Austrian Aviation Net - Das Magazin der österreichischen Luftfahrt
 
 
 
   
 

News Detail


Von: Sonja Dries

Verfasst am: 21.03.12 12:58

Flughafen Wien kämpft gegen Vergangenheit

Ein starker Gewinneinbruch macht dem Flughafen Wien zu schaffen. Der Vorstand klammert sich an die Zukunft und setzt seine Hoffnung in den neuen Terminal Skylink und das Greifen des Sparprogramms.

Flughafen-Wien-Vorstände Ofner und Jäger blicken lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit. (Foto: Sonja Dries)

Flughafen-Wien-Vorstände Ofner und Jäger blicken lieber in die Zukunft als in die Vergangenheit. (Foto: Sonja Dries)

Den Flughafen-Wien-Vorständen Günter Ofner und Julian Jäger ist das Unbehagen sichtlich anzusehen, spricht man sie auf Fehlentscheidungen aus der Vergangenheit an. Egal ob Probleme mit dem Skylink, überteuerte Konsulentenverträge oder Fehlinvestitionen, immer wieder wird auf die Vorgänger im Vorstand verwiesen.

Das die Bilanz des Flughafens für 2011 nicht gut aussieht, lässt sich angesichts der Gewinnreduktion um 58,3 Prozent nicht leugnen. Der Vorstand macht für den Gewinneinbruch vor allem außerordentliche Abschreibungen und Rückstellungen verantwortlich. So musste beispielsweise die Beteiligung Friedrichshafen zur Gänze abgeschrieben werden (5,7 Millionen Euro), Personalrückstellungen und Altersteilzeit beliefen sich auf 8,3 Millionen Euro.

Trotz des ernüchternden Jahresergebnisses blickt Günter Ofner vorsichtig positiv in die Zukunft. Die Konjunkturschwäche und die Probleme der Airlines seien nicht so schlimm, wie vorerst befürchtet. Vor allem die Kapitalaufstockung der AUA durch Mutter Lufthansa lässt hoffen. Auch der Flughafen Wien hat laut Julian Jäger "seine Hausaufgaben gemacht", was die Unterstützung des Homecarriers Austrian Airlines anbelangt.

In den letzten Wochen habe man sich mit dem AUA-Vorstand auf drei wichtige Punkte in Richtung Wachstum geeinigt. Über fünf Jahre hinweg soll das Incentive-Schema des Flughafens Wien besonders im Bezug auf Langstrecke und Transfer noch ausgeweitet werden. Der Handling-Vertrag mit der AUA wurde verlängert und ist somit über Jahre hinweg abgesichert. Als dritter Punkt steht die Stärkung des Flughafens Wien als Star-Alliance-Knoten im Vordergrund. Die AUA und der Flughafen wollen gemeinsam verstärkt daran arbeiten, dass Star Partner vor allem auf der Langstrecke nach Wien kommen, auch wenn der Vorstand dort frühestens 2013 mit neuen Verbindungen rechnet. 

Wien ist laut dem Vorstand immer noch günstiger als Flughäfen wie München (+10%), Zürich (+15%) und Frankfurt (+30%). Um die Airlines in Zeiten der Krise zu unterstützen, wäre es laut Jäger nun an der Politik, Zugeständnisse, wie eine deutliche Reduzierung der Ticketsteuer, zu machen. Einen Schritt in Richtung Unterstützung der AUA will der Flughafen Wien auch mit der Eröffnung des Skylinks am 5. Juni machen. Der neue Terminal wird die Heimat von Austrian Airlines und der Star Alliance werden.

Der Eincheck-Bereich am neuen Terminal Skylink. (Foto: Sonja Dries)

Insgesamt werden die Kosten des Skylinks rund 10 Millionen Euro unter den erwarteten 770 Millionen liegen. Über 1.600 Testpassagiere haben den Terminal bereits ausprobiert, an die 60.000 Gepäckstücke wurden eingecheckt. Rund 700 Anmerkungen gingen ein, von denen bereits 76% umgesetzt wurden, beispielsweise die Änderung des oft als verwirrend bemängelten Leitsystems. Doch nicht nur aus den Kommentaren der Testpersonen wurden Konsequenzen gezogen. 

Angesprochen auf die erheblichen Probleme beim Skylink-Bau in der Vergangenheit, versucht der Vorstand Positives von den Erfahrungen abzuleiten. Die Hauptprobleme seien der Baubeginn vor Planungsende, Änderungen der Rahmenbedingungen (Beispiel: Sicherheitsvorschriften) und zu viele externe Berater und Konsulenten gewesen. Doch man hätte aus diesen Fehlern gelernt. In Zukunft werde durch den neu organisierten Baubereich mehr Kompetenz im Haus bleiben. Externe Konsulenten hatten die Erwartungen in keinster Weise erfüllt, weshalb Aufgaben wie das Projektmanagement, jetzt selbst wahrgenommen werden sollen.

Einsparungen sollen am Flughafen Wien auch im Personalbereich geschehen. Bereits 2010 und 2011 waren jeweils 50 der rund 2200 Posten im Handling-Bereich gestrichen worden. Viele Mitarbeiter konnten jedoch in anderen Bereichen, insbesondere im Skylink, unterkommen. Auch 2012 werden "Sparmaßnahmen Mitarbeiter und künftige Gehaltserhöhungen betreffen", so Vorstand Ofner. Durch eine Neustrukturierung im Security-Bereich müsse man beispielsweise weit weniger bis gar kein neues Personal zur Betreuung des Skylinks einstellen.



Aktuell

 
News Regional News International Feature Forum Im Focus Home Newsletter Jobs Facebook Links