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Von: Roman Payer

Verfasst am: 13.07.11 20:30

Bratislava strebt Ergänzung zu Wien an

Der slowakische Airport im Osten Österreichs will sich neu orientieren. Die sechs CSA-Destinationen sieht man nur als Beginn einer Zusammenarbeit. Im AANet-Interview erklärte Tomas Kika außerdem, warum man von Ryanair nicht abhängig sei.

Alle Fotos: Roman Payer

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Man wolle mit Wien nicht im direkten Wettbewerb stehen, sondern sich als Alternative anbieten. Das ist die Botschaft gewesen, die der staatliche Bratislava Airport heute auf einer Pressekonferenz für österreichische Fachjournalisten vermitteln wollte.

Seit einem Jahr ist die Abflugshalle am Flughafen Bratislava eröffnet, damit könne man fünf Millionen Passagiere jährlich abfertigen. Im Vorjahr waren es an die 1,6 Millionen. Um den Flughafen in der slowakischen Hauptstadt auszulasten, orientiert man sich auch an Passagiere aus Österreich. Im Einzugsgebiet – bei zweistündiger Anfahrt – leben im Vierländereck Slowakei, Tschechien, Österreich und Ungarn insgesamt 2,3 Millionen Menschen, rechnete der Flughafen vor. Dieses Potential möchte man gerne ausschöpfen.

Mit einer Businesslounge will man auch für Geschäftsreisende attraktiver werden.

Doch trotz gewisser Vorteile (Ticketabgabe in Österreich, eingeschränkte Nachtflüge in VIE etc.) gegenüber Wien-Schwechat gelingt es BTS kaum, mit anderen Flughäfen mitzuhalten. Zuletzt gingen die Passagierzahlen entgegen dem allgemeinen Trend sogar zurück. Mit ein Grund ist ein fehlender Carrier, der von Bratislava aus operiert. Zudem wurde die slowakische Luftfahrt von der Wirtschaftskrise besonders stark getroffen. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen der Flughafenbetreiber in die Bratislava-Basis der tschechischen Airline CSA. Vor allem Businesspassagiere hofft man mit CSA wieder verstärkt anlocken zu können, außerdem sei man via Amsterdam und Paris mit internationalen Langstrecken-Hubs verbunden. Der Flughafenchef Maros Jancula wollte auf die jüngsten Streckenkürzungen von CSA nicht eingehen. Dass die Strecke Bratislava-Prag aber wieder gestrichen werde, war für ihn absehbar.

Bratislava Airport sieht sich selbst als "angenehmer" Flughafen, man sei nicht so überfüllt wie Wien, so könne man den Passagieren ein "Erlebnis" bieten. Tatsächlich wirkt der neue Flughafen-Terminal modern, weltoffen und professionell. Den Passagieren biete man in den lichtgefluteten Glashallen neben Gratis-W-Lan auch Ladestationen für Laptops und Handys. Man sieht sich nicht als Low-Cost-Airport und das obwohl beinahe zwei Drittel des Passagieraufkommens von Ryanair generiert werden. Aktuell fokussiert man sich auf dem Markt in Ost- und Südosteuropa. Airlines aus den östlichen Nachbarn und aus der Türkei will man BTS schmackhaft machen. Istanbul etwa sei ein erklärtes Wunschziel der Flughafenbetreiber.

BTS sei das Tor zu Slowakei, so CCO Tomas Kika.

Im Rahmen des Pressetermins sprach Austrian Aviation Net mit dem Chief Commercial Officer Tomas Kika. Kika war, bevor er zum Flughafen Bratislava kam, Pressesprecher bei Skyeurope. Im Interview sprach Kika unter anderem über das Verhältnis zwischen BTS und Ryanair.

Austrian Aviation Net: Das neue Terminalgebäude hat eine Kapazität von fünf Millionen Passagiere pro Jahr. Im Mai 2011 sanken die Passagierzahlen im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent. Wie wollen Sie den Airport auslasten?

Tomas Kika: Im Moment verändern wir unsere Struktur. Mit CSA kommen neue Business-Passagiere. Das ist eine Reaktion auf den Markt. Das Volumen ist nicht unsere Sorge. Wir wachsen bei der Kapazität, bei den Routen und bei den Airlines.

AANet: Sie können hier Nachtflüge anbieten. Wien nicht. Hier gibt es keine Flugticketabgabe, in Wien zahlt jeder Passagier mindestens acht Euro an Luftverkehrsabgabe. Warum kann Bratislava trotz dieser Vorteile das Potenzial nicht voll ausschöpfen?

Kika: Wir sprechen hier von einem sehr kurzem Zeitraum. Die Flugticketsteuer ist in Österreich erst seit zwei Monaten in Kraft. Unser neues Terminal wurde vor einem Jahr eröffnet. Die positiven Auswirkungen für BTS wird man erst in einiger Zeit am Papier ablesen können, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Aber was uns fehlt, ist ein starker Homecarrier. Im Moment sind wir sehr glücklich über die sechs Destination von CSA. Die Basis lässt sich in Zukunft sicher weiter ausbauen. Mit CSA könnte das Vakuum, das durch den Konkurs von Skyeurope entstanden ist, ausgefüllt werden.

AANet: Doch CSA hat bereits nach einem Monat die Strecken ab Bratislava reduziert.

Kika: Ich habe heute mit den Kollegen von CSA telefoniert. Es gibt Dikussionen, Kapazitäten auf gewissen Strecken neu zu verteilen. Das ist eine logische Reaktion auf die Dynamik der Buchungen.

Tomas Kika im AANet-Gespräch: "Wir sind kein Low-Cost-Airport und wir sind auch nicht abhängig von Ryanair".

AANet: Zwei Drittel aller Passagiere ab Bratislava fliegen mit Ryanair. Ist dieses Abhängigkeitsverhältnis und die Marktmacht von Ryanair nicht gefährlich für den Airport?

Kika: Wir sind kein typischer Ryanair-Airport, aber wir sind glücklich, dass diese Vielfalt an Verbindungen angeboten wird. Das ist nur mit einem starken Partner möglich. Ryanair ist einer unserer Business-Partner. Wir arbeiten an unserer Geschäftsbeziehung mit dem Ziel, die Passagiere zufrieden zu stellen.

AANet: Eine sehr diplomatische Antwort.

Kika: Das ist alles, was ich sagen kann. Sollte Ryanair eines Tages von Bratislava weggehen, wird jemand anderer kommen. Wir sind nicht von Ryanair abhängig. Im Moment ist es für andere Airlines aber sehr schwer Fuß zu fassen, da Ryanair viele der profitablen Routen bereits bedient und somit blockiert. Aktuell generiert Ryanair den Großteil des Umsatzes, aber das muss nicht immer so bleiben.

AANet: Sie wollen nun auch verstärkt ein österreichisches Publikum ansprechen. Ist das kein Problem, wenn Bratislava mit Ryanair und Ryanair mit Bratislava assoziiert wird?

Kika: Bisher war Ryanair sicher die größte Airline in Bratislava, aber jetzt mit CSA ändert sich die Situation. Czech Airlines haben den Fuß in der Tür und unsere Vision für den Flughafen ist nicht nur der Point-to-Point-Traffic. Unsere Philosophie sieht Umsteigeverbindungen zu den großen europäischen Hubs vor, auf längere Sicht nicht nur Amsterdam oder Paris CDG, sondern auch zu Hubs in Deutschland. Wir sind offen für die weite Welt.



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