737NG-Haarrisse: Problem noch größer als bislang angenommen

Boeing richtet eigene Reparaturwerkstatt ein.

Boeing 737-700 (Foto: www.AirTeamImages.com).

Für den U.S-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing bahnt sich nach dem 737-Max-Debakel nun auch beim Vorgängermodell 737NG ein heftiges Problem an. Die FAA ordnete an, dass zahlreiche Maschinen aufgrund der Gefahr von Haarrissbildung außertourlich überprüft werden müssen. Mehr als fünf Prozent der bislang untersuchten 737NG sind betroffen und damit ist die Problematik weit größer als bisher angenommen. Southwest Airlines musste zwei Maschinen sogar komplett aus dem Verkehr ziehen, teilte der Carrier mit.

Für Boeing könnte dieser Qualitätsmangel abermals kostspielig werden, denn mit Haarrissen machte der Konzern bereits im Jahr 1988 sehr unrühmliche Erfahrungen. Aufgrund solcher Belastungsrisse verwandelte sich eine Boeing 737-200 der Aloha Airlines (Flug 243) in ein regelrechtes Cabrio. Den Piloten gelang es die Maschine zu landen, doch waren dennoch 65 Verletzte und ein Todesopfer zu verzeichnen. Insofern nimmt man bei der FAA das Thema Haarrisse keinesfalls auf die leichte Schulter und Boeing steht nun ordentlich unter Druck.

Southwest Airlines erklärte zwar in einer Aussendung, dass der „überwiegende Teil“ der Flotte in Ordnung ist, jedoch dürfte es den Carrier äußerst besorgen, dass bereits an zwei Maschinen derartig schwere Haarrisse festgestellt wurden, dass diese aus dem Verkehr gezogen wurden. Der Carrier will nun eine Reparatur prüfen.

Die Problematik liegt darin, dass die so genannten Pickle Forks, an denen die Tragflächen am Rumpf befestigt sind, zu Haarrissen neigen. Diese treten wesentlich früher auf als von Boeing ursprünglich angenommen, so dass die FAA akutes Handeln für notwendig hält. Es ist daher anzunehmen, dass noch wesentlich mehr Maschinen außertourlich überprüft werden müssen. Tendenziell sind primär ältere Boeing 737NG betroffen, da es sich um eine altersbedingte Ermüdungserscheinung handelt.

Boeing selbst richtet nun eine eigene Reparaturwerkstatt ein, in der wöchentlich bis zu zwei Maschinen repariert werden können. Da es sich offensichtlich um einen Qualitätsmangel handelt, ist anzunehmen, dass letztlich der Hersteller für sämtliche Kosten aufkommen muss. Nach dem 737-Max-Debakel bahnt sich also bereits ein weiterer finanzieller Brocken für Boeing an.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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