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Von: Sonja Dries und Roman Payer

Verfasst am: 10.01.12 14:28

Sparpaket: Austrian Airlines am Scheideweg

Der AUA steht einmal mehr ein "Schicksalsjahr" bevor. (Foto: Sonja Dries)

Der AUA steht einmal mehr ein "Schicksalsjahr" bevor. (Foto: Sonja Dries)

"Die Welt ändert sich, die Luftfahrtbranche ändert sich, jetzt muss sich auch die AUA ändern", mit diesem Credo ging der neue CEO von Austrian Airlines, Jaan Albrecht in seine erste Pressekonferenz.

Gemeinsam mit den Vorstandskollegen Peter Malanik und Andreas Bierwirth erklärte er im Marriott Hotel der versammelten Presse, wie die AUA doch noch gerettet werden soll. Das Sparpaket bedeutet für die Boeing 737-Flotte das Ende, stattdessen sollen "bis zu sieben A319 und A320" von der Lufthansa zur AUA kommen. Mit den neuen Airbussen soll auch die Eigenkapitalquote der AUA verbessert werden. Für die elf Boeing 737 gibt es laut Bierwirth bereits erste Angebote. Dass man sich von dem Flugzeugtyp trenne, obwohl man erst vor kurzem in neue Sitze investiert hatte, habe keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt. "Durch die neue Kabine hat sich der Marktwert der Flieger erhöht", so Bierwirth zu Austrian Aviation Net.

Unterm Strich bedeutet der Flottentausch ein Minus von vier Fliegern. Bodenbetriebsrat Alfred Junghans sieht ein "Ende des Flottensalates" grundsätzlich positiv. Er ist aber im Vorfeld von nur zwei Flugzeugen weniger ausgegangen. Um ihre Jobs müssen die Austrian-Mitarbeiter nicht bangen, der Vorstand schloss Kündigungen derzeit aus. Die Piloten und Techniker der 737-Flotte sollen umgeschult und auf anderen Typen eingesetzt werden.

Einschnitte könnte es für das Personal aber bei den Gehältern geben. 2012 würden die Personalkosten um sieben Prozent steigen, mit neuen Kollektivverträgen und dem Aus für automatische Lohnerhöhungen will das Management dem entgegen wirken. Widerstand kündigte bereits der AUA-Betriebsrat Bord an. In einem E-Mail an Austrian Aviation Net sagte Betriebsratschef Karl Minhard: "Die Sanierung eines Dienstleistungsunternehmens über die Personalkosten ist zum Scheitern verurteilt. Der Betriebsrat Bord wird dem nicht zustimmen."

Erneut verwies das Management auf den teuren Standort Wien. Der Vorstand kündigte neue Verhandlungen mit Austro Control, dem Flughafen Wien und der OMV an. Insgesamt seien 2011 305 Millionen Euro an Gebühren angefallen, das sei ein Viertel des gesamten Umsatzes. COO Peter Malanik: "Wien ist nicht konkurrenzfähig." Die Arbeitnehmervertreter sehen die angekündigten Verhandlungen mit Skepsis: Das Einsparungspotential bei den Systempartnern basiere ausschließlich auf Hoffnungen des Vorstands.

Am Rande der Pressekonferenz sagte Bierwirth im Gespräch mit Austrian Aviation Net, dass man gegenüber der Politik Druckmittel in der Schublade habe. Falls es keine Zugeständnisse gebe, müssten die Austrian Airlines schrumpfen. Das würde ein Ausdünnen von Nischen-Destinationen in Osteuropa bedeuten und die geplante Einflottung von insgesamt vier Langstrecken-Flugzeugen wäre vom Tisch.

Austrian Airlines wollen auch die Erlöse steigern. Einerseits will man mehr Business-Passagiere in die Flugzeuge bringen, andererseits wird die Lauda Air in den Vertrieb integriert. So sollen mehr Flugtickets an Urlauber verkauft werden.

Relativ sanft blieben die Vorstände gegenüber den Konkurrenten NIKI und Air Berlin. "Wettbewerb belebt den Markt", sagte Bierwirth auf der Pressekonferenz. In einem Rundschreiben, das gestern Abend an die Mitarbeiter verschickt wurde, war man da deutlich aggressiver. In dem E-Mail heißt es: "Wir müssen den Kampf gegen Air Berlin gewinnen. Sonst haben wir keine Zukunft. Auf Dauer kann es am Standort Wien nur einen Home Carrier geben." Insgeheim geht die AUA-Führung davon aus, dass der Golf-Carrier Etihad, der bei Air Berlin im Dezember groß eingestiegen ist, auch ein Auge auf Wien geworfen hat. NIKI könnte noch heuer Flüge von Wien nach Abu Dhabi aufnehmen. Offiziell sagt die AUA: "Das wissen wir nicht."

Weiter ungewiss bleibt die Zukunft von Tyrolean. Eine Integration in die Mainline wurde jedenfalls ausgeschlossen.

Am Sparpaket zu arbeiten beginnen wollen die AUA-Manager nächste Woche. Viel Zeit bleibt nicht, heuer sollen bereits 220 Millionen Euro eingespart werden. Innerhalb des nächsten Monats will man außerdem bekanntgeben, welche Destinationen dem Rotstift zum Opfer fallen.



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