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Von: Mario Rehulka

Verfasst am: 14.05.12 22:18

Kommentar: Lufthansa hält an AUA fest

10 strategische Aspekte, warum Lufthansa ihre Tochter Austrian Airlines nicht fallenlassen wird.

Foto: Peter Unmuth - www.vap-group.at

Foto: Peter Unmuth - www.vap-group.at

Nach dem Verkauf der British Midland, diversen Äußerungen in den Medien und einem eigenen 1,5 Milliarden Euro Einsparungsprogramm Score fragen sich viele, ob Lufthansa in Hinkunft zur Austrian Airlines-Gruppe mit AUA, Lauda Air und Tyrolean stehen wird.

Die strategischen Aussichten sind für die Zukunft überaus positiv:

1. Lufthansa hat Austrian Airlines mit einem Schuldenberg übernommen, aber vom österreichischen Staat zur Privatisierung der Fluglinie 500 Millionen Euro erhalten; dieser Lufthansa-Konzern wird es sich nicht leisten, eine europäische Staatsführung nach so kurzer Zeit zu brüskieren.

2. Österreich ist ein wichtiger Quellmarkt für die Lufthansa-Gruppe. Die Österreicher fliegen gerne mit Lufthansa (ab den österreichschen Flughäfen und ab München) und diese Marktstärke rangiert unter den 10 wichtigsten Quellmärkten des deutschen Luftfahrtkonzerns (darunter natürlich Deutschland, USA, Japan).

3. Lufthansa hat mit der AUA primär einen Markt Osteuropa gekauft. Die Stärke und jahrelange Verbundenheit der Austrian Airlines über ihren Hub Wien Richtung Osteuropa, Nahost und Zentralasien bereichert den Lufthansa-Konzern enorm; wird sich die wirtschaftliche Lage – wie angenommen wird – in den nächsten Jahren in diesen Ländern verbessern, wird die Lufthansa-Gruppe mit AUA, Swiss und Brussels Airlines zum stärksten Fluglinienkonzern in diesem Gebiet.

4. Das Wachstum der Luftfahrtmobilität wird in Europa während der kommenden Jahre kontinuierlich 4 Prozent betragen, sich also in 20 Jahren fast verdoppeln. In den nächsten 15 Jahren werden rund 20 Flughäfen in Europa an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Dort wird kein Ausbau der Infrastruktur möglich sein. Auch Frankfurt als Hauptdrehscheibe hat bereits Grenzen erreicht. Die Drehscheibe Flughafen Wien mit der Ausbaumöglichkeit einer dritten Piste ist für den Lufthansa-Konzern daher enorm wichtig um in Hinkunft Kapazitätserweiterungen vornehmen zu können; auch deswegen hat sich Lufthansa für den Kauf der AUA am Hub Wien entschieden.

5. Die Austrian Airlines-Gruppe hat trotz eines sehr starken Wettbewerbs einen regionalen Marktanteil von rund 50 Prozent auf ihrem Hub Wien. Sie hat auch als Qualitätsfluglinie einen sehr guten Namen. Diese Marktstärke bereichert einen Luftfahrtkonzern als Quellpotential enorm.

6. Würde die Lufthansa die Austrian Airlines-Gruppe reduzieren, wäre sofort der deutsche Hauptkonkurrent Air Berlin vor Ort in Wien; einem Wettbewerber öffnet man nicht freiwillig eine Drehscheibe, die man selbst dominiert.

7. Wenn das Reformkonzept der Austrian Airlines mit neuen Personalkosten für das fliegende Personal und den Gesamteinsparungen von 220 Millionen Euro pro Jahr umgesetzt sind, wird die österreichische Fluglinie in den Gestehungskosten sogar besser als andere, günstige Fluglinien des Lufthansa-Konzerns (z.B. Swiss) dastehen.

8. Vorstandsvorsitzender Christoph Franz geht bei Austrian von einer Stärkung der Ertragskraft und von einer positiven Fortbestandsprognose aus.

9. Der Lufthansa-Konzern ist bereit, einen Zuschuss von 140 Millionen Euro dem AUA-Kapital zuzuführen. Würden Sie das tun, wenn Sie zusperren möchten?

10. Die Lufthansa entsendet einen international anerkannten Verkaufsprofi als dritten Vorstand in die AUA-Chefetage. Wenn Sie schließen möchten, warum dann noch investieren?

Mario Rehulka war von 1993 bis 2001 Vorstand der Austrian Airlines AG und ist jetzt Präsident des Österreichischen Luftfahrtverbandes.



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