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Von: Roman Payer

Verfasst am: 06.03.12 13:52

VKI: "Rückflugklausel" der Lufthansa gesetzwidrig

Nimmt der Passagier den Rückflug nicht in Anspruch, darf der höhere Preis für ein One-Way-Ticket nicht nachträglich in Rechnung gestellt werden.

Widersprüchlich: Oneway-Tickets sind oft teurer als Retourflüge. (Screenshot: Lufthansa Buchungsmaske)

Widersprüchlich: Oneway-Tickets sind oft teurer als Retourflüge. (Screenshot: Lufthansa Buchungsmaske)

Der Verein für Konsumenteninformation VKI ging gegen die sogenannte "Hin- und Rückflugklausel" in den Geschäftsbedingungen der Lufthansa vor. Diese Klausel regelt, dass der Kunde, lässt er einen Flug verfallen, nachträglich mit dem in der Regel höheren Preis eines One-Way-Tickets belastet werden kann. Das Handelsgericht Wien sieht diese Klausel als überraschend und gröblich benachteiligend an. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die inkriminierte Klausel lautet: "Wird die Beförderung auf einer vorangehenden Teilstrecke nicht oder nicht in der im Flugschein vorhergesehenen Reihenfolge angetreten, so wird derjenige Flugpreis berechnet, der zum Zeitpunkt der Buchung für ihre abweichende, tatsächliche Streckenführung maßgeblich gewesen wäre. Sofern dieser Flugpreis höher ist, als für die im Flugschein angegebene Strecke, können wir die weitere Beförderung davon abhängig machen, dass Sie den anfallenden Aufpreis nachentrichten." Lässt man den Rückflug ausfallen, behält sich Lufthansa vor, den Preis für ein teureres One-Way-Ticket nachträglich in Rechnung zu stellen.

"Diese Regelung wäre etwa so, wie wenn man bei der Bestellung eines Menüs ohne Suppe plötzlich einen Aufpreis zahlen müsste", argumentiert die VKI-Juristin Maria Ecker. Kritik an der Vorgangsweise der Lufthansa wurde auch im Forum von Austrian Aviation Net laut. Dass ein Hinflugticket teurer ist als ein Ticket für Hin- und Rückflug ist für viele paradox und unverständlich.

Das Handelsgericht Wien in ihrem Urteil: Die Klausel ist zum einen für die Kunden überraschend und zum anderen gröblich benachteiligend. Überdies sei der Aufpreis "zum Zeitpunkt der Buchung" im Nachhinein nicht leicht feststellbar und damit für den Kunden intransparent. Das Gericht sieht die Bearbeitungsgebühr von 35 Euro (bei Tickets bis 250 Euro) für die Rückleitung von bereits vom Kunden vorweg bezahlten Steuern und Gebühren im Fall des Nichtantrittes des Fluges als sachlich nicht gerechtfertigt an.

"Die Hin- und Rückflugklausel' wird die Gerichte noch weiter beschäftigen", so Ecker. Zum einen hatte der VKI eine Verbandsklage - geführt im Auftrag der Arbeiterkammer Tirol - gegen die AUA in erster Instanz mit gerade gegenläufiger Begründung verloren und natürlich Berufung ergriffen. Zum anderen ist auch im vorliegenden Fall mit einem Rechtsmittel der Lufthansa zu rechnen.



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