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Von: Manfred Saitz

Verfasst am: 06.02.11 16:49

Dornier Museum Friedrichshafen

Direkt am Flughafen Friedrichshafen befindet sich seit Juli 2009 ein außerordentlich sehenswertes Museum, welches sich der Geschichte des Unternehmens Dornier, seiner Mitarbeiter und Produkte sowie der Geschichte der bedeutenden, mit Friedrichshafen eng verbundenen, Unternehmerfirma Dornier widmet.

Über einen Rollweg direkt an das Rollwegsystem des Flughafens angeschlossen beherbergt es im Innen- und Außenbereich Flugzeuge und Originalexponate aus allen Bereichen des Unternehmens, ein Archiv, Fachbibliotheken, ein Kino, einen Eventbereich, ein Restaurant, einen Bereich für Kinder und vieles mehr.

Aussenansicht des Museums (Foto: Manfred Saitz)


Um die Bedeutung und Tradition des Dornier Konzerns zu verstehen ist es sinnvoll, sich ein wenig mit der Firmenchronik zu befassen. Die Geschichte und Bedeutung des Unternehmens Dornier geht auf den 1884 in Kempten im Allgäu geborenen Claude Honorè Desirè Dornier zurück. Dieser erwarb 1907 sein Diplom als Maschinenbauer und trat 1910 in die Versuchsabteilung der Luftschiffbau Zeppelin GmbH ein. Bereits 1914 wurde ihm von seinem Mentor Graf Zeppelin ein eigenes Entwicklungsbüro eingerichtet. 1917 wurde daraus die eigenständige Abteilung „Do“ im Zeppelin-Konzern. Claude Dornier wurde – gemeinsam mit Hugo Junkers – zum ersten Hersteller, der Flugzeuge in zukunftsweisender Metallbauweise fertigte.

Wegen der im Versailler Vertrag auferlegten Bauverbote und Beschränkungen verlegte das Unternehmen seinen Firmensitz in die Schweiz, nach Altenrhein am Bodensee. Claude Dornier wandte sich allmählich größeren Flugschiffen für den Langstreckenverkehr zu. Am 12. Juli 1929 hob die Do X zu ihrem Jungfernflug ab, mit 48 Metern Spannweite, 56 Tonnen Abfluggewicht und von zwölf Motoren angetrieben das größte Flugzeug seiner Zeit.

Flugboot Do X (Foto: Dornier Museum)


1932, mitten in der Wirtschaftskrise, kaufte Claude Dornier dem Zeppelin-Konzern alle Anteile an der Dornier-Metallbauten G.m.b.H. ab und besaß damit sein eigenes Unternehmen. In den nächsten Jahren entwickelte sich ein Nordkonzern in Wismar und ein Südkonzern in Friedrichshafen. Im Rahmen der Rüstungsaufträge wuchs die Zahl der Beschäftigten bis Ende 1938 auf 12.605 an.

Mit dem Kriegsverlust für Deutschland lag 1945 auch das Lebenswerk von Claude Dornier in Trümmern. Das Potsdamer Abkommen untersagte den Bau von Flugzeugen. Erst 1955 konnte die Flugzeugherstellung in Deutschland wieder anlaufen.

Erste Neuentwicklung war das robuste Mehrzweck-Kurzstartflugzeug Do 27, gefolgt durch die zweimotorige Do 28 im Jahr 1959. 1966 wurde die für bis zu 12 Passagiere ausgelegte Do 28D Skyservant aufgelegt.

Do 28A im Dornier Museum (Foto: Manfred Saitz)


1967 wurde die Do 31 vorgestellt, das weltweit erste Strahl-Transportflugzeug mit der Fähigkeit, senkrecht zu starten und zu landen (VTOL). Diesem Projekt war aber – trotz seiner technologischen Einzelartigkeit und der Aufstellung zahlreicher Weltrekorde - kein kommerzieller Erfolg beschieden.

Do 31 im Dornier Museum (Foto: Manfred Saitz)


1962 übergab Claudius Dornier die Firmenführung an seine Söhne. Am 5. Dezember 1962 verstarb er im Alter von 85 Jahren. 1970 übernahm sein ältester Sohn, Claudius jr., den Vorstandsvorsitz.

Das Unternehmen Dornier diversifizierte in den nächsten Jahren und baute die Sparten Raumfahrt, Verteidigungstechnik, Elektronik und Medizintechnik auf. Durch wechselnde projektbezogene Kooperationen konnte die Unabhängigkeit bewahrt werden. Dornier wurde zu einem bedeutenden Forschungs- und Entwicklungspartner.

1981 entwickelte Dornier die Do228, ein 19-sitziges leichtes Turbopropflugzeug mit Kurzstart- und landeeigenschaften (STOL), das mit dem von Dornier entwickelten Tragflügel neuer Technologie (TNT) ausgestattet ist. Bis 1988 wurden von Dornier und von Hindustan Aeronautics in Indien in Lizenz 275 Maschinen dieses Typs gebaut. 2009 hat die schweizer Firma RUAG in Oberpfaffenhofen die Produktion der überarbeiteten Version Do228NG mit von Hindustan Aeronautics produzierten Komponenten wieder aufgenommen.

1985 beteiligte sich die Daimler-Benz AG mit 68 Prozent an Dornier. Die Anteile der Familienangehörigen gingen in den folgenden beiden Jahrzehnten nach und nach an Daimler über. Die Übernahme ermöglichte Daimler die Entwicklung des 30-sitzigen Passagierflugzeuges Do328. 1996 wurde der größte Anteil der Firma Dornier Luftfahrt GmbH vom US-Flugzeugbauer Fairchild Aircraft übernommen und in die Firma Fairchild-Dornier umgewandelt.

Die restlichen Dornier Unternehmen gingen 1989 in der Daimler-Benz Aerospace AG (DASA) auf. Diese wurde schließlich im Juli 2000 mit der französischen Aerospatiale-Matra und der spanischen Construcciones Aeronauticas S.A. (CASA) zur European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) vereinigt.

Nach der Eingliederung der Firma Dornier in die Daimler-Benz AG kam im Kreis der Familie der Wunsch auf, die Leistungen Claude Dorniers zu dokumentieren und künftigen Generationen zugänglich zu machen. Silvius Dornier ergriff die Initiative und gründete 2005 mit einem Kapital von 5 Mio. Euro die gemeinnützige Dornier Stiftung für Luft- und Raumfahrt, deren wichtigstes Projekt der Aufbau eines Dornier Museums war.

Silvius Dornier brachte insgesamt 30 Mio. Euro für das Museumsprojekt auf, was einen großzügigen Neubau ermöglichte. Auch die Firma EADS unterstützte das Projekt großzügig. Sie stellte nicht nur einen Zuschuss in der Höhe von 4 Mio. Euro zur Verfügung, sondern brachte Originalexponate wie den Senkrechtstartes Do31 ein, ließ die Exponate des EADS Dornier Museums Meersburg einfließen und ermöglichte den Zugriff auf den übernommenen Bild- und Filmbestand des historischen Dornier-Unternehmensarchivs.

Das Projekt schritt rasch voran. Am 14. Mai 2007 wurde die Grundsteinlegung vorgenommen, am 7. November 2008 fand das Richtfest statt, am 23. Juli 2009 wurde das Museum eröffnet. Parallel wurde vom Museumsteam die Sammlung zusammengestellt. Fieberhaft wurde nach versteckten Schätzen wie Modellen, Originalteilen, Plänen oder Bildern gesucht.

Architektonisch ist das Dornier Museum sehr gelungen. Durchgeführt wurde der Bau vom Münchner Architekturbüro Allmann Sattler Wappner. Der Grundriss des Museums in Form eines Hangars zeichnet symbolisch eine Rollfeld-Abzweigung des Flughafens Friedrichshafen.

Über dem Foyer bildet, quasi schwebend, eine „Museumsbox“, das Herz und Kernstück der Ausstellung. Hier gewinnt man Einblick in den reichhaltigen Fundus, der den Namen Dornier seit über 100 Jahren mit der Luft- und Raumfahrtgeschichte verbindet. Eine filmische Dreidimensionale mit Leinwänden an drei Seiten des Raumes stimmt den Besucher auf das Wirken Dorniers im Wandel der Zeit ein. Ein Rundgang mit Raumbildern und Dioramavitrinen veranschaulicht die Entwicklungsschritte in der Firmengeschichte.



"Dreidimensionales" Kino (Foto: Manfred Saitz)

Schauraum in der "Museumsbox" (Foto: Manfred Saitz)

  

Vitrine mit Modellen von Dornier Flugbooten (Foto: Manfred Saitz)

Ausstellungsdetail in der "Museumsbox" (Foto: Dornier Museum)

Modelle diverser Dornier Flugboote (Foto: Manfred Saitz)

Ausstellungsbereich zum Thema Raumfahrt (Foto: Manfred Saitz)


Nach dem Verlassen der "Museumsbox" blickt der Besucher von der 100 Meter langen Galerie in den Hangar mit einer lichten Höhe von 9,50 Meter, der mit einer großen Anzahl sehenswerter Exponate gut gefüllt ist. Auf der Galerie selbst werden zentrale Technologien präsentiert, die das Unternehmen zwischen den 1960er und 1980er Jahren entwickelt hat.

Blick von der Galerie in den Hangar (Foto: Manfred Saitz)

Flugfähiger Experimentelles VTOL/STOL Flugzeug Do 29V-1 (Foto: Manfred Saitz)


Über eine Treppe gelangt man direkt zu den ausgestellten Flugzeugen und kann diese aus nächster Nähe betrachten. Die Exponate sind durch ihre historische Bedeutung und durch ihr Design sehr beeindruckend. Ausgestellt sind Serienverkehrsflugzeuge, Prototypen, Versuchsträger, Satelliten und Fluggeräte.

 

Do 28E-TNT Experimentalträger für den Tragflügel neuer Technologie für die Do 228 (Foto: Manfred Saitz)

Experimentelles Jet-VTOL Flugzeug Do 31 E1 (Foto: Manfred Saitz)


In einer Nische des Hangarbereichs befindet sich das Kino, in dem auf einer 35 Quadratmeter großen LED Leinwand die historischen Flugzeuge und die Geschichte des Unternehmens lebendig präsentiert werden.

Aus dem Hangar gelangt man wieder in die Eingangshalle, aus der man – geeignetes Wetter vorausgesetzt – auch noch das Restaurant mit seiner Terrasse aufsuchen sollte: Sie bietet einen ungestörten Blick auf das Geschehen auf den Rollwegen und der Piste des Flughafens Friedrichshafen.

Die im Außenbereich des Museums ausgestellten Flugzeuge kann man aus der Museumsbox, von der Terrasse des Restaurants und der Vorfahrt aus betrachten. Der Museumsshop bietet zum Abschluss noch die Möglichkeit, bleibende Erinnerungen oder lesenswerte Informationen mitzunehmen.

Museums-Außenbereich u.a. mit Do328JET und Br1150 Breguet Atlantic (Foto: Manfred Saitz)

Museumsshop im Eingangsbereich (Foto: Manfred Saitz)


Der Besuch dieses beeindruckenden Museums ist unbedingt zu empfehlen und sollte mit einem Besuch des Zeppelin Museums in Friedrichshafen sowie einem Rundgang in der schönen Innenstadt am Bodenseeufer kombiniert werden.

Austrian Aviation Net dankt dem Dornier Museum für die Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Featureberichts.



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