"Ablasshandel" mit CO2-Emissionen floppt weiterhin

Nur äußerst wenige Passagiere kompensieren die Kohlenstoffdioxid-Emissionen ihrer Reisen freiwillig durch eine Spende.

Foto: Pixabay / EliasSch.

Zahlreiche Fluggesellschaften bieten an, dass die Kohlenstoffdioxid-Emissionen, die im Zuge ihrer Reise entstehen, mittels einer Spende an eine Organisation kompensiert werden können. Im Internet finden sich auch viele von Airlines unabhängige Möglichkeiten, doch das Angebot und die tatsächliche Nachfrage nach diesem „Ablasshandel“ gehen weit auseinander.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr räumte im Zuge des Welt-Gipfels ein, dass die Möglichkeit der Kohlenstoffdioxid-Kompensation von äußerst wenigen Kunden genutzt wird. Lediglich ein bis zwei Prozent der Kunden der Lufthansa Group würden die billigste Kompensationsmöglichkeit nutzen, so der Konzernchef gegenüber Welt. Und noch weniger Reisende würden sich für die teuerste Variante entscheiden. Spohr sagte, dass es sich um so wenige Passagiere handeln würde, dass er alle persönlich per Handschlag begrüßen könne.

Die Lufthansa Group ist keinesfalls ein „negativer Ausreißer“, denn auch bei anderen Fluggesellschaften wird die Möglichkeit der Kompensation der Kohlenstoffdioxid-Emissionen in faktisch irrelevantem Umfang genutzt. Beispielsweise soll bei der Ryanair Group, der auch die österreichische Fluggesellschaft Lauda gehört, der Anteil jener Reisenden, die ihr Gewissen durch eine Spende an eine Klimaschutzorganisation erleichtern wollen, bei etwa einem halben Prozent liegen. Die Ryanair Group beförderte zuletzt 152,4 Millionen Fluggäste. Demnach hätten sich lediglich etwa 762.000 Passagiere für eine Spende zur Kohlenstoffdioxid-Kompensation entschieden.

Die geringe Inanspruchnahme des „digitalen Ablasshandels zur Erleichterung des Klimagewissens“ zeigt auch, dass die bisherigen Systeme von den Passagieren nicht akzeptiert werden. Über die Gründe hierzu lässt sich nur spekulieren, doch es besteht durchaus die Möglichkeit, dass vielen Reisenden das Vertrauen in die jeweiligen Projekte fehlt oder diese sich schlichtweg nicht dafür interessieren, da sie lediglich so billig wie möglich von A nach B kommen wollen.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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