann, sagt Faury. Er nennt es „eine paradoxe Situation, aber wir sind ausverkauft“. Die einzige Möglichkeit, unzufriedene Boeing-Kunden zu Airbus zu bringen, sieht Faury im A220 Programm, wo ja heute bekannt geworden ist, dass Bombardier zur Gänze ausgestiegen ist. Denn nur hier sieht Faury Kapazitätsreserven. Im Vorjahr sind 48 Maschinen ausgeliefert worden, auf 160 bis 170 Auslieferungen im Jahr soll die Produktion jetzt hochgefahren werden. 

2020 sollen 880 Flugzeuge ausgeliefert werden, das bereinigte EBIT wird bei 7,5 Milliarden € erwartet. Nach dem Brexit setzt Airbus, das ja auch aus Großbritannien Flugzeugteile importiert,  auf ein tragfähiges Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien.

Die Zeit für Großraumflugzeuge wie A380 ist für Faury endgültig vorbei. Die Zukunft liege hier bei zweistrahligen Flugzeugen wie der A350 und der A330, der überwiegende Teil der Nachfrage gilt aber Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen mit einem Gang - auch für große Distanzen. In Summe will Airbus die Produktionsrate bis 2023 auf 65 bis 67 Flugzeuge im Monat steigern. Mehr sei alleine wegen des Engpasses bei Triebwerken nicht möglich, außerdem werde die Produktion immer komplexer, Stichwort flexible Inneneinrichtung bei Flugzeugen.

Die Causa Eurofighter in Österreich will hier in Toulouse heute niemand kommentieren. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner hat da ja mit einer Rückabwicklung des Eurofighter-Kaufvertrags gedroht. Die Situation sei sichtlich angespannt, man gehe davon aus, dass eine Lösung gesucht und gefunden werden.

Autor: Michael Csoklich
Autor
Michael Csoklich ist einer der bekanntesten Wirtschaftsjournalisten Österreichs und leitete über viele Jahre das Ressort Wirtschaft im ORF Radio. Er ist Moderator, Querdenker und arbeitet als freier Journalist für die Kleine Zeitung. Seit 2016 schreibt er als Luftfahrtspezialist auf AviationNetOnline insbesondere über Spezialthemen, seit 2019 gibt er den Podcast "Flightcast" - eine Initiative von Austrian Airlines, FACC, Flughafen Wien und Frequentis - heraus.

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