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InterSky flog im Vorjahr Millionenverluste ein

Jahresverlust von sechs Millionen Euro - Verbindlichkeiten auf 15 Millionen Euro verdoppelt - Wöhrl spricht wegen des Einstiegs von großen Carriern auf den Regionalstrecken von "Scherbenhaufen" - neue Flugzeuge werden verkauft und zurückgeleast.

Die erst 2013 angeschafften ATR 72-600 werden wieder verkauft, aber zurückgeleast (Foto: Jan Gruber).

Die erst 2013 angeschafften ATR 72-600 werden wieder verkauft, aber zurückgeleast (Foto: Jan Gruber).

Die Regionalfluglinie InterSky mit Stammsitz in Bregenz und Heimatflughafen Friedrichshafen hat im Geschäftsjahr 2013 Verluste in Millionenhöhe eingeflogen. Wie aus dem der Wirtschaftspresseagentur.com vorliegenden Jahresabschluss der InterSky Luftfahrt GmbH hervorgeht, stieg der Bilanzverlust von vormals minus 4,6 Millionen Euro auf minus 10,7 Millionen Euro. Das bedeutet, dass sich der Jahresverlust auf mehr als sechs Millionen Euro beläuft. InterSky-Geschäftsführerin Renate Moser sagte zwar bei einer Pressekonferenz im Sommer 2013 wie berichtet, dass man deutliche Anlaufverluste wegen der Anschaffung und Einflottung neuer Flugzeuge und der Ausweitung des Streckenangebotes erwarte, ging allerdings davon aus, dass diese unter fünf Millionen Euro bleiben würden.

Bei dieser Ertragssituation für 2013 ist zudem zu berücksichtigen, dass hierbei auch schon der Verkauf eines Flugzeuges (Dash8-300) enthalten ist, das danach wieder zurückgeleast wurde. Schon im Geschäftsjahr 2012 rettete sich InterSky mit dem Verkauf eines Flugzeuges um etwa 800.000 US-Dollar knapp in die schwarzen Zahlen, ansonsten wäre auch hier ein Jahresverlust angefallen.

Gesellschafter haben 1,1 Millionen Euro zugeschossen

Und auch andere Bilanzkennzahlen haben sich 2013 negativ entwickelt. So verschlechterte sich das negative Eigenkapital von vormals minus 3,7 Millionen Euro auf jetzt minus 9,7 Millionen Euro. Die InterSky-Gesellschafter haben deshalb 1,1 Millionen Euro als nachrangiges Darlehen zugeschossen, um diese Überschuldung ein wenig abzufangen. Die Schulden des Luftfahrtunternehmens haben sich unterdessen mehr als verdoppelt, denn die Verbindlichkeiten betrugen im Vorjahr 15,7 Millionen Euro - und das bei einem Jahresumsatz von 34,7 Millionen Euro. Dass der Umsatz von InterSky gegenüber 2012 um mehr als 50 Prozent gestiegen ist, hängt nicht mit einer überproportional gestiegenen Auslastung der bestehenden Strecken zusammen, sondern mit einer deutlichen Ausweitung des Streckenangebotes, zum Beispiel Graz-Zürich und Salzburg-Zürich sowie Karlsruhe-Hamburg. Daraus erklärt sich auch die zuvor erwartete Steigerung der beförderten Passagiere um etwa 25 Prozent auf rund 200.000.

Auch 2014 dürfte es wieder Verluste geben

Wie sich die geschäftliche Situation bei InterSky im zu Ende gehenden Geschäftsjahr 2014 darstellen wird, war bislang nicht zweifelsfrei zu eruieren. Die sonst sehr medienaffine Airline, die oftmals durch Presseaussendungen im Wochenrhythmus auffällt, war über mehrere Tage hinweg für die Wirtschaftspresseagentur.com trotz wiederholter Anfragen wegen Stellungnahmen zu 2013 und 2014 nicht zu erreichen. Am späteren Donnerstagnachmittag folgte dann eine Presseaussendung, in der zu lesen stand, "dass der gewählte Expansionskurs richtig ist und entsprechend Früchte trägt", wie das laufende Jahr beweise. Man habe zwar zwischenzeitlich zwei regionale Strecken wegen der neuen Konkurrenzsituation durch große Carrier wieder einstellen müssen. Aber bezüglich Passagiere und Umsatz erwarte man dennoch ähnliche Zahlen wie 2013. In einem Interview mit dem "Wirtschaftsblatt" vor wenigen Wochen sprach Renate Moser von einem für 2014 erwarteten Umsatz von 40 Millionen Euro, das wäre ein Plus von 15 Prozent. Angaben zur Ertragssituation wurden nicht gemacht, es heißt in der Mitteilung nur, dass man "den endgültigen Break-Even im kommenden Jahr", also 2015, erwarte. Das hieß es allerdings bereits schon im Vorjahr für die Prognose 2014.

Wöhrl: "Stehen vor einem Scherbenhaufen"

InterSky-Mehrheitseigentümer Hans Rudolf Wöhrl vom deutschen Luftfahrtunternehmen Intro Aviation sagte hingegen auf Anfrage, dass der Umsatz im Berichtsjahr voraussichtlich um sechs Prozent sinken werde. Wöhrl machte auch keinen Hehl daraus, dass die neue Politik von großen internationalen Fluglinien, nämlich der verstärkte Fokus auch auf regionale Strecken, für InterSky ein massives Problem sei. "Wir haben zuletzt alles richtig gemacht, neue Strecken aufgebaut, die beste Flottenentscheidung getroffen und die Systeme auf den modernen Stand gebracht. Steigende Passagierzahlen und bessere Durchschnitterträge sind dafür der beste Beweis." Trotzdem stehe InterSky jetzt vor einem "Scherbenhaufen", weil Lufthansa, Etihad und andere Carrier aus Wettbewerbsgründen ihren Rückzug aus dem Regionalmarkt wieder revidiert hätten. "InterSky ist zwischen die Fronten der Großen geraten. Wir haben 40 Millionen Euro investiert und ein klares Bekenntnis zum Regionalverkehr abgegeben. Doch jetzt beginnt der Kampf neuerlich", so Wöhrl.

Weitere Flugzeuge werden verkauft und zurückgeleast

Aus diesem Grund sei heuer erneut eine Maschine verkauft und wieder zurückgeleast worden. Und auch die beiden erst 2013 angeschafften ATR 72-600 sollen verkauft, dann aber ebenfalls zurückgeleast werden. Nach diesen Transaktionen soll Intersky dann trotz verlorener Aufbaukosten von rund zehn Millionen Euro auf einer soliden finanziellen Basis stehen, sagte Wöhrl. "Das Eigenkapital, das in diesen Flugzeugen steckt, wird damit frei."

Große Carrier drängen weiter in den Regionalmarkt

Es könne gar nicht oft genug betont werden, dass es "eine gelinde gesagt Sauerei ist, dass die Lufthansa-Gruppe und Etihad einen kleinen Regionalcarrier aus dem Markt drängen", so Wöhrl. Diesen gehe es nicht um die Region oder die Passagiere, sondern nur darum, "dem anderen, echten Rivalen das Leben schwer zu machen." Doch nach übereinstimmender Ansicht von mehreren befragten Luftfahrtexperten unter anderem aus Wien wird dieser Trend nicht so schnell wieder aufhören, im Gegenteil. Immer mehr regionale Zubringer-Strecken zu den großen Hub-Flughäfen kämen ins Visier der internationalen Fluglinien. Und die angespannte Situation in der Luftfahrtbranche werde sich mit Sicherheit in den kommenden Jahren nicht ändern, heißt es.

Ob InterSky aufgrund dieser Situation wie prognostiziert 2015 den "endgültigen Break-Even" erreichen wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt also völlig offen. Zukünftig stehen auch keine weiteren Flugzeuge mehr für Einmalerlöse zum Verkauf, dafür muss das Unternehmen mehr Geld für Leasingraten aufwenden. Denn die gesamte Flotte von InterSky ist nach dem Verkauf der beiden ATR 72-600 nämlich geleast. Auch Wöhrl bestätigte, dass der wiederholte Aufbau neuer Strecken hohe Anlaufkosten verursache und man deshalb dazu tendiere, die Maschinen unter anderem im Charterbereich einzusetzen. Aber: "Die Intro Gruppe hat kein Lippenbekenntnis abgegeben, als wir uns bei InterSky beteiligt haben. Deswegen geben wir auch nicht so schnell auf."



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