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Von: Martin Metzenbauer

Verfasst am: 20.06.14 08:05

Edelweiss: Ferienflieger a la Swiss

Seit knapp 20 Jahren ist der Schweizer Ferienflieger unterwegs - und wird auch zunehmend für österreichische Gäste interessant.

Fotos: Edelweiss (wenn nicht anders angegeben).

Fotos: Edelweiss (wenn nicht anders angegeben).

Die Schweiz ist schon seit langer Zeit für ihr recht vielfältiges Sammelsurium an Fluglinien bekannt. Abgesehen von der „klassischen“ Swissair über die heutige Swiss kommen einem spontan Airlines wie Crossair, Balair, Baboo, Hello, Skywork, CTA, Darwin, Farnair oder PrivatAir aus Vergangenheit und Gegenwart ins Gedächtnis. Aus dieser bunten Wiese sticht nicht zuletzt aufgrund ihres eigenwilligen Namens eine ganz besondere „Blume“ hervor: Edelweiss Air, die seit fast 20 Jahren aktiv ist. Austrian Aviation Net portraitiert die Airline, die auch für den österreichischen Markt eine gewisse Bedeutung hat.

Gegründet wurde die Fluglinie 1995 vom Reisekonzern Kuoni. In der damaligen Zeit – also vor den großen Umwälzungen auf dem europäischen Luftverkehrsmarkt – kam es in Europa immer wieder vor, dass sich Veranstalter eigene Airlines hielten. Man denke an flyFTI, Pullmantur Air oder – als etwas aktuelleres Beispiel – Thomas Cook Airlines. Edelweiss startete damals mit zwei MD-83, der Erstflug fand am 2. Februar 1996 auf der Strecke Zürich-Paphos-Larnaca-Zürich statt.

Das Rückgrat der Edelweiss-Flotte bildet der Airbus A320.

Im Jahr 1997 folgte noch eine dritte MD-83. Aber bereits 1999 begann man, auf Airbus A320-Maschinen umzuflotten. Ab dem Jahr 2000 folgte der nächste große Schritt: Edelweiss startete mit dem ersten Airbus A330-200 auf der Langstrecke – Premierenziel war Male. Die Fluglinie entwickelte sich in den Jahren darauf zu einer vor allem in der Schweiz sehr bekannten und auch beliebten Marke. Davon zeugen auch die vielen Preise, die sich in der Zentrale am Flughafen Zürich-Kloten stapeln.

Mit dem sich drastisch verändernden Marktumfeld in Europa und dem langsamen Verschwinden vieler klassischer Charterairlines musste sich allerdings auch Edelweiss – zumindest teilweise – neu erfinden. Das klassische Geschäft mit großen Kontingenten für Reiseveranstalter hat aufgrund der zunehmenden Konkurrenz durch Low Cost Airlines und das neue Buchungsverhalten über das Internet generell deutlich abgenommen. Heute ist Edelweiss eine Hybrid-Airline und sowohl im Charter- und Tourismus-Geschäft als auch im Linienverkehr tätig.

Schweizer Gastfreundschaft an Bord der Flugzeuge. Immer dabei sind die kleinen Biberli-Kuchen (Mitte).

Gleichzeitig mit der Umstrukturierung wurde die Airline 2008 von Swiss übernommen und fliegt damit seitdem im Lufthansa-Konzern. Obwohl Edelweiss nach wie vor über eine eigene Flotte verfügt – derzeit fünf Airbus A320, ein Airbus A330-200 sowie seit 2011 auch ein Airbus A330-300 – kommt es gelegentlich vor, dass der Mutterkonzern in starken Saisonzeiten mit Fluggerät aushilft. Und auch umgekehrt sind auch Edelweiss-Flieger mit Swiss-Flugnummer unterwegs – so beispielsweise auf einem der drei täglichen Flüge von Zürich nach New York.

Hauptgeschäft ist aber nach wie vor der touristische Sektor. Reiseveranstalter haben weiterhin Priorität, ein Teil geht aber über den Einzelplatzverkauf. Aber auch einige eigene Linienflüge – beispielsweise in den Kosovo – führt die Airline durch. Daneben wird auch auf der Langstrecke vorsichtig expandiert. Im Jahr 2014 wurden beispielsweise Las Vegas und Havanna ins Programm aufgenommen.

Edelweiss-Destinationen im Sommer 2014.

Um auch die serviceverwöhnten Passagieren der Mutter Swiss auf der Langstrecke zufriedenzustellen, wurde im Juni 2014 auf den beiden A330 eine neue Business Class eingebaut, die ihresgleichen bei touristisch orientierten Airlines erst suchen muss. Ähnlich wie die Lie-Flat-Sitze bei Swiss oder auch Austrian Airlines bietet auch Edelweiss den Komfort einer vollwertigen und zeitgemäßen Business Class an. Auch eine aufgewertete „Economy Max“-Klasse wurde in den beiden Langstreckenflugzeugen eingebaut. Austrian Aviation Net wird über diese neue Klassen gesondert berichten.

Der Hauptmarkt für Edelweiss ist naturgemäß die Schweiz. Aber gerade auch für Gäste aus Österreich ist die Airline aufgrund der attraktiven Angebote – vor allem auf der Langstrecke – zunehmend interessant. Durch die Zusammenarbeit mit Swiss können hier Destinationen wie Havanna, Tampa oder Las Vegas – die von Wien nicht direkt erreichbar sind – mit unkompliziertem Umsteigen in Zürich erreicht werden.

Edelweiss-Tram in Zürich (Foto: Martin Metzenbauer).

Die Airline beförderte im Jahr 2013 rund eine Million Passagiere und setzte etwa 365 Millionen Schweizer Franken (ca. 300 Millionen Euro) um. Die Sitzauslastung auf den Flügen, die insgesamt rund 22.000 Stunden unterwegs waren, betrug 83 Prozent.

Die Flotte wurde im Vorjahr um einen Airbus A320 HB-IJW erweitert, der den Namen "Shayan" trägt. Interessant ist, wie es zu diesem Namen - der auf Arabisch "verdienstvoll" heißt - gekommen ist: Die Edelweiss-Facebook-Community hat ihn vorgeschlagen und ausgewählt.

CEO Karl Kistler setzt sich noch regelmäßig selbst ins Edelweiss-Cockpit.

An der Spitze von Edelweiss steht seit 2002 Karl Kistler, ein „Manager zum Anfassen“, wie er gerne bezeichnet wird. Er ist selbst Kapitän und als solcher noch immer regelmäßig im Cockpit und damit mitten im Tagesgeschehen tätig. Ab Herbst wird der 62-Jährige die Airline, an deren Aufbau er mitgearbeitet hat, in jüngere Hände geben. Bernd Bauer (48), der bisher im Revenue Management der Fluglinie tätig war, wird neuer CEO. „Charly“ Kistler selbst möchte der Airline aber weiterhin als Pilot zur Verfügung stehen.

Auch wenn mit dem Rückzug von Karl Kistler aus dem Vorstandsbüro eine Ära des Aufbaus endet, blickt man bei der schweizerischen Ferienfluglinie optimistisch in die Zukunft. „Wir sind überzeugt davon, dass Bernd Bauer Edelweiss in den kommenden Jahren weiter entwickeln und die Erfolgsgeschichte des Unternehmens fortschreiben wird“, erklärte Edelweiss-Verwaltungsratspräsident Harry Hohmeister anlässlich der Bekanntgabe des Führungswechsels.

Zwei Airbus A330 sind für Edelweiss auf der Langstrecke unterwegs.

Edelweiss-Flotte (Stand Juni 2014):

  • Airbus A330-300: 1 (HB-JHQ)
  • Airbus A330-200: 1 (HB-IQI)
  • Airbus A320: 5 (HB-IHX, HB-IHY, HB-IHZ, HB-IJV, HB-IJW)


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