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Von: Bernd Karlik

Verfasst am: 16.08.14 08:59

Ein russisches Sommermärchen

Da ich heuer bereits das Vergnügen hatte mit der Ilyushin 96 und der legendären Tu-154 zu fliegen und dabei Blut geleckt habe, wollte ich auch meinen diesjährigen Haupturlaub in Russland verbringen um noch weitere russische bzw. sowjetische Flugzeuge zu erleben, bevor es zu spät ist. Somit verbrachte ich drei Wochen auf russischem Boden, legte rund 5.000 km mit dem Flugzeug und der russischen Eisenbahn quer durch Russland zurück und kam dabei von Moskau über Pskov nach St. Petersburg, mit der Bahn in die russische Steppe und zu guter Letzt nach Saratov.

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Am Anfang der Reise standen ein paar Tage Moskau auf dem Programm.

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Da Moskau schon von vergangenen Reisen bekannt war, hielt ich mich dort fototechnisch eher zurück und war eigentlich mehr damit beschäftigt, soziale Kontakte zu pflegen.

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Dennoch ergab sich dich Chance ein paar Eindrücke und Momente dieser tollen Stadt auf den Kamerachip zu brennen.

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Immer wieder eindrucksvoll ist die Moskauer Metro. Alleine die Zahlen sprechen für sich! Jährlich 2,4 Milliarden Fahrgäste, ein 325 km langes Liniennetz mit 194 Stationen, in den Hauptverkehrszeiten fahren die Züge auf den meisten Linien in einem Abstand von 1 bis 2 Minuten und die Bahnsteige, der am gegenwärtig tiefsten gelegenen Station im Moskauer Metrosystem, befinden sich 84 m unter der Erdoberfläche.

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Der aktuelle Bürgermeister scheint auch wirklich was für die Stadt zu tun und startet ein Projekt nach dem anderen. So wurde unter anderem der Gorky Park wirklich toll überarbeitet und bietet Spiel und Spaß für groß und klein!

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Ein Spaziergang durch das weitläufige Gelände lohnt auf jeden Fall.

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Des Weiteren gab es noch eine sehr positive Veränderung in Moskau. Wo vor vier Jahren noch Autos fuhren und die Gehsteige zuparkten, findet man heute innerhalb des Boulevardrings herrliche Fußgängerzonen. Da kann man echt nur sagen - weiter so Moskau!

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Nun aber zum aviatischen Teil! Mein erster Flug startete vom Flughafen Domodedovo. Los ging die Reise am Pawelezer Bahnhof, von wo es für 100 Rubel mit der Vorortbahn zum Flughafen ging.

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Da ich etwas früh dran war, nutzte ich die Zeit noch zum Fotografieren. Und schon nach kurzer Zeit war klar – hier gibt es noch russisches Metall!

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Nach etwa einer Stunde war es auch schon an der Zeit mich ans Gate zu begeben.

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Mit PL 1936 ging es auf einer Antonov An-24 von Pskovavia rund 600 km in nordwestliche Richtung nach Pskov.

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Natürlich wurden wir mit dem Bus zu unserem Flugzeug gebracht und da stand sie plötzlich, die RA-47362.

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Ausgeliefert wurde sie am 6. Juli 1977 an das Russische Ministerium für Zivilluftfahrt und fand dann über Ryazan Avia Trans, Tavria, erneut Ryazan Avia Trans am 1. März 2012 ihren Weg zu Pskovavia.

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Das Boarding durch die kleine Tür im linken hinteren Bereich des Rumpfes war schon etwas sehr Besonderes. Unglaublich ist auch das Gefühl wenn man die Kabine betritt. Man fühlt sich plötzlich, als hätte man eine Zeitreise unternommen! Natürlich war das Boarding, wie für so ein kleines Flugzeug üblich, sehr schnell abgeschlossen und wir waren schon unterwegs in Richtung Runway 32L.

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Pskov Avia Antonov An-24 RA-47362 take off von Moscow Domodedovo

Da der Flug um 21:20 in Moskau startete, konnte ich den ganzen Flug über einen herrlichen Sonnenuntergang genießen.

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Die Kabine des Flugzeugs war absolut die urigste, welche ich je gesehen habe. Auch diese Wohnzimmeratmosphäre in den alten sowjetischen Flugzeugen fasziniert mich einfach! Das Reisen damals muss herrlich gewesen sein.

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Nach etwas mehr als 1,5 Std. Flugzeit befanden wir uns auch schon wieder im Sinkflug in Richtung Pskov, wo wir einen recht spektakulären Anflug erleben durften.

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Landung in Pskov

Da der Flug nach St. Petersburg erst am nächsten Tag frühmorgens startete, ging es erst mal zu Fuß in ein nahegelegenes Hotel. Nach fünf Stunden Schlaf hieß es auch schon wieder aufstehen.

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30 Minuten später befand ich mich auf dem Flughafen von Pskov.

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Auch der Flughafen Pskov ist sehr interessant. Eigentlich ist es ein Luftwaffenstützpunkt mit ziviler Nutzung und die Heimat des „334th Military Transport Aviation Regiment“. In den 90er Jahren wurden die zivilen Flüge auf Grund der sinkenden Nachfrage eingestellt. 2003 hat es dann Eurasia Airlines mit einer Verbindung zwischen Pskov und Moskau versucht, stellte aber kurz nach Aufnahme der neuen Verbindung die Strecke wieder ein. Erst seit 2007 gibt es wieder regelmäßige Linienflüge. Das Terminal blieb seit der sowjetischen Zeit unverändert und auch hier fühlt man sich 30 Jahre zurückversetzt. Echt ein Erlebnis, diese kleinen alten russischen Flughäfen!

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Nun war es auch schon wieder an der Zeit weitere 270 km, auf der gleichen An-24 wie am Vortag, in Richtung Norden zu fliegen.

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Mit PL 1937 ging es pünktlich um 08:20 los. Erneut konnte ich dem satten Klang der Triebwerke lauschen.

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Takeoff in Pskov

Nach nur 50 Minuten befanden wir uns auch schon wieder im Anflug auf St. Petersburg und ich durfte noch eine weitere Landung auf diesem tollen Gerät erleben.

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Landung in LED

Nach der Ankunft am Flughafen Pulkovo ging es gleich mal mit einem Marschrutka und der Metro ins Zentrum.

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Da die Stadt „nur“ 4,9 Millionen Einwohner hat, geht es hier etwas ruhiger zu als im Vergleich zu Moskau mit seinen 11,5 Millionen Einwohnern. St. Petersburg ist übrigens die zweitgrößte Stadt Russlands und die viertgrößte Europas und des Weiteren ist sie die nördlichste Millionenstadt der Welt.

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Ich wage zu behaupten, dass St. Petersburg eine der schönsten russischen Städte ist. Auch Moskau hat wunderschöne Bauwerke zu bieten, allerdings liegen die Sehenswürdigkeiten in St. Petersburg konzentrierter auf einem Punkt zusammen.

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Mit der Newa vor der Tür, dreht sich in St. Petersburg natürlich alles rund ums Wasser.

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Ein beliebtes Fortbewegungsmittel sind Wassertaxis.

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Effektiv hatte ich in St. Petersburg 3 Tage zur Verfügung. Da das Zentrum von der Größe her recht überschaubar ist, war ich nur zu Fuß unterwegs, legte aber in den 3 Tagen trotzdem rund 60 km in der Stadt zurück.

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Auch hier verging die Zeit leider wieder viel zu schnell und der nächste Flug stand an. Es ging zurück nach Moskau! Für den Rückflug war eine Boeing 767-300 von Transaero geplant. Als ich am Flughafen ankam, wartete sie auch tatsächlich auf mich. Am Gate D81 stand die EI-UNB mit der Flugnummer UN 006 bereit. Das Boarding begann überpünktlich und war trotz guter Auslastung schnell abgeschlossen.

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Für die rund 700 km lange Strecke hat der Kapitän eine Flugzeit von einer Stunde und fünf Minuten angekündigt.

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Der Abflug erfolgte von der 28L. Wie zu erwarten, war die 767 ziemlich schnell in der Luft und kletterte auch sehr flott auf die Reiseflughöhe!

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Takeoff in LED

Kurz nach dem Start ergab sich noch ein toller Blick auf den Flughafen Pulkovo mit der Stadt im Hintergrund.

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Die Kabine war mit einer 2-4-2 Bestuhlung ausgestattet und ziemlich gut gebucht.

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Im Anflug auf Moskau ergab sich noch dieser Blick auf den Flughafen Zhukovsky.

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Nach einem kurzen Aufenthalt in Moskau stand auch schon das nächste Abenteuer am Programm. Dieses Mal ging es mit der Eisenbahn in die russische Steppe. Um genau zu sein nach Zherdevka und von dort aus weiter mit dem Auto nach Petim. Für die rund 600 km lange Bahnfahrt ist man ca. 10 Stunden unterwegs.

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Neben netten und gastfreundlichen Leuten, sehr guten Gurken, Tomaten und extrem leckeren Zuckermelonen gibt es dort sehr viel Natur.

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Man kennt diese weitläufigen Landschaften ja aus diversen Dokus, aber wenn man es dann in real erlebt wirkt das noch viel extremer.

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Neben dem leckeren Gemüse und der unendlichen Landschaft, habe ich in der russischen Steppe die dunkelsten Nächte meines Lebens erlebt. Die Milchstraße war mit bloßem Auge zu erkennen – sehr imposant!

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Bevor es nach einem 4-tägigen Aufenthalt wieder mit dem Zug zurück nach Moskau ging, besuchte ich noch den wöchentlichen Markt in Zherdevka.

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Neben Gewand, frischem Obst und Fleisch kann man dort auch lebende Tiere kaufen. Ein Kalb ist bereits für 15.000 Rubel zu haben.

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Nach einem erneuten Aufenthalt in Moskau stand nun auch schon die letzte Reise auf dem Programm. Es ging nach Saratov. Saratov liegt etwa 700 km südöstlich von Moskau und hat 838.000 Einwohner. Die Stadt ist ein wichtiges Kultur- und Wirtschaftszentrum sowie Universitätsstadt und bildet zusammen mit dem auf der anderen Seite der Wolga gelegenen Engels eine Agglomeration mit rund 1,2 Millionen Einwohnern.

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Natürlich flog ich dort aber nicht hin um die Stadt zu besichtigen, sondern gab es vielmehr einen aviatischen Grund. Der Grund war eine Yak 42 von Saratov Airlines. Am Flughafen Domodedovo angekommen, stand sie auch wirklich bereit.

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Die RA-42328 wurde 1985 an das Russische Ministerium für Zivilluftfahrt ausgeliefert und befindet sich seit 1993 im Besitz von Saratov Airlines. Auch dieser Flug hob pünktlich ab und den einstündigen Flug habe ich hauptsächlich mit fotografieren verbracht.

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Die Kabine war zwar schon etwas moderner als die der An-24, dennoch eine nette Abwechslung zu modernem westlichen Gerät!

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Da es am Flughafen Saratov natürlich keine Fluggastbrücken gibt, hatte ich das Vergnügen die Yak 42 durch die Heckklappe zu verlassen. Dazu gab es schräge Töne von Jean Michel Jarre! Sehr kultig. 

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Disembarking Yak 42

Meinen kurzen Aufenthalt in Saratov verbrachte ich rund um den Flughafen und konnte auch dort ein paar Erinnerungen einfangen.

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Erst seit kurzem steht diese 45 Jahre alte, neu restaurierte An-24 vor dem Flughafenterminal. Sehr toll!

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Innen ist der Flughafen sehr überschaubar und eine kleine Spur größer als der von Pskov.

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Da Saratov Airlines die erste russische Fluglinie ist welche Embraer betreibt, konnte ich mir den Spaß nicht nehmen lassen und habe mich entschieden, den Rückflug mit einem ERJ 195 zu machen. Auch dieser Flug verließ pünktlich die Parkposition.

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Im Anflug auf Moskau sah ich dann zum ersten Mal seit ca. 3 Wochen dichte Bewölkung.

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Nach all dem Reisestress standen zum Abschluss noch ein paar Tage Erholung in Moskau am Programm, bevor es schließlich wieder zurück nach Wien ging. Es war eine wunderbare Reise voller Abenteuer, netter Bekanntschaften und tollen Erlebnissen...

Link zum Artikel über den Flug mit der Il-96 und zum Artikel mit der Tu-154.



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