2019: AUA-Ergebnis bricht ein

Airline verdiente vor Steuern 15 Millionen Euro.

(Foto: Felix Hofer)

Der Vorsteuergewinn von Austrian Airlines ist im vergangenen Jahr regelrecht in sich zusammengebrochen. Für das EBIT ging es um 83 Prozent auf 15 Millionen Euro nach unten, wie der Lufthansa-Konzern am Donnerstagmorgen mitteilte. Die Marge gab ähnlich stark nach wie die des Gesamtkonzerns: minus 3,0 Punkte auf nur noch 0,9 Prozent. Auch der Umsatz gab nach: um zwei Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. „Wir konnten das vergangene Jahr trotz hartem Wettbewerb positiv abschließen, da wir im Jahresverlauf massiv auf die Kostenbremse getreten sind“, so AUA-Finanzchef Wolfgang Jani. 

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Adjusted EBIT), die im Konzern wichtigste Kennzahl, ist um 77 Prozent oder 64 Millionen Euro auf 19 Millionen Euro gesunken. Die Adj. EBIT Marge ist dadurch von 3,8 Prozent auf 0,9 Prozent gefallen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), in dem auch Bewertungsgewinne aus Flugzeug(teile-)verkäufen enthalten sind, ist von 91 Millionen Euro um 84 Prozent oder 76 Millionen Euro auf 15 Millionen Euro gesunken. 

Um sein Kostenproblem in den Griff zu bekommen, startete die österreichische Lufthansa-Tochter Anfang 2019 das Sparprogramm #DriveTo2025. Demnach sollen unter anderem die 18 Turboprop-Flugzeuge der AUA durch A320-Jets ersetzt werden. Ein wesentlicher Teil von #DriveTo25 stellt das Anfang 2020 beschlossene Prozesseffizienzprogramm PE20 dar. Im Zuge dessen fallen 700 bis 800 Jobs weg. Ab Ende 2021 sollen jährliche Kosteneinsparungen von 90 Millionen Euro erzielt werden. Der Personalstand von Austrian Airlines lag zum Stichtag 31. Dezember 2019 bei 6.989 Mitarbeitern (2018: 7.083 Mitarbeiter). Das Minus von rund 100 Mitarbeitern oder ein Prozent ist auf natürliche Fluktuation bzw. die Nicht-Nachbesetzung von Stellen zurückzuführen.

Austrian Airlines beförderte im Jahr 2019 mit 14,7 Millionen Fluggästen so viele Reisende wie noch nie, allerdings führte der scharfe Wettbewerb, insbesondere am Flughafen Wien, nicht zu einem Rekordgewinn. Das Angebot gemessen in angebotenen Sitzkilometern (ASK) wurde um drei Prozent erhöht. Trotzdem hat es das Unternehmen geschafft, das erhöhte Angebot besser abzusetzen: Die Auslastung (=Passagierfaktor) ist mit 80,8% ebenfalls deutlich über dem Vorjahr (79,3%) gelegen und hat den besten Wert der Unternehmensgeschichte erreicht.

Austrian Airlines hat 2019 mit 82 Flugzeugen 139.230 Flüge absolviert. Das sind durchschnittlich rund 380 Flüge am Tag. Die Regelmäßigkeit hat erfreuliche 99,0 Prozent betragen (+1 Prozentpunkt), die Ankunftspünktlichkeit lag bei 80,6 Prozent, eine Steigerung von 1,5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr.

Corona-Krise ist schwerste Herausforderung in der Firmengeschichte

Allerdings sind die Zahlen des Vorjahres angesichts der laufenden COVID-19-Krise in der gesamten Branche eher etwas für die Geschichtsbücher, denn die gesamte Gesellschaft steht vor Herausforderungen, die in dieser Form in Friedenszeiten noch die da gewesen sind. Reisebeschränkungen und eine defacto nicht mehr vorhandene Nachfrage führten bereits dazu, dass unter anderem Austrian Airlines, Brussels Airlines, CSA, Lauda, Air Baltic und Level Europe ihre planmäßigen Linienflüge einstellen mussten.

Aus österreichischer Sicht: Austrian Airlines, Lauda und Level Europe führen derzeit nur noch Rückholungflüge durch. Das Außenministerium beauftragte die drei heimischen Fluggesellschaften Österreicher aus über 100 Ländern nach Hause zu holen. Die schwierige Situation führte nun auch dazu, dass die drei erbitterten Konkurrenten nun partnerschaftlich und gemeinsam diese Aufgabe bewältigen. „Wir arbeiten eng mit dem Außenministerium zusammen und sichern unsere volle Unterstützung zu. Für diese größte Rückholaktion der Geschichte stehen wir bereit, so AUA-Chef Alexis von Hoensbroech.

Für 2020 erwartet Austrian Airlines insgesamt ein außergewöhnlich schweres Jahr. Die Auswirkungen des Corona-Ausbruchs sind weiterhin nicht in vollem Umfang absehbar, weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich. Wann es zu einer Wiederaufnahme des regulären Flugbetriebes kommen wird, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech: „Die Luftfahrtbranche befindet sich in einer Krise, die beispiellos ist in ihrer Geschichte. Das Coronavirus und seine Folgen werden uns auf eine harte Probe stellen. Nicht alle werden diese Krise überleben. Austrian Airlines ist besser aufgestellt als viele andere Fluggesellschaften, daher werden wir gestärkt aus dieser Krise herausfliegen. Wer, wenn nicht wir!“

 

 

Autor: Carlo Sporkmann
Redakteur
Carlo Sporkmann ist seit April 2019 als Autor für AviationNetOnline tätig. Der studierte Journalist berichtet für AviationNetOnline über den deutschen Luftverkehrsmarkt.
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    Jan ist seit 2012 für Aviation Net zunächst als Redakteur und seit Oktober 2013 als Leitender Redakteur tätig. Zuvor war er bei Österreichischem Rundfunk und Österreichischem Wirtschaftsverlag redaktionell beschäftigt. Jan studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaft und interessiert sich seit seiner Kindheit für Luftfahrt. Seine Spezialgebiete bei Aviation Net sind die Regionalluftfahrt in der D-A-CH-Region, Low-Cost-Airlines und Themen, die ausdauernde und tiefgehende Recherchen erfordern...

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