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Von: Josef Zitzler und Jan Gruber

Verfasst am: 18.03.15 08:24

Hahn-Chef Markus Bunk im Interview

"Wer Größe hat, hat auch eine gewisse Macht, sei es nur im Lobbying."

Markus Bunk ist Geschäftsführer des Flughafens Frankfurt-Hahn (Foto: Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH).

Markus Bunk ist Geschäftsführer des Flughafens Frankfurt-Hahn (Foto: Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH).

Im heurigen Jahr war der Flughafen Frankfurt-Hahn nicht mit einem eigenen Stand auf der ITB vertreten, doch Airportchef Markus Bunk nahm sich dennoch Zeit für ein ausführliches Interview mit Austrian Aviation Net. Der Manager leitet seit Mitte des Vorjahres die Geschicke des Hunsrück-Airports.

Ein kleiner Flughafen, der immer wieder mit hohen Verlusten und dem Abzug von Cargo-Airlines durch die Schlagzeilen geht, aber auch Ryanairs größte Basis in Deutschland ist. Flughafenchef Markus Bunk ist jener Mann, auf dem die Hoffnung einer ganzen Region lastet, denn vom Flugverkehr profitiert insbesondere der lokale Tourismus.

Austrian Aviation Net: Der Flughafen Frankfurt-Hahn nennt sich Frankfurt-Hahn, ist aber ziemlich weit weg von Frankfurt selbst und äußerst schlecht verkehrstechnisch angebunden…
Markus Bunk: 
Wo kommt denn diese Lüge her? Der Flughafen Frankfurt-Hahn ist von Frankfurt und auch von Köln kommend durchgängig bis vor das Terminal vierspurig angebunden. Wenn man in Frankfurt einmal die Autobahn gefunden hat, geht es ohne Ampel bis zum Check-In. Und das innerhalb von einer Stunde, das heißt nicht länger, als es zukünftig auch in Berlin dauern wird.

AANet: Wenn ich den Flughafen Frankfurt am Main benutze, geht sich das in zehn Minuten aus…
Bunk:
Dafür stehen Sie viel länger an der Sicherheit und müssen dann gegebenenfalls noch bis zum Gate A42 laufen, was Sie weitere 20 Minuten kostet. Bis Sie sich einmal orientiert haben, ist die erste halbe Stunde um.

AANet: Dafür muss ich für den Check-In-Schalter nichts bezahlen…
Bunk:
Wer muss den bei uns am Check-In-Schalter bezahlen?

AANet: Ryanair-Passagiere, die ihre Bordkarte nicht ausgedruckt mithaben...
Bunk:
Eine solche Vergesslichkeit ist uns nicht anzulasten. Nein, im Ernst, es ist schon so, dass eine Ryanair da andere Maßstäbe ansetzt; diese Maßstäbe erfordern beispielsweise, dass der Passagier seinen Teil dazu, dass die Ticketpreise so günstig sind, beiträgt.

AANet: Frankfurt-Hahn war die erste Basis nach Brüssel-Charleroi von Ryanair, die sich auf dem Festland befindet. Wie war die Zusammenarbeit mit der Airline in den letzten Jahren?
Bunk:
Wir sind immer noch die größte Basis in Deutschland, mit mittlerweile rund 40 Millionen Ryanair-Passagieren ab Hahn. Die Zusammenarbeit ist – wie erwartet – gut, operativ gibt es kaum eine bessere Airline als Ryanair, das muss man anerkennen. Im kommerziellen Bereich ist die Kooperation sachlich, fair, und immer von dem Versuch getragen, eine vernünftige Partnerschaft hinzukriegen.

AANet: Und im Cargo-Bereich? Durch die Insolvenz der Air Cargo Germany ist da ja Einiges verloren gegangen, in den letzten Monaten war diesbezüglich nicht so viel Positives aus Hahn zu hören.
Bunk:
Das ist leider richtig, wir haben in den letzten zwei Jahren erheblich verloren. Zuerst die ACG, dann die Aeroflot und noch andere, die uns verlassen haben. Wir steuern jedoch dagegen. So haben wir eine Frachthalle in Frankfurt gemietet, die unser verlängerter Arm in das Rhein-Main-Gebiet und dort an das transeuropäische Road-Feeder-Network angebunden ist. Dem Frachtkunden ist es somit gegeben, dass er schon in Frankfurt seine Fracht abgeben bzw. dort abholen kann, und dass die Fracht dennoch ab Hahn geflogen wird; das gegebenenfalls sogar schneller, als von Frankfurt direkt.

AANet: Vor einiger Zeit wurde Frankfurt-Hahn als Billigtankstelle für Flugzeuge ins Gespräch gebracht. Es ging um eine Pipeline-Anbindung mit Kerosin…
Bunk:
Diese Pipeline-Anbindung ist immer noch ein aktuelles Projekt, da die europäische Pipeline CEPS nur 1,5 Kilometer am Flughafen entfernt vorbeiläuft. Aber das wird uns nicht zu einem „Billigflughafen“ machen, sondern – wenn alles gut läuft –soll uns dies bei den Kerosinpreisen am Markt den Vorteil bieten, dass wir nicht mehr teurer sind als andere. Denn das Mengenniveau in Hahn ist verglichen mit größeren Standorten natürlich deutlich geringer, sodass bei uns die Differentialkosten der Kerosinversorgung höher sind. Da geht es natürlich um die weit reisenden Frachtkunden, denn bei einem Interkont-Flug, der 100 Tonnen Sprit an Bord hat, spielt der Treibstoff eine andere Rolle als bei einem Kurzstreckenflug mit der 737.

AANet: Wenn Sie den Flughafen Hahn heute betrachten, wo wollen Sie ihn in fünf oder zehn Jahren haben?
Bunk: Die Position des Hahn muss in fünf oder zehn Jahren deutlich näher an dem sein, was die EU-Kommission von uns verlangt und erwartet, das heißt das Hauptaugenmerk muss bei den Wertbeiträgen und auf einer vernünftigen wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens liegen.

AANet: Der Flughafen Frankfurt-Hahn gehört mehrheitlich dem Land Rheinland-Pfalz. Mit Zweibrücken ließ das Land schon einmal einen Flughafen bankrottgehen, besteht die Angst, dass das Land auch Hahn einmal in Insolvenz schicken wird?
Bunk:
Nein, diese Gefahr sehe ich in keinster Weise. Rheinland-Pfalz hat ja reichlich in uns investiert und steht auch nach wie vor hinter uns; letztendlich war es ja auch nicht das Land, das Zweibrücken in die Insolvenz getrieben hat. Bei der Situation insgesamt hat auch die EU-Kommission mitgesprochen. Also ich zweifle nicht daran, dass unser Hauptgesellschafter hinter uns steht und uns mit allem unterstützt, was zulässig ist.

AANet: Wie viele Regionalflughäfen braucht Deutschland eigentlich? Findet da eine Marktbereinigung statt?
Bunk: Das liegt an den jeweiligen Eigentümern. Unser klarer Auftrag lautet, dass wir in dem Zeitraum, den die EU vorgibt, Geld zu verdienen haben. Wenn uns das nicht gelingt, werden wir sehen, wie es weitergeht; immerhin sind das jetzt noch neun Jahre, soviel Zeit haben wir, daran zu arbeiten. Ich gehe davon aus, dass auch die Kollegen auf anderen Flughäfen nicht dauerhaft mit hohen Verlusten weiterarbeiten können, das stellt die EU-Entscheidung ja klar

AANet: An was fehlt es dem Flughafen Hahn noch? Vielleicht eine Regionalfluggesellschaft, die Nischen oder innerdeutsche Flüge bedient?
Bunk:
Mir fehlt zunächst einmal die Erkenntnis der Reisenden, dass der Hahn viel „näher dran“ ist, als es gefühlt wahrgenommen wird. Es fehlt weiters die Erkenntnis in der Branche – sowohl in der Logistik als auch zum Teil in der Politik – dass der Hahn eine ernsthafte Alternative insbesondere für Frachtflugzeuge während der Nachtstunden darstellt. Der große Vorteil des Flughafens Hahn ist, dass wir eine uneingeschränkte, dauerhafte 24-Stunden-Betriebsgenehmigung haben und mitten in der Provinz – Nachteil im Passagierverkehr, Vorteil im Frachtverkehr – liegen. Die Flughafengegner können Sie hier an einer Hand abzählen.

AANet: Das beantwortet meine Frage jetzt nicht wirklich. Wäre innerdeutscher Verkehr wichtig für den Flughafen Hahn?
Bunk: Die eine oder andere Strecke, beispielsweise zu den Großstädten, wäre schon schön. Es müsste eine Mindeststrecke (distanzbezogen, Anm. d. Red.) sein und es müsste eine Mindestnachfrage gegeben sein. Hamburg, Berlin, München, viel mehr wäre da nicht; alles Andere wäre zu nahe dran bzw. mit der Bahn zu einfach zu erreichen. Innerdeutscher Verkehr würde jetzt nicht die Rettung des Hahn darstellen, sondern vielmehr eine Ergänzung.

AANet: Vor ein paar Jahren ging Hahn groß durch die Medien aufgrund des „Hahn-Talers“. Ryanair hat darauf sämtliche Buchungsmöglichkeiten ab/nach Hahn abgedreht, und damit gedroht, bei einer Realisierung „weg“ zu sein. Hat sich der Umgang von Ryanair mit den Flughäfen seither verändert, ist die Airline sozusagen pflegeleichter geworden?
Bunk: Tatsache ist, dass wir partnerschaftlich miteinander umgehen müssen. Ein „Hahn-Taler“ hat einer Ryanair gezeigt, dass Bewegung in die Sache reinkommen muss, weil sonst auch Ryanair eine Station bzw. einen Standort verlieren würde. Ryanair ist zum Wachstum verdammt, und wenn die Airports nicht mehr mitspielen, hat auch eine Ryanair ein Problem. Insofern ist das Potential der Ryanair groß, aber nicht grenzenlos.

AANet: Ryanair sucht sich im Moment größere Flughäfen, bzw. umgekehrt größere Flughäfen leiden darunter, dass eine Lufthansa, Air France, British Airways und Co ihre Frequenzen zurückfahren. Könnte dieser Trend eine Gefahr für Frankfurt-Hahn sein?
Bunk:
Nein, das glaube ich nicht, denn wir sind für Ryanair nach wie vor die größte Basis in Deutschland und DER Flughafen für das Rhein-Main-Gebiet. Der Flughafen Frankfurt am Main und Ryanair passen nicht zusammen und das werden sie so schnell auch nicht. Was die Kollegen an den großen Flughäfen machen, ist völlig nachvollziehbar: Sie versuchen, mit jeder einzelnen Airline den Umsatz auf einem hohen Niveau zu halten. Die Entwicklung der immer geringeren Preise – wie sie die kleinen Flughäfen in den letzten 10, 15 Jahren erfahren haben – werden auch die großen Flughäfen sehen und entsprechend an ihrer Kostenstruktur arbeiten müssen.

AANet: Wenn Airlines neue Strecken eröffnen, ist es nicht unüblich, dass sie für eine Risikobeteiligung die Hand aufhalten. Sind in Ihren Augen solche „Anlaufsubventionen“ sinnvoll oder nicht?
Bunk:
 Wenn diese Anlaufsubvention das Wachstum fördert, mag das ja in Ordnung sein. Wenn diese Förderung „nur“ den Kunden unterstützt, wird das schon wieder schwierig. Wir haben da sehr enge Rahmenbedingungen, die uns von der EU gesetzt werden. Von daher glaube ich, hat sich das Thema Subventionen erledigt; eine Unterstützung zu Beginn einer Geschäftstätigkeit ist ja erst einmal nichts Schlimmes, wenn nach einer gewissen Zeit beide Parteien davon profitieren.

AANet: Im Interview mit dem Flughafenchef von Stuttgart, Georg Fundel, empörte sich dieser darüber, dass Emirates gerne nach Stuttgart fliegen würde, aber nicht darf. Sehen Sie in der deutschen Flughafenlandschaft eine Bevorzugung der großen Player?
Bunk: Wer Größe hat, hat auch eine gewisse Macht, sei es nur im Lobbying. Das ist sicherlich so und üblich in allen Branchen, das sehe ich jetzt nicht so dramatisch. Protektionismus insgesamt – auch wenn er uns am Hahn nicht so betrifft – behindert uns und hat auch nie funktioniert, das zögert Dinge nur hinaus. Ich glaube, es tun alle Player gut daran, sich mit der Situation und mit den veränderten Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen, anstatt über Protektionismus zu versuchen, ihre Geschäftsfelder aufrecht zu erhalten.

AANet: Wie würden sie das Einzugsgebiet von Frankfurt-Hahn umreißen? Was ist die hauptsächliche Catchment Area?
Bunk: Es ist nicht kreisrund, das ist ganz offensichtlich. Unser Einzugsgebiet orientiert sich an der Zufahrtsmöglichkeit, die aus dem Norden und aus dem Osten sehr gut ist. Süd und West ist diesbezüglich nicht ganz so gut ausgebaut, da würden wir gerne noch ein bisschen was verändern. Unser Einzugsgebiet erstreckt sich sehr weit in das Rhein-Main-Gebiet hinein, auch in Richtung Koblenz und Köln. Richtung Trier, Luxemburg und das Saarland wird es schon ein bisschen dünner, da ist dann schon eine Delle zu erkennen.

AANet: Wie stehen Sie zu Parkplatzpreisen am Airport? Es gibt Flughäfen, da erwirbt man gefühlt Anteile am Parkhaus, wo ist Ihrer Meinung nach Hahn positioniert?
Bunk:
Wir sind sicherlich kein Schnäppchen-Flughafen. Aber wir sind immer noch günstiger als die meisten anderen, die Ersparnis des Kunden bei den Ticketpreisen bleibt ihm erhalten.

AANet: Welche Airlines außer Wizz Air und Ryanair bedienen im Moment Frankfurt-Hahn?
Bunk: Sunexpress und Germania fliegen regelmäßig Hahn an.

AANet: Und wie weiten Sie den Kundenstock aus, sind Sie konkret an jemanden dran?
Bunk: Wir werden unseren Vertrieb noch ein bisschen ausbauen und verstärken, und hoffen damit dann auch weiter erfolgreich zu sein. Allerdings bietet natürlich auch eine Ryanair bei uns schon etliche Ziele in Europa an, da wird’s dann auch schon schwierig… Man könnte noch in Richtung Nordeuropa, Frankreich oder Türkei überlegen, da gibt es noch Möglichkeiten. Das wird dann die Aufgabe unseres erweiterten Vertriebs sein, sich da umzusehen.

AANet: Inwiefern erweitert? Gibt es schon eine neue Personalie?
Bunk:
Wir werden uns verstärken, aber ich will noch keinen Namen nennen. In den nächsten zwei, drei Wochen wird es auch da Neuigkeiten geben.

AANet: Abschlussfrage: Was war das Lustigste, das Sie in Ihrer Luftfahrtlaufbahn erlebt haben?
Bunk: Ach, da gibt es viele Kleinigkeiten, Spaß haben wir immer alle viel. Beispielsweise fährt jemand mit dem Fahrrad durch den Sperrgepäck-Röntgenapparat oder solche Sachen… Wir erleben immer wieder etwas Neues, meistens ist der Passagier daran schuld, wenn wir lachen.

AANet: Das verrückteste Handgepäckstück?
Bunk: Es hat tatsächlich jemand eine Babyschale samt dem Kind durch den Röntgenapparat schicken wollen, konnte jedoch noch rechtzeitig gestoppt werden.

AANet: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bunk!



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