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Von: Martin Metzenbauer

Verfasst am: 23.02.15 07:12

Ein Taxi zur Startbahn bitte!

Am Flughafen Frankfurt können Piloten nun selbst den TaxiBot-Flugzeugschlepper zur Runway steuern.

Der TaxiBot im Einsatz am Flughafen Frankfurt (Foto: Lufthansa / Jürgen Mai).

Der TaxiBot im Einsatz am Flughafen Frankfurt (Foto: Lufthansa / Jürgen Mai).

Nicht nur in der Luft sondern auch am Boden verbrauchen Flugzeugturbinen Treibstoff, verursachen Lärm und belasten die Luft. In der Regel werden die Engines bereits an der Parkposition bzw. während des Pushback-Vorganges angelassen. Mit eigener Kraft fährt die Maschine dann zur Startbahn. Dies wäre prinzipiell nicht notwendig, wenn die Flugzeuge mittels Schlepper zur Runway gezogen würden und dann erst dort ihre Motoren starten.

Der israelische Luftfahrtkonzern Israel Aircraft Industries (IAI) entwickelt seit einigen Jahren ein System namens TaxiBot. Dabei handelt es sich um einen Schlepper, der das Flugzeug - durch die Piloten gesteuert - zwischen Gate und Startbahn transportieren kann. Dadurch müssen die Engines erst kurz vor Erreichen des Holding Point gestartet werden.

Verteter von LEOS und IAI feiern den Routinebetrieb des TaxiBot (Foto: Lufthansa / Jürgen Mai).

Gelenkt wird der TaxiBot vom Cockpit aus - die Bewegungen des Bugrades werden vom System erkannt und in Lenkvorgänge des Schleppers umgewandelt. Genauso erkennt der Schlepper, wenn die Bremse des Hauptfahrwerkes betätigt wird - der TaxiBot bremst dann ebenfalls ab.

Nachdem das System in den letzten Jahren in Kooperation mit der Lufthansa-Tochter LEOS intensiv getestet wurde, hat die Europäische Luftfahrtbehörde EASA nunmehr ihren Sanktus für den Routinebetrieb gegeben. Ab sofort kommt der stangenlose und 800 PS starke Schlepper am Flughafen Frankfurt im realen Flugbetrieb zum Einsatz. Bei Lufthansa rechnet man damit, pro Jahr rund 2.700 Tonnen Kerosin einzusparen. Das entspricht umgerechnet rund 130 Tankfüllungen (voll!) einer Boeing 737. Kein Wunder, dass der israelische Hersteller eine Amortisationsdauer von nur ein bis zwei Jahren angibt.

Drei TaxiBots sind derzeit am Flughafen Frankfurt im Einsatz (Foto: Lufthansa / Jürgen Mai).

Neben dem Umweltschutz bietet der TaxiBot aber noch weitere Vorteile: So kann nach dem Pushback sofort losgefahren werden - Flaschenhals-Situationen in Gate-Nähe werden dadurch vermieden. Die Geschwindigkeit beim Rollen beträgt bis zu respektablen 23 Knoten - umgerechnet rund 42 Kilometer pro Stunde. Weiters wird die Wahrscheinlichkeit von "Foreign Object Damage" an den Flugzeugtriebwerken verringert. Im Gegensatz zu einer Operation mit einem konventionellen Schlepper ist es die Cockpitbesatzung, die "in command" ist - ein Vorteil aus Gründen der Sicherheit, Verantwortlichkeit aber auch aus regulatorischen bzw. rechtlichen Gesichtspunkten.

Video: YouTube / IAI

Der aktuelle TaxiBot wird für Single-Aisle-Flugzeuge eingesetzt. Der nächste Schritt ist die Zertifizierung eines Modells für die "Heavies". "Die TaxiBot-Familie wird um ein weiteres Modell ergänzt, das für alle Großraumflugzeuge wie die Boeing 747 und den Airbus A380 eingesetzt werden kann", erklärte Yehoshua Eldar, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von IAI und Leiter des Lenkungsausschusses für das TaxiBot-Programm. Dieser wird ebenfalls wieder in Kooperation mit Lufthansa erprobt.



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