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Von: Roman Payer

Verfasst am: 15.12.10 23:23

Vorstandsentscheidung am Flughafen Wien

Foto: Flughafen Wien

Foto: Flughafen Wien

Vorstandssprecher Herbert Kaufmann muss mit Jänner seinen Platz räumen. Aufsichtsratschef Christoph Herbst wird neuer Vorstandschef, er will aber maximal ein Jahr die Geschäfte führen. Die beiden weiteren Vorstandsmitglieder Ernest Gabmann und Gerhard Schmid sollen bis Ende 2011 im Vorstand verbleiben, um den Übergang zu erleichtern. Die Verträge von Gabmann und Schmid sollen Ende nächsten Jahres aufgelöst werden. Ursprünglich wären die Verträge bis 2014 gelaufen.

In der heutigen Sondersitzung ging es um die Verantwortung für das Baudebakel am Terminal "Skylink". Die heutige Sitzung entpuppte sich als Marathonsitzung, seit neun Uhr am Vormittag wurde über die Konsequenzen aus dem Skylink-Debakel beraten.

Bereits in der letzten Sitzung wurden von Aufsichtsratschef Christoph Herbst Abberufunsanträge vorbereitet. Offene Fragen an den Vorstand und ein Konflikt über die Millionenablöse haben dazu geführt, dass man die Entscheidung auf heute vertagt hatte. Eine Ablöse aller drei Vorstände verursache Kosten in der Höhe von fünf Millionen Euro. Kritik gab es im Vorfeld auch an den Verträgen, die für die Dauer von fünf Jahren abgeschlossen wurden.

Vierzehn Stunden rang man im Hauptquartier in Wien-Schwechat um einen Entscheidung. Es gab kaum Pausen, gegen 21:00 Uhr haben die Aufsichtsratmitglieder Pizza bestellt, ein Signal, dass es noch länger dauern könnte. Zwei Stunden später trat man vor die Presse, die den ganzen Tag auf das Köpferollen gewartet hat.

Im proporz-besetzten Aufsichtsrat hat die "rote" Fraktion die Mehrheit. Das Präsidium ist schwarz (Vorsitz) und rot (zwei Vize-Vorsitzende) aufgestellt. Der Betriebsrat sitzt ebenfalls im Aufsichtsrat. In der heutigen Sitzung dürfte es einen Konflikt zwischen den roten und schwarzen Aufsichtsräten gegeben haben. Immer wieder wurden Telefonate nach draußen geführt, vermutlich mit den jeweiligen Parteien.

Der heutigen Entscheidung ist ein langes Rätselraten vorrausgegangen, welche Vorstandmitglieder gehen müssen und welche nicht. Immer wieder waren Gerüchte aufgetaucht, in denen geschrieben wurde, dass der Abgang von Vorstand Herbert Kaufmann beschlossene Sache sei. Andere Zeitungen hingegen glaubten zu wissen, dass alle drei Vorstände abgelöst werden sollen. Kleinanlegervertreter 'Wilhelm Rasinger sagte, dass ein kompletter Kahlschlag das Unternehmen lähmen würde. Ein neuer Vorstand könne sich erst nach Monaten einarbeiten. Die Entscheidung, die heute gefallen ist, ist daher nur logisch.

Niki Lauda mischte sich gegen Mittag ebenfalls in die Diskussion ein und holte kräftig gegen die gesamte Flughafen-Führung aus. Der parteipolitische Postenschacher der Minderheitseigentümer Stadt Wien und Land Niederösterreich sei "krank". Er hätte keine Verträge über fünf Jahre abgeschlossen, sondern nach einem Jahr nachgesehen, wie der Vorstand "performt".

Konkret dominieren die SPÖ Wien und die niederösterreichische ÖVP den Flughafen Wien. Ernest Gabmann ist der ÖVP zuzurechnen, die beiden weiteren Vorstände kommen aus der SPÖ. Herbert Kaufmann war für die SPÖ sogar Nationalratsabgeordneter im Parlament.

Obwohl die beiden Parteien jeweils 20 Prozent ab Aktiengesellschaft des Flughafens Wien halten, sichern Syndikatsverträge, dass sie den Airport de facto dominieren. Daher konnte der Rechnungshof den Bau des Skylink-Terminals prüfen. Der Rechnungshofs, als Organ des Parlaments, kann nur bei Unternehmen, die mehrheitlich im Besitz des Staates sind aktiv werden. Der Rechnungshof legte den Bericht im Herbst dem Vorstand und den Eigentümern vor. Die Gratiszeitung "Heute" veröffentlichte im November skandalöse Details aus dem Bericht. Der Skylink hätte laut Rechnungshof die Milliardengrenze bereits überschritten. Ursprünglich sollte der Neubau um die 400 Millionen Euro kosten.

Operativ setzt der Flughafen Wien aber zu neuen Höhenflügen an. 2010 könnte einen neuen Passagierrekord bringen, trotz der Aschewolke im April könnten an die 20 Millionen Passagiere abgefertigt worden sein. Der Flughafen wächst im Vergleich zum europäischen Durchschnitt doppelt so schnell. Die Aktie des Flughafen legte am heutigen Mittwoch an der Wiener Börse 0,55 Prozent zu.



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