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Von: Roman Payer

Verfasst am: 23.11.11 19:10

Klagenfurt verkommt zum Provinzflughafen

Foto: Flughafen Klagenfurt

Foto: Flughafen Klagenfurt

Drama um den kleinsten österreichischen Verkehrsflughafen: Innerhalb kurzer Zeit verliert der Kärnten Airport die Hälfte der Linienverbindungen. Flugzeuge in der Landeshauptstadt werden ab dem nächsten Jahr rar. Die Lufthansa streicht ab 1. Februar 2012 die drei täglichen Linienflüge nach München. Obwohl sich mehrere Airlines vom Flughafen Klagenfurt abwenden, will Flughafenchef Johannes Gatterer 2013 zehn Millionen Euro in eine neue Start- und Landebahn investieren.

Spätestens bei den Passagierzahlen 2012 wird es zweistellige Verluste geben, sollte es dem Flughafen nicht gelingen, Alternativen zu finden. Jährlich seien 70.000 Passagiere nach München geflogen, heißt es aus Klagenfurt.

Man sei vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sagte Gatterer heute als Reaktion auf das Ende der München-Flüge. Als Hauptgründe nannte die Lufthansa die „verhaltene Nachfrage“ und das geringe Buchungsaufkommen. Auch die Luftverkehrsabgabe und erhöhte Sicherheitsgebühr sowie hohe Kerosinpreise wurden genannt.

Tägliche Linienflugverbindungen gibt es ab Februar nur noch nach Wien mit Austrian Airlines und nach Köln-Bonn mit Germanwings. Ryanair fliegt mehrmals pro Woche nach London-Stansted und jeweils einmal wöchentlich nach Stockholm und Göteborg. Ab Mitte Dezember fliegt Condor wochenends zweimal Hamburg-Klagenfurt und die Lufthansa hat im Winter jedes Wochenende zwei saisonale Flüge von Frankfurt nach Klagenfurt.

Geschäftsreisenden bleibt als Drehkreuz ab Februar nur noch der Flughafen Wien. Gegenüber der APA sagte Gatterer, man werde "jede Möglichkeit in Erwägung ziehen", um eine Anbindung in einen der beiden deutschen Hubs sicherstellen zu können. Wie das gehen soll, ist aber vorerst nicht bekannt.

Der Kärntner Tourismuslandesrat Josef Martinz (ÖVP) stellte Gatterer heute bereits ein Ultimatum: „Das Land leistet sich einen Flughafendirektor nicht, damit immer weniger Flieger in Klagenfurt landen“, so Martinz. „Keine Flieger, kein Flughafen, kein Flughafendirektor.“ Zuständig für die Bestellung des Flughafendirektors ist die Generalversammlung mit den Eigentümern, das sind die Landesholding Kärnten und die Stadt Klagenfurt.

Hintergrund des überraschenden Aus dürften Turbulenzen der Lufthansa mit den Vertriebspartnern in Kärnten gewesen sein. Laut Lufthansa haben Reisebüros sogar davon abgeraten Lufthansa-Flüge zu buchen. „Wir sind leider nicht flächendeckend von allen Vertriebspartnern in Kärnten unterstützt worden“, sagte eine Pressesprecherin zu Austrian Aviation Net.

Vor einer Woche in der Aufsichtsratssitzung war von derartigen Plänen noch kein Anzeichen zu erkennen gewesen. Ohne die tägliche Anbindung an eine der internationalen Drehscheiben in Deutschland ist die Wirtschaft Kärntens weitestgehend isoliert.

2010 starteten und landeten 425.999 Passagiere am Kärnten Airport. Heuer und nächstes Jahr werden es deutlich weniger sein…



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