ACA übt erneute Kritik an Lauda-Management

Pilotenvereinigung sieht Crewlink-Leiharbeit ohne KV kritisch.

Foto: Thomas Ramgraber.

Die österreichische Pilotenvereinigung Austrian Cockpit Association übt in einer Medienaussendung heftige Kritik an der Geschäftsleitung der heimischen Billigfluggesellschaft Lauda. Der Verein behauptet unter anderem, dass das Unternehmen mit günstigen Flugtickets ignorant durch die Klimakrise fliegen würde und das Personal den Preis hierfür zu zahlen habe.

Am Freitag wurde durch einen AviationNetOnline-Bericht bekannt, dass Lauda seit Jänner 2020 bei Neueinstellungen, die ausschließlich über die österreichische Zweigniederlassung der Leiharbeitsfirma Crewlink Ireland Limited erfolgen, der Kollektivvertrag des Unternehmens nicht mehr angewandt werden soll. In einem Rundschreiben betonte Geschäftsführer Andreas Gruber, dass bestehende Dienstverhältnisse nicht betroffen sind und es dadurch auch zu keinen Lohneinbußen kommen wird.

Die Austrian Cockpit Association kritisiert, dass Lauda trotz eines Jahresverlusts in der Höhe von etwa 90 Millionen Euro weiterhin Billigtickets um 9,99 Euro verkauft. Dies wäre – so der Verein – angesichts der geplanten Ticketsteuer in der Höhe von 12 Euro pro Abflug nicht sinnvoll. „Wenn man die geplante Ticketabgabe von 12,- EUR pro Passagier einem 9,99 EUR Ticket gegenüberstellt, kann sich jeder die ökologische und ökonomische Sinnhaftigkeit eines solchen Kostenmodells ausrechnen“, schreibt die ACA. Weiters ist zu lesen, dass man der Ansicht ist, dass die Angestellten den Preis hierfür bezahlen sollen.

Auch kritisiert die Vereinigung, dass Lauda durch die Nichtanwendung des Kollektivvertrags für Neueinstellungen über Crewlink das österreichische Arbeitsrecht ignorieren würde. Man schließt sich der Ansicht der Gewerkschaft Vida an und schreibt ebenfalls: „Ein Kollektivvertrag gilt in einem Unternehmen für alle Arbeitnehmer solange, bis er entweder von der Wirtschaftskammer oder der Gewerkschaft gekündigt wird.“

Die ACA schreibt weiters: „Der Umgang mit Mitarbeitern bei Lauda sucht seinesgleichen. Im Falle eines Krankenstandes innerhalb einer Urlaubsperiode erhalten Mitarbeiter keine Urlaubstage rückvergütet, zugesagte Urlaubswochen werden teilweise nicht eingehalten oder verschwinden schlicht im System und Mitarbeiter, die nicht bereit sind, Leiharbeitsverträge zu unterschreiben, also auf das „neue“ System umzusteigen, werden gekündigt.“

Von der neuen österreichischen Bundesregierung fordert die Pilotenvereinigung, dass diese alle „gesetzlichen Möglichkeiten ausschöpfen solle, um sicherzustellen, dass nichts unterlassen wird, um Phänomene wie Lohndumping und atypische Beschäftigung in der Luftfahrt zu unterbinden.“ An das Management rund um Lauda-Chef Andreas Gruber appelliert man, dass die Mitarbeiter nach österreichischen Standards beschäftigt werden sollen.

Die ACA behauptet darüberhinaus wie folgt: „Das fliegende Personal erhält trotz Kritik der Austrian Cockpit Association weiterhin Drohbriefe in Form von sogenannten „Sickletters“. Es ist dies eine aggressive, auf Druck basierende Personalführung. Aber auch mit der Technik scheint Lauda viele Probleme zu haben. Fume Events mit Personenschaden, eine eingeleitete Notlandung in Malaga aufgrund übermäßigen Ölverlusts eines Triebwerkes, eine Flugzeugevakuierung in London Stansted sowie zahlreiche weitere technische Probleme und stundenlange Verspätungen gehören ebenfalls zur traurigen Bilanz des Jahres 2019. All dies ist möglicherweise auf Einsparungen bei der Lauda-Technik zurückzuführen, die vor kurzem auf eine irische Firma umgestellt wurde. Zahlreiche erfahrene Lauda Techniker hatten kurz danach das Unternehmen verlassen.“

Ryanair-Chef Michael O’Leary unterstellte vor einigen Wochen der Austrian Cockpit Association eine starke Nähe zum Mitbewerber Austrian Airlines. Dies würde sich insbesondere dadurch ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Flugzeugführer, die in diesem Verein organisiert sind, bei der Lufthansa-Tochter in Dienstverhältnissen steht. Naturgemäß würde sich – so der irische Manager – ergeben, dass man auch als ausgelagerte PR-Stelle des Mitbewerbers fungieren würde. Nach Angaben von O’Leary „nur wenige bis gar keine“ Lauda-Piloten in der ACA Mitglieder.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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