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Von: Patrick Kritzinger

Verfasst am: 18.08.11 11:47

Schlankheitskur und neuer Chef für Air Berlin

Ein neues Kosteneinsparungsprogramm "Shape & Size" soll Air Berlin wieder ein positives operatives Ergebnis verschaffen. Dafür müssen neben den Verbindungen nach Klagenfurt noch zahlreiche weitere Strecken - unter anderem Verbindungen nach Wien und Innsbruck - weichen. Hartmut Mehdorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn, übernimmt zudem ab September den Platz von Joachim Hunold.

Auch Innsbruck verliert seine Anbindung an Köln/Bonn durch Air Berlin (Foto: AirTeamImages.com)

Auch Innsbruck verliert seine Anbindung an Köln/Bonn durch Air Berlin (Foto: AirTeamImages.com)

Um wieder zur Profitabilität zurückzukehren, hat Air Berlin heute ein umfangreiches Maßnahmenpaket, genannt "Shape & Size", zur Kostenreduzierung präsentiert.

Ab dem ersten September soll zudem der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Hartmut Mehdorn, die Führung der Airline übernehmen und Joachim Hunold als CEO der Air Berlin ablösen. Jener sitzt bereits seit 2009 im Verwaltungsrat der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft und war zuvor einige Jahre bei Airbus tätig.

Aus dem Programm geht hervor, dass man sich künftig verstärkt auf die Hubs Berlin, Düsseldorf, Wien und Palma de Mallorca konzentrieren wolle und durch weitere Streckenstreichungen, Frequenzausdünnungen und eine Reduzierung der Flotte um acht Maschinen die Kapazität um über eine Million Sitzplätze senken werde. Zwar waren in den letzten Monaten die Auslastung und die Einnahmen pro Passagier gesteigert und Kostensenkungsprogramme vorangetrieben worden. Trotzdem konnten die derzeit hohen Kerosinpreise, sowie die zusätzliche Belastung durch die Ticketsteuer nicht kompensiert werden, so der CEO der Air Berlin Joachim Hunold. Letztere sorge für eine massive Wettbewerbsverzerrung und könne nicht vollständig an den Kunden weitergegeben werden. Auch die Nachfrage für Flüge nach Nordafrika habe sich nach den dortigen Unruhen noch nicht erholt.

Von den Streckenstreichungen betroffene Routen sind im Winterflugplan neben den Flügen von und nach Klagenfurt, auch Frankfurt-Hamburg, Frankfurt-Neapel, Stuttgart-St. Petersburg, München-Kairo und Düsseldorf-Paris. Besonders die Regionalflughäfen sehe der CEO zudem als Opfer der Ticketsteuer, müssten doch wegen Unrentabilität nun zahlreiche Strecken – auch nach Österreich – eingestellt werden: Münster/Osnabrück verliert die Verbindungen nach Wien, Sylt und London, Köln/Bonn wird im Winter nicht mehr an Innsbruck, Neapel, Palermo, Valencia und Marokko angebunden und auch Hannover-London wird vorerst nicht weiter angeboten. Karlsruhe, Basel und Dresden werden nun nicht mehr ab dem Drehkreuz Palma de Mallorca angeflogen und Paderborn verliert seine Strecken nach Großbritannien. Auch Verbindungen nach Valencia und Malaga werden über den Winter reduziert beziehungsweise gestrichen. Der Standort Erfurt wird aufgegeben.

Joachim Hunold befürchtet aber, dass all diese geplanten Maßnahmen möglicherweise nicht ausreichen werden, um noch dieses Jahr ein positives operatives Ergebnis zu erreichen, da einige der Einspareffekte erst im nächsten Jahr ihre Wirkung zeigen könnten.

Das große Ziel eines positiven Ergebnisses scheint jedoch näher zu kommen, konnte der Ertrag pro Passagier (Yield) doch zuletzt um 6,5 Prozent auf fast 108 Euro erhöht werden. Der Sitzladefaktor verbesserte sich um 3,6 Prozentpunkte  auf 77,4 Prozent. Durch gezielte Kostenreduzierungen konnten bereits Einsparungen von rund 111 Millionen Euro erzielt werden.

Mit ihren Drehkreuzen ist Air Berlin ebenfalls sehr zufrieden, erfreuen sich doch sowohl Berlin als auch Düsseldorf steigender Umsteigerzahlen. Mit dem neuen Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ soll die Anzahl der Anschlussmöglichkeiten ab 2012 erneut auf wöchentlich 9 000 deutlich gesteigert und der Anteil an Transferpassagieren, der sich momentan auf 17 Prozent beläuft, noch erhöht werden. Gemeinsam mit FlyNiki wird auch der Flughafen Wien zukünftig als Hub ausgebaut und verstärkt auf Umsteigefrequenzen nach Belgrad, Bukarest und Sofia gesetzt.



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