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Von: Jan Gruber

Verfasst am: 18.01.13 08:50

Flughafen-Linz-Chef Gerhard Kunesch im Interview

Die österreichischen Bundesländerflughäfen leiden gleichermaßen unter Passagierrückgang, Streckenstreichungen und Rückzug von Fluggesellschaften. Der Linzer Flughafen musste einen Rückgang von über 8,2 Prozent in 2012 vermelden. Austrian Aviation Net sprach mit dem Direktor des Linzer Flughafens, Gerhard Kunesch, über Probleme der Bundesländerflughäfen, neue Vermarktungsmaßnahmen, Entwicklungen der Luftfahrt, warum Airlines wie Welcome Air für Österreich wichtig sind, warum Linz sich zum „Kreuzfahrtflughafen“ entwickeln möchte und gesprengtes Spielzeug.

Gerhard Kunesch ist seit 15 Jahren Direktor des "Blue Danube Airport Linz". (Fotos: Flughafen Linz GmbH)

Gerhard Kunesch ist seit 15 Jahren Direktor des "Blue Danube Airport Linz". (Fotos: Flughafen Linz GmbH)

Der Flughafen Linz-Hörsching musste im Jahr 2012 einen deutlichen Passagierrückgang bei mehr Flugbewegungen melden. Gerhard Kunesch ist seit mehr als 15 Jahren bei der Flughafengesellschaft dabei und Geschäftsführer des Regionalflughafens. Austrian Aviation Net telefonierte mit ihm am Mittwoch.

Austrian Aviation Net: Wie ist das Jahr 2012 aus Ihrer Sicht verlaufen?
Gerhard Kunesch: Es war ein sehr herausforderndes Jahr, jedoch haben wir auch ein paar sehr wichtige positive Ergebnisse erzielen können. Ein für uns besonders wichtiges Thema ist, dass Austrian Airlines ihre Tarifgestaltung geändert hat. Bislang lagen die Zuschläge für Zubringerflüge ab Linz oftmals im Bereich von 400 bis 500 Euro. Nun gibt es einen kalkulierbaren und fixen Aufpreis von 150 Euro. Das ist ein nachvollziehbarer Preis und macht uns Hoffnung auf mehr Dynamik. Wir erwarten insbesondere, dass dadurch auch Passagiere, die bislang mit dem Auto nach München fahren auf unseren Flughafen umsteigen werden. Wir wissen, dass wir hier einiges an Nachholbedarf haben, jedoch ist es sehr wichtig, dass alle bestehenden Flugverbindungen stabil und zuverlässig geflogen werden. Die Buchungszahlen in Linz für den Sommer 2013 stimmen uns sehr zuversichtlich. Niki plant zum Beispiel die Strecke nach Palma bereits früher als ursprünglich vorgesehen zu beginnen. Im Vorjahr mussten wir bei den Passagierzahlen  einen Rückgang von 8,2 Prozent verzeichnen – allerdings ist der für den Wirtschaftsraum Oberösterreich wichtige Bereich der Netzwerkverbindungen stabil geblieben . Die Zahl der Flugbewegungen dagegen ist um zwei Prozent gestiegen, was wir auch auf die zusätzlichen Wien-Rotationen der Austrian Airlines operated by Welcome Air zurückführen. 

AANet: Welche Maßnahmen haben oder werden Sie setzen, um die Passagierzahlen zu verbessern?
Kunesch: Wir haben hier eine umfassende Vorwärtsstrategie unter dem Stichwort „Schulterschlüsse“ gestartet. Es bringt nichts, wenn jeder für sich um Gäste und Flugverbindungen wirbt, sondern es müssen alle an einem Strang ziehen und gemeinsam auftreten. In der Airlinebranche bilden sich immer größere Blöcke, und da ist es nicht sinnvoll, wenn beispielsweise der Flughafen, Reisbüros oder Tourismusverbände jeder für sich alleine kämpfen. Unter dem Motto „Schulterschlüsse“ treten Tourismusverband, Flughafen, Hoteliers, Reisebüros, Wirtschaftskammer und so weiter erstmals gemeinsam auf. Besonders freut es mich, dass sich mittlerweile eine sehr enge Achse zwischen dem Tourismusverband Linz und dem Flughafen gebildet hat. Es ist natürlich geplant und gewollt, dass auch weitere Teamplayer ins Boot geholt werden. So soll darüber hinaus ein Beirat gebildet werden, der mit Vertretern aus den höchsten Ebenen besetzt sein soll, um die Identifikation der Politik, Wirtschaft und Bevölkerung mit dem Flughafen zu steigern. Unser erster gemeinsamer Besuch – Flughafen und Wirtschaftskammer – bei Austrian Airlines war sehr erfolgreich. Die Identifikation der Region mit unserem Linzer Flughafen ist enorm wichtig. Wir überarbeiten u.a. gerade auch unsere eigene Marketingstrategie, um uns auf diese Aufgaben noch besser auszurichten.

AANet: Warum ändern Sie Ihre Marketingstrategie? War die bisherige nicht erfolgreich?
Kunesch: Der Flughafen Linz ist ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen. Ich übe diese verantwortungsvolle Position seit über 15 Jahren aus und es wurden in dieser Zeit stets schwarze Zahlen erwirtschaftet. Glaubt man einer Studie des ACI (Airports Councel International) so sollen 76 Prozent der Airports mit einem jährlichen Passagieraufkommen unter einer Million Verluste schreiben. Bei uns ist das nicht der Fall. Die Rahmenbedingungen in der Luftfahrtbranche sind ständig in Bewegung und haben sich geändert. Die Fluggesellschaften schließen sich zu immer größeren Blöcken zusammen und konzentrieren sich auf den sogenannten Hub-Verkehr. Das hat zur Folge, dass der Point-to-Point-Verkehr zunehmend ausgedünnt oder gar aufgelassen wird – dem wollen wir entgegentreten. Unser Flughafen hat zum Beispiel. einen eigenen Außendienst, der bis weit über Passau hinaus und sogar in Südböhmen Reisebüros auf die Flugangebote an unserem Flughafen aufmerksam macht. Wenn jetzt aber die Blöcke immer größer werden, müssen alle, die auf Flugverbindungen und Gäste angewiesen sind, zusammenrücken und gemeinsam auftreten. Man muss hier Mut haben neue Ideen einzubringen und gemeinsam Neues anzupacken.


Tower des Flughafen Linz mit Heckflosse einer Bombardier Q400 der Austrian Airlines.

AANet: Wie wurden die zusätzlichen Wien-Frequenzen von den Passagieren angenommen?
Kunesch: Diese wurden äußerst gut angenommen. Passagiere aus unserer Region können nun fünf von sechs Wellen der Austrian Airlines am Hub Wien in Anspruch nehmen. Das ist ein hervorragendes Angebot und wird auch gut angenommen.

AANet: Sehen Sie den Bahnausbau als Konkurrenz zum Flugangebot oder fürchten Sie gar, dass Austrian Airlines die Zubringer auf die Schiene verlagern könnte?
Kunesch: Lassen Sie mich einiges dazu feststellen: Auf der Wien-Strecke der Austrian Airlines handelt es sich um 99 Prozent Umsteigepassagiere. Seit der Frequenzaufstockung durch die AUA konnte hier ein Zuwachs von über 25 Prozent verzeichnet werden, obwohl es ja auch jetzt schon schnelle Bahnverbindungen gibt. Wichtig ist ein gutes Flugprodukt, das wir jetzt haben!  Wenn man mit kleinem Fluggerät mehr Frequenzen fliegt, dann bietet man den Passagieren dadurch eine höhere Flexibilität an. Wie bereits gesagt: Fluggäste ab Linz können fünf von sechs „Wellen“ in Wien erreichen. Sollten allerdings künftig die Flugfrequenzen reduziert werden – wovon ich definitiv nicht ausgehe – so wäre das zum Nachteil der Passagiere aber auch der Austrian. Muss ein Passagier erst einmal nachdenken, ob er mit dem Auto oder der Bahn nach Wien kommt, bietet sich gleichzeitig München als Alternative an – dieser Passagier wäre für Austrian verloren. Aber auch wenn er nach Wien fährt, ist er nicht unbedingt ein Austrian-Kunde – auch dort hat er die Möglichkeit, den Mitbewerb zu nutzen. Mit Garantie ist er nur dann Austrian Kunde, wenn er bereits in Linz ein Austrian-Flugzeug besteigt!

AANet: Stichwort Ryanair. Im Sommer kursierten Gerüchte, dass Ryanair der oberösterreichischen Landeshauptstadt den Rücken kehren könnte...
Kunesch: Das ist mittlerweile ein Standardthema im Sommer und wahrscheinlich eine Marketingmaßnahme von Ryanair. Die Strecke haben wir seit Sommer stabil und dazu eine klare Aussage seitens Ryanair, dass die Flüge nach London-Stansted dauerhaft im Programm bleiben.

AANet: Konnten Sie neue Airlines gewinnen?
Kunesch: Im Moment ist da noch nichts spruchreif. Ich möchte hierzu aber auch ganz klar sagen, dass wir sehr an Stabilität interessiert sind. Besonders wichtig ist für uns, dass das bestehende Flugprogramm zuverlässig geflogen wird. Darüber hinaus bemühen wir uns selbstverständlich auch um neue Verbindungen. Das Charter-Flugprogramm im Sommer ist sehr umfangreich. Meine weitere Wunschdestination - und diese ist auch von der Wirtschaft sehr gefragt: Zürich. Diese Destination wurde leider zuletzt noch zu Swissair-Zeiten stabil geflogen. Air Alps war damals wenig zuverlässig und Pommer kam mit Robin Hood leider nie richtig vom Fleck. Eine dritte Frequenz nach Düsseldorf ist eines unserer weiteren Ziele, die wir in Verhandlungen mit Austrian Airlines erreichen wollen.

AANet: Warum gerade Zürich?
Kunesch: In jenen Zeiten, in denen die Strecke stabil geflogen wurde, hatte diese einen Point-to-Point-Anteil von über 60 Prozent. Das heißt, dass Zürich als Destination vom lokalen Markt gefragt ist. Aber auch als Umsteigeflughafen wird Zürich gerne genutzt, um zum Beispiel zu Destinationen in Afrika und Südamerika zu fliegen – eine Ergänzung zum Austrian und Lufthansa Netz.

AANet: Wie kommen Ihrer Meinung nach die Fluggäste im Moment nach Zürich?
Kunesch: Der größte Teil dürfte mit dem Auto nach München fahren, um von dort hin zu fliegen, ein kleinerer Teil mit dem Flugzeug über Wien.

AANet: Sie haben die Bildung von Blöcken unter den Airlines angesprochen. Sehen Sie ein Comeback von Regionalfluggesellschaften?
Kunesch: Grundsätzlich ja. Ein ehemaliger Flughafenaufsichtsrat prägte den Ausspruch, dass je größer die Blöcke werden, desto mehr Zwischenräume für Neues entstehen. Es entsteht auf jeden Fall Raum für kleine Airlines. Wichtig wäre allerdings, dass diese bis zu einem gewissen Grad die Eigenständigkeit bewahren. Wenn es eine kleine Fluggesellschaft schafft, dass sie erfolgreich unter eigener Marke fliegen kann und sich nicht gänzlich von einem Partner einverleiben lässt, kann diese Airline nachhaltig erfolgreich sein. Dazu kommt natürlich, dass Fluggäste das Produkt annehmen müssen. Welcome zum Beispiel fliegt unter Austrian sehr erfolgreich die Linz – Wien Verbindung, ist aber am österreichischen Markt  mehr oder weniger zu 100% von Austrian Airlines abhängig. Solche Airlines sollten behutsam behandelt werden  um diese wieder zu stärken, denn wenn es nur noch die großen Blöcke geben sollte, würden die Zwischenräume leer bleiben – ein enormer Schaden für die Regionen. Dazu muss es auch zu einem Umdenken seitens der Bundespolitiker kommen - wenn der Luftfahrt in einem Verkehrskonzept derzeit - wenn  überhaupt - die notwendige Bedeutung beigemessen wird, sind diese Überlegungen meist  auf Schwechat und  auf die beiden großen „österreichischen“ Airlines zugeschnitten. Gleichzeitig vergisst man dabei auf jene mindestens 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung, welche nicht im Einzugsbereich von Schwechat wohnen oder arbeiten und auf die regionale Luftfahrt angewiesen sind. Ein Umdenkprozess in Richtung Regionalluftfahrt muss raschest erfolgen!


Passagiere beim Boarding auf dem Flughafen von Linz.

AANet: Die Luftverkehrsabgaben machen Fliegen ab den Bundesländern besonders teuer. Wie hoch sind die Abgaben, wenn man ab Linz mit Umstieg in Wien fliegt?
Kunesch: In der Tat bezahlt man ab den Bundesländerflughäfen höhere Taxen. Zum Beispiel sind bei einem Flug über Wien die Sicherheitsgebühren sowohl in Linz, als auch in Wien zu bezahlen und das obwohl durch den neuen Check-In-3 in Wien keine zusätzliche Kontrolle mehr stattfindet. Wenn man alleine diese zusätzliche Belastung und die Luftverkehrsabgabe für Kurzstrecken (sieben Euro pro Passagier)  zusammenrechnet, müssen Passagiere ab Linz rund 23 Euro mehr an Gebühren entrichten ohne dafür einen Mehrwert zu erhalten. Das ist zum Nachteil der Fluggäste  insbesondere ab den Bundesländerflughäfen. Hier muss eine Neuregelung her, die Flugverkehrsabgabe muss gänzlich aufgehoben werden.

AANet: Wenn man die Flugpreise der Point-to-Point-Flüge ab den Bundesländerflughäfen generell betrachtet, so liegen diese in der Regel deutlich über den Preisen vergleichbarer Angebote ab Wien. Woran liegt das?
Kunesch: Die Airlines haben ab den Bundesländerflughäfen in der Regel keine Konkurrenz auf der selben Strecke. Aus diesem Grund kann es fallweise zu höheren Tarifen kommen. Es wird häufig verlangt, dass sich die Flughäfen dann eben Wettbewerb in Form eines zweiten Anbieters organisieren sollen. Das ist aber in den meisten Fällen nicht zielführend, denn das Passagieraufkommen hat in den Regionen der Bundesländerflughäfen in der Regel nicht das Potential für zwei Anbieter. So hätte man unter Umständen für kurze Zeit zwei Anbieter und vielleicht auch vorübergehend niedrigere Preise mit dem Risiko, dass sich in weiterer Folge beide von der Strecke zurückziehen. Dann hätte die Region überhaupt keine Verbindung auf dieser Strecke. Einen derartig ruinösen Wettkampf konnten man schon mehrmals auf der Innsbruck – Wien Verbindung mitverfolgen. Der Nachteil eines Monopol-Carriers auf einer Strecke ist natürlich die freie Preisgestaltung. 

AANet: Wie viele Fluggäste reisen ab Linz Point-to-Point nach Deutschland? Spüren Sie hier den Wettbewerb mit München?
Kunesch: Wenn man in München einsteigt, so hat man im innerdeutschen Verkehr oft günstigere Preise. Das hängt eben damit zusammen, dass es mehr Wettbewerb gibt und das Einzugsgebiet des bayrischen Flughafens sehr groß ist. Genaue Zahlen kann ich hier nicht nennen. Im internationalen und intercont Verkehr zahlt es sich vielfach nicht aus, deswegen nach München zu fahren. Häufig es ist so, dass zum Beispiel Flüge nach New York ab Linz über Wien etwa auf den selben Preis kommen wie ab München.

AANet: Austrian Airlines hat ja kürzlich seine Tarifstruktur überarbeitet und verrechnet für den Linz-Zubringer nach Wien rund 150 Euro.  Ist das ein faires Angebot?
Kunesch: Auf jeden Fall. Austrian Airlines bietet hier ein Produkt an, das für die Fluggäste nachvollziehbar ist. Ein Aufpreis von 150 Euro für einen Zubringer nach Wien ist ein faires Angebot. Darüber hinaus gibt es viele  Angebote ab Linz zu europäischen Städten um 199 Euro. Eine Anreise mit dem Auto nach München oder Wien zahlt sich einfach nicht mehr aus.

AANet: Verspüren Sie auch Wettbewerb durch den Flughafen Brünn?
Kunesch: Brünn ist für uns kein Thema. München ist unser Hauptmitbewerber.

AANet: Wie viele potentielle Linz-Passagiere reisen nach München, um von dort aus ihre Reisen anzutreten?
Kunesch: Ich kann hier nur eine grobe Schätzung abgeben, welche bislang bei etwa 80.000 Passagieren pro Jahr liegt. Durch die Maßnahmen der Austrian wollen wir jedoch einen erheblichen Teil davon zurückgewinnen.

AANet: Air Berlin hat die Anbindung an den Hub Tegel eingestellt. Warum?
Kunesch: Das Produkt war falsch für Oberösterreich. Der Markt hätte eine Tagesrandverbindung benötigt, was Air Berlin auch grundsätzlich erkannt hat. Air Berlin hat im Moment keinen Atem, um so eine Strecke im doppelten Tagesrand einzufliegen und daher hat man sich für den Rückzug entschieden. Ein alleiniger Mittagsflug ist einfach zu wenig. Es freut mich, dass mit Wolfgang Prock-Schauer ein Österreicher neuer CEO der Air Berlin wurde, aber im Moment ist es einfach noch zu früh irgendwelche Hoffnungen auf mehr Air-Berlin-Flüge ab den Bundesländerflughäfen zu machen. Ich wünsche Herrn Prock-Schauer viel Erfolg bei seiner neuen Aufgabe als CEO der Air Berlin.

AANet: Ihr Direktoren-Kollege Armin Unternährer vom Flughafen Altenrhein sagte in einem Interview mit uns, dass ein Flug am Tag kein Flug wäre. Wie sehen Sie das?
Kunesch: Wenn eine Strecke rein touristisch ausgerichtet ist, so kann ein Flug durchaus ausreichend sein. Aber: Oberösterreich ist kein ausgewiesenes touristisches Zielgebiet. Unsere Region ist eine wirtschaftlich starke Region mit hohem Geschäftsreiseaufkommen. Für diese Kundengruppe sind Tagesrandverbindungen das absolute Minimum. Besser ist es, wenn im doppelten Tagesrand geflogen wird und optimal sind drei tägliche Flüge je Richtung. 

AANet: Welche Aktivitäten in puncto Baumaßnahmen wird es bei Ihnen in 2013 geben?
Kunesch: Zunächst werden wir die neue Vorfeldbeleuchtung fertigstellen und haben gerade ein weiteres großes Projekt in Angriff genommen. Wir werden in Linz ein fünftes Frachtterminal errichten, sodass wir künftig rund 20.000 Quadratmeter an Büro- und Hallenfläche im Frachtbereich zur Verfügung stellen können – eine deutliche Erweiterung des „Blue Danube Airport Business Parks“ als ohnehin bereits größten Wirtschafspark Oberösterreichs. Die optische Runderneuerung unseres Passagierterminals inklusive einer thermischen Sanierung werden wir ebenfalls in Angriff nehmen. Der Architektenwettbewerb ist bereits abgeschlossen, nun sind wir bei der Planung der Umsetzung. Nach Fertigstellung wird unser Terminal wieder in einem neuen, frischen und modernen Glanz erscheinen.

AANet: Welche besonderen Vorteile haben Fluggäste, die sich für einen Abflug ab Linz entscheiden?
Kunesch: Wir haben sehr kurze Wege vom Parkplatz bis zum Sitzplatz im Flugzeug. Der Check-In und die Sicherheitskontrollen können in der Regel ohne größere Wartezeiten passiert werden - das wissen natürlich auch unsere Vielflieger. Gegenüber einem Abflug ab München kann man wesentlich länger schlafen und somit erst später zum Flughafen kommen. Dazu kommen die üblicherweise kurzen Anfahrtszeiten aus der Region und unser Bestreben, die Parkgebühren niedrig zu halten.


Flughafendirektor Gerhard Kunesch im Terminal "seines" Airports.

AANet: Bodenabfertigung ist ein heißes Thema. Könnte die Neuregelung der EU – so sie kommen sollte – auch die Bundesländerflughäfen betreffen?
Kunesch: Ab einem Passagieraufkommen von fünf Millionen Fluggästen pro Jahr müsste sich der Flughafen aktiv um einen Mitbewerber in der Bodenabfertigung bemühen. Sämtliche Bundesländerflughäfen in Österreich wären davon nicht betroffen, weil das Passagieraufkommen diese Schwelle nicht erreicht. Allerdings haben wir im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Verkehrsflughäfen den Flughafen Wien in seinen Anliegen so weit als möglich unterstützt und das nicht zuletzt auch im eigenen Interesse. Es könnte durchaus einmal möglich sein, dass die Schwelle irgendwann herabgesetzt wird und dann auch die Bundesländerflughäfen betroffen sein könnten – da ist es besser, rechtzeitig zu agieren.

AANet: Wo soll ihr Flughafen in fünf Jahren stehen?
Kunesch: Die Zielmärkte der Charterdestinationen sollen sich stabil entwickeln und auch in den arabischen Märkten weiterentwickeln. Griechenland muss sich wieder stabilisieren, wobei ich glaube, dass für die griechische Wirtschaft selbst ein starkes Tourismusgeschäft enorm wichtig ist. Das attraktive und umfangreiche Charterangebot im heurigen Sommerflugplan zeigt, dass die Reiseveranstalter erkannt haben, dass ein großes Potential vorhanden ist. Im Vergleich zu den anderen österreichischen Regionalflughäfen haben wir bereits jetzt das größte Sesselangebot im Charteroutgoing, das wollen wir weiter ausbauen. Die Zubringerflüge zu den Hubs sind sehr wichtig für unseren Wirtschaftsraum und haben noch Potential nach oben -  Wir hoffen, dass es künftig die eine oder andere zusätzliche Direktverbindung gibt. Als Voraussetzung dafür müssen wir es schaffen, dass die Identifikation von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung mit dem Flughafen deutlich steigt und es zu einem Umdenken bei den Fluggästen kommt. Im Moment prüfen viele gar nicht die Möglichkeiten ab Linz, sondern suchen gleich nach Flügen ab München oder Wien – das muss sich ändern.  Durch Verbesserung der Auslastung der Flüge ab Linz sollen auch neue Airlines gewonnen werden, die Mut haben eine Bundesländerverbindung zu etablieren. Der Flughafen ist für die Region enorm wichtig und stellt das Tor zur Welt dar. Wir sehen uns als Bindeglied zwischen den Marktteilnehmern, die Fluggesellschaften aber bringen die Welt nach Linz und Linz in die Welt. Wir hoffen sind zuversichtlich, dass wir durch die bereits angesprochenen „Schulterschlüsse“ und gezielten Marketingmaßnahmen  diese Identifikation mit unserem Blue Danube Airport Linz erreichen können. Ein weiteres und wichtiges Ziel liegt darin, dass wir zusehends als Heimatflughafen für die gesamte Europaregion Donau-Moldau gesehen werden - dies für den Outgoing Verkehr, aber verstärkt auch für touristisches Incoming für die genannte Region.

AANet: Immer mehr Kreuzfahrtschiffe docken in Linz statt Passau an. Können Sie davon profitieren?
Kunesch: Passau ist in punkto Flusskreuzfahrten mittlerweile total überlastet. Viele Reedereien kommen nach Linz und wir sehen sehr großes Potential, dass wir uns mittelfristig als „Kreuzfahrtflughafen“ etablieren können. Hier kommen Gäste aus der ganzen Welt, sogar Amerikaner und Australier reisen im Moment über München an. Wir hoffen, dass wir hier über unsere bestehenden Hub-Anbindungen oder spezielle Kreuzfahrt-Charterflüge einiges an Land ziehen können. Das ist kein Thema, das in ferner Zukunft liegt, sondern mittelfristig realistisch erscheint.  Wir hoffen, dass wir tatsächlich dadurch profitieren können und zusätzliche Fluggäste generieren können.

AANet: Welches Ereignis in Ihrer Laufbahn haben Sie als besonders kurios in Erinnerung?
Kunesch: Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 war die ganze Welt höchst sensibilisiert. Besonders in der Luftfahrt stand vieles unter Generalverdacht. Wir hatten in Linz ein Paket, das tickte - es handelte sich dabei um Diplomatenpost, welche aus einem östlichen Staat nach New York geschickt werden sollte. Aus Sicherheitsgründen wurde seitens der Behörden eine Sprengung angeordnet. Es stellte sich dann aber heraus, dass es sich um Spielzeug handelte, das ein ungarischer Diplomat an seine Kinder in New York schicken wollte. 

AANet: Vielen Dank für das freundliche Gespräch, Herr Kunesch.



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