Austrian Aviation Net - Das Magazin der österreichischen Luftfahrt
 
 
 
   
 

News Detail


Von: Manfred Saitz

Verfasst am: 04.12.10 19:33

Zeppelin Museum Friedrichshafen

Friedrichshafen am Bodensee beherbergt die weltgrößte Sammlung zur Geschichte und Technik der Zeppelin-Luftfahrt. Grund genug für Austrian Aviation Net, dieses zu besuchen. Ein Museumsportrait von Manfred Saitz.

Alle Fotos von Manfred Saitz

Alle Fotos von Manfred Saitz

Friedrichshafen, die zweitgrößte Stadt am Bodensee nach Konstanz, verdankt seine heutige Größe zu einem gewissen Teil der Ansiedlung der Zeppelinwerke in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Entwicklung der gigantisch großen Luftschiffe sorgte damals dafür, dass Friedrichshafen internationale Bekanntheit erlangte.

Auch nach dem Ende der Starrluftschifffahrt ist Friedrichshafen ein high-tech Zentrum geblieben. Die Zeppelin Konzern und die ZF Friedrichshafen AG, sowie die aus dem damaligen Zeppelin Konzern hervorgegangenen Firmen MTU Friedrichshafen GmbH und Dornier sind dem Standort treu geblieben.

Die Stadt und ihre Bürger identifizieren sich noch heute sehr stark mit der luftfahrerischen Vergangenheit. Daher war es schon früh ein Anliegen der Stadt, die spannende aviatische Geschichte darzustellen.

Basierend auf den kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen des ehemaligen Bodenseemuseums und des firmeneigenen Zeppelin-Museums entstand bereits mit dem Wiederaufbau der im zweiten Weltkrieg stark zerstörten Stadt eine erste Präsentation im Nordflügel des Rathauses.

In Zusammenarbeit zwischen Stadt, Freundeskreis zur Förderung des Zeppelinmuseums e.V., Architekten und Museumsfachleuten konnte nach dem 1988 erfolgten Erwerb des denkmalgeschützten Hafenbahnhofes durch den Neu- und Umbau ein Museum geschaffen werden, das dem historischen Erbe gerecht wird und ausreichend Platz für die Exponate bietet.

Modell des Zeppelin Museum mit dem benachbarten Bahnhof und der Schiffsanlegestelle


Dieses wurde im Juli 1996 im wunderschönen Gebäude des 1933 im Bauhaus-Stil fertig gestellten Hafenbahnhofs – einem der wenigen Gebäude der Vorkriegszeit, die in Friedrichshafen noch existieren - eröffnet und beherbergt die weltgrößte Sammlung zur Geschichte und Technik der Zeppelin-Luftfahrt.

Das Museum vom Autoquai aus fotografiert


Durch Hinzufügen eines Neubauteils wurden 4000 Quadratmeter Ausstellungs- und Museumsfläche, Magazin- und Archivräume, ein Restaurant, ein Museumsshop und die notwendige Technik geschaffen. Seit der (Wieder-)Eröffnung haben mehr als 3,5 Millionen Besucher die Sammlungen und Ausstellungen gesehen.

Nach dem Motto des Grafen Zeppelin – „Kunst und Technik“ – befindet sich im zweiten Stock des Gebäudes die Kunstsammlung, die keinen Bezug zu den Zeppelinen hat. Im Erdgeschoss gibt es auch noch einen großen Bereich, in dem immer wieder neue Wechselausstellungen gezeigt werden. Alle Museumsbereiche können mit der erworbenen Eintrittskarte besucht werden und bieten permanente und wechselnde Ausstellungsteile.

Das Museum liegt direkt an der sehr schönen Hafenpromenade. Die Schiffe der Bodenseeschifffahrt legen direkt davor an, auf der anderen Seite des Gebäudes befindet sich der Bahnhof der Deutschen Bahn. Museumsbesucher sollten sich unbedingt Zeit nehmen, die Architektur des Gebäudes von außen und innen zu würdigen.

Museumsfoyer


Aus der marmorierten Eingangshalle gelangt man in den dem „Drang nach Oben“ gewidmeten ersten Raum der Ausstellung. Er wird durch die Außenansicht einer begehbaren originalgetreuen Rekonstruktion eines 33 Meter langen Teilstücks von LZ 129 „Hindenburg“ dominiert.

Außenansicht der Rekonstruktion eines Teilstücks der Hindenburg


Diese wurde, um dem Anspruch weitestgehender Authentizität gerecht zu werden, teilweise mit den aus dem Museumsbestand stammenden Originalwerkzeugen der Entstehungszeit nach den Originalplänen der Firma Zeppelin GmbH. gebaut. Eindrucksvoll erschließen sich dem Betrachter die gewaltigen Dimensionen der Hindenburg.



Größenvergleich der Hindenburg mit dem Zeppelin Museumsgebäude


Die LZ 129 hatte eine Länge von 246,7 Meter und an ihrer dicksten Stelle einen Durchmesser von 41,2 Meter. Den Meisten ist dieses Luftschiff durch sein tragisches Ende am 6. Mai 1937 bekannt, als bei der Landung im amerikanischen Lakehurst ein Feuer ausbrach, das die Hindenburg vernichtete und 35 der 97 Personen an Bord das Leben kostete.

Über das Fallreep gelangt man in die Passagierdecks. Hier kann man das Flair der Zeppelin-Luftschifffahrt aus der Sicht des Reisenden nacherleben. Im B-Deck befanden sich die Aufenthaltsräume, die Küche, die Mannschafts- und Offiziersmesse, sowie Toiletten. Hier gab es auch Galerien mit Fenstern, die einen Ausblick auf die Landschaft ermöglichten und teilweise sogar geöffnet werden konnten.



Aufenthaltsraum in der Hindenburg


Über eine weitere Treppe steigt man hinauf in das A-Deck. Hier gibt es einen Aufenthaltsraum und einen Schreibsalon. Außerdem befinden sich hier die eher spartanisch und zweckmäßig eingerichteten Schlafkabinen mit ihren Doppelstockbetten und in die Wand einklappbaren Waschbecken mit Warm- und Kaltwasser.

Passagierkabine


Interessant und aufschlußreich ist auch der Blick in die Gerippekonstruktion mit den Traggaszellen für den Wasserstoff. 16 Stück davon hatte die Hindenburg an Bord gehabt, mit einer maximalen Kapazität von etwa 200.000 Kubikmetern.

Gerippekonstruktion mit Traggaszellen


Aus dem Hindenburg-Segment gelangt man im ersten Stock in einen Raum, der der „Schwerarbeit Leichtbau“ gewidmet ist. Hier wird die Konstruktionsweise der Luftschiffe veranschaulicht. Hier gibt es Ausstellungsstücke wie Motorgondeln, Propeller, oder Leichtbauprofile und –träger zu bewundern. Der Besucher kann sich ein Bild über den Stand der damaligen Leichtbautechnik machen.



Exponate im Raum "Schwerarbeit Leichtbau"


Motorgondel


Raum drei informiert über die Navigation und die Funktechnik der Luftschiffe. Zahlreiche Exponate geben Einblick in den damaligen Stand der Technik auf diesem Gebiet.



Statoskop


Zwei weitere Räume im ersten Stock veranschaulichen mit vielen Informationstafeln, Fotos und Modellen die zivile und militärische Nutzung der Luftschiffe bis in die heutige Zeit.



Modelle und Schautafeln


Im Erdgeschoß befasst sich ein Raum unter dem Titel „Vision und Verwirklichung“ mit der Geschichte des Zeppelin-Konzerns. Daneben befindet sich der im April 2010 neu eröffnete Medienraum. In ansteigenden Sitzreihen wird in bequemer Bestuhlung auf einer neun Meter breiten Leinwand ein Infofilm gezeigt, in dem die historischen Filme über die Luftschiffe neu komponiert und mit 3-D Animationen kombiniert wurden.

Im Museumsladen, der unabhängig vom Museumsbesuch zugänglich ist, findet sich ein reichhaltiges, thematisch an den Sammlungen des Museums orientiertes Angebot an Artikeln.

Austrian Aviation Net empfiehlt den Besuch des Zeppelin Museums in Friedrichshafen. Am besten in Kombination mit der wunderschönen Gegend rund um den Bodensee. Alle nützlichen Informationen zur Planung eines Museumsbesuchs finden sich unter dem unten angegebenen Link auf der Homepage des Zeppelin Museums.



Aktuell

 
News Regional News International Feature Forum Im Focus Home Newsletter Jobs Facebook Links