550 Lauda-Mitarbeiter als Spielball zwischen Betriebsrat und Geschäftsleitung

Geschäftsführer bittet Belegschaft um Zustimmung zur Kurzarbeit, Betriebsratsvorsitzende rät davon ab - Scheitert die Kurzarbeit an diesem Machtkampf, wird die Lauda-Airbus-Basis Wien dauerhaft geschlossen und Ryanair-Boeings könnten übernehmen.

Airbus A320 (Foto: Thomas Ramgraber).

Die Belegschaft der österreichischen Fluggesellschaft Lauda wird nun offenbar als Spielball in einem ohnehin bereits obskuren Machtkampf zwischen der Geschäftsleitung und der Betriebsratsvorsitzenden, deren Status die Gewerkschaft anerkennt, die Geschäftsführung allerdings eine gerichtliche Anfechtung gegen die Wahl einbrachte, missbraucht. Doch die Zeit drängt massiv, denn sollte es nicht gelingen die rund 550 Piloten und Flugbegleiter der Basis Wien in Kurzarbeit überführen zu können, so droht allen die Kündigung und die „dauerhafte Schließung der Lauda Airbus Operation in Wien ist hochwahrscheinlich“.

Geschäftsführer Andreas Gruber wandte sich am Freitag in einem Rundschreiben an die Mitarbeiter und wies diese eindringlich auf die Wichtigkeit der Kurzarbeit hin, um die Basis Wien durch die Coronakrise bringen zu können. Die Gewerkschaft Vida allerdings stellte sich in einer Aussendung klar hinter Kerstin Hager, deren Wahl zur Vorsitzenden des Betriebsrats gerichtlich angefochten ist. Umgekehrt fechtet sie die Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses an.

Während Andreas Gruber die Belegschaft ersucht die Zustimmung zur Kurzarbeit zu unterschreiben und die Mitarbeiter bittet, dass auch diese an die Gewerkschaft Vida herantreten, um die Zustimmung zur Kurzarbeit zu erhalten, ortet er auch, dass die „ehemaligen Angestellten“ und die Gewerkschaft nicht die Interessen der 550 Lauda-Mitarbeiter, sondern ihre eigenen und jene von Austrian Airlines vertreten würden. „Rechtlich muss der Betriebsrat inkludiert werde, siehe Paragraph 37b AMSG. Auch für Kündigungen müsse mit dem Betriebsrat sprechen. Es ist zwar nett, dass jeder der Kurzarbeit individuell zustimmen soll, nur ist das rechtlich wertlos. Es muss eine Betriebsvereinbarung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung abgeschlossen werden“, ist die konträre Ansicht.

Allerdings hat Ryanair in der Vergangenheit schon wiederholt gezeigt, dass besonders „aufmüpfige“ Bases mitunter auch über Nacht geschlossen werden können und die Beschäftigten ihre Kündigung erhalten haben. Der Mutterkonzern Ryanair kann als börsennotierte Aktiengesellschaft eine Tochter nicht einfach so in die Insolvenz schicken, jedoch gibt es dafür auch keinerlei Pläne, denn die Fortführung der Lauda-Bases Stuttgart, Düsseldorf und Palma de Mallorca scheint nach derzeitiger Informationslage gesichert. Dort soll in Kürze Kurzarbeit eingeführt werden und dem Vernehmen nach soll dies ruhig und geordnet verlaufen.

Lauda-Chef Andreas Gruber appelliert an die Beschäftigten, dass diese ihre Zustimmung der Kurzarbeit erteilen sollen und schlägt diesen vor möglichst rasch einen neuen Betriebsrat zu wählen. Die Stimmung innerhalb der Firma ist äußerst gespalten. Viele Mitarbeiter signalisierten im Gespräch mit AviationNetOnline, dass sie „auf jeden Fall“ ihre Zustimmung zur Kurzarbeit geben werden, denn der Erhalt der Firma und damit ihrer Arbeitsplätze ist ihnen wichtig. Andere wiederum meinten, dass sie eher das tun werden was der Betriebsrat vorschlägt. Jedenfalls will der Firmenchef die Zustimmungen bis Sonntag haben, so dass sich bis Ende des Monats entscheiden dürfte, ob Lauda in Kurzarbeit durch die Krise kommen wird oder ob die Basis Wien möglicherweise künftig mit Ryanair-, Buzz-, und Malta-Air-Boeing 737-800 betrieben werden könnte. Die weitere Entwicklung dürfte offenbar nun in den Händen der Belegschaft liegen. Der formelle Antrag auf Kurzarbeit wurde jedenfalls seitens des Unternehmens beim AMS eingebracht.

Autor: Jan Gruber
Leitender Redakteur
Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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